Oper

Hänsel und Gretel lieben Gummibärchen

Hänsel und Gretel im Märchen haben viele Schicksalsgenossen. In der Oper zur Saisoneröffnung steht für sie der Kinderchor aus Wiesendangen auf der Bühne – ein Probenbesuch.

In der Schlussszene  mit dem reich gedeckten Tisch der Besenbinderfamile, haben die Wiesendanger Notefäger ihren grosse Auftritt  auf der Theaterbühne.

In der Schlussszene mit dem reich gedeckten Tisch der Besenbinderfamile, haben die Wiesendanger Notefäger ihren grosse Auftritt auf der Theaterbühne. Bild: Herbert Büttiker

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Die Produktion von Engelbert Humperdincks Oper «Hänsel und Gretel» zur Eröffnung der Spielzeit im Theater Winterthur kommt aus Heidelberg, im Orchestergraben aber spielt das Musikollegium, und auch auf der Bühne sind lokale Kräfte involviert. «Das Märchenspiel in drei Bildern» ist zwar eine durchkomponierte Oper und für Hänsel und Gretel müssen ausgereifte Opernstimmen Kind spielen – schliesslich war Humperdinck Assistent von Richard Wagner. Doch auch ein Kinderchor ist mit im Spiel. Engagiert wurden die Wiesendanger Notefäger. Die gegen vierzig Kinder haben lange geübt, am Montag konnten sie die Bühne besichtigen, am Dienstag folgte die erste richtige Probe im Theater.

Worauf sie sich am meisten freuen? Eine sozusagen professionelle Antwort auf die Frage des Journalisten kommt schlagartig und verschmitzt: Auf den Applaus! Verblüffend ist eine zweite Antwort. Es ist nicht das böse Ende der Hexe und nicht der Auftritt als Engel, wie man vielleicht denkt, es ist der Tisch. Wie denn, der Tisch? Der stand gestern schon auf der Bühne, erklärt der Zehnjährige. Zwar sei das meiste, was darauf so köstlich ausschaut, nicht echt, obwohl es aussieht wie echt, aber es habe da auch richtige Gummibärchen, die sie sich schnappen dürfen.

Singen und Spielen

Die Schlussszene mit dem reich gedeckten Tisch der Besenbinderfamile, ist der grosse Auftritt der Notefäger. Für das Finale, das ein Ende von Not und Angst musikalisch beglaubigt, haben sie schon vor den Sommerferien zu üben begonnen. Die Leiterin Ange Tangermann hat sie bestens vorbereitet.

Aber mit Hinstehen und Singen ist es bei weitem nicht getan. Rolle heisst das Zauberwort. Wie spielen wir verhexte Kinder, die ins richtige Leben zurück gezaubert werden, wie bringen wir die Freude darüber zum Ausdruck, wie spielt man «Erlösung»? Darum geht es jetzt auf der Bühne.

Bild: Herbert Büttiker

Die Regisseurin Clara Kalus zeigt vor, regt mit Fantasie die Vorstellungskraft der Kinder an, und sie hat eben auch die Gummibärchen. Diese sind aber mehr als eine Spielanweisung in Naturalien. Naschen ist schliesslich die «Erlösung», um die es in dieser Oper auch geht. Hunger und Lebkuchenwunder sind die Angelpunkte des Märchens. Als «Fresskomödie» bezeichneten der Komponist und seine Librettistin scherzhaft ihre Oper.

Unten durch und hoch hinaus

Hunger und Angst erleben Hänsel und Gretel im Wald, in dem sie sich verlaufen und die Nacht verbringen. Die Notefäger spielen pantomimisch mit. Sogar unter der Bühne hindurch und aus dem Loch kriechen gehört dazu. Klar, dass es für das Mädchen, das zu dieser Gruppe gehört und davon berichtet, das Grösste ist.

Einen kleinen musikalischen Einsatz haben die Notefäger hier aber auch, wenn auch hinter der Bühne. Hänsel ruft in den finsteren Wald hinaus: «Ist jemand da?» das Echo gibt zurück «ja-a-a!». Anders als in den Bergen kommt das Echo auf der Bühne natürlich nicht von allein. in der Humperdinck-Oper ist es komponiert, und zwar als ein mehrfaches, hoch und fein. Ein Einsatz folgt dem anderen.

Ein Echo wie gerufen

Zwischen Einsingen – ein Ritual, das alle Energien weckt – und vor der Bühnenprobe ist noch kurz Zeit, das Echo zu üben. Erstaunlich, wie schnell es klappt. Aber der richtige Einsatz ist das eine, der strahlende Ton das andere. Was hast du am liebsten? fragt Ines Kaun, die Chorleiterin aus Heidleberg, eines der Kinder. «Ferien» ist die Antwort. «Wollt ihr Ferien?» ruft nun die Dirigentin vor dem Einsatz, und wie gerufen, aber klar intoniert aus den Kehlen kommt das «Ja-a-a!».

So musikalisch kann ein Echo sein, so prompt sind die Notefäger bei der Sache und voller Energie. Man hat den Eindruck, das Opernerlebenis werde schöner sein als Ferien. Nicht verpassen.


Premiere im Theater Winterthuram Freitag, 22.September
weitere Aufführungen am 24., 27., 29. und 30. September. (Landbote)

Erstellt: 20.09.2017, 15:35 Uhr

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