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Halle ahoi!

Die Musikschule Prova hat am Wochenende die Halle 710 beim Eulachpark in ein Schiff verwandelt. Die fünf Kreuzfahrten waren vollständig ausgebucht.

Jakob Bächtold
Wer genau hinhörte, spürte sogar leichten Seegang: Auf Entdeckungsfahrt mit der Produktion «Atlanta 13» in der Halle 710 in Oberwinterthur.
Wer genau hinhörte, spürte sogar leichten Seegang: Auf Entdeckungsfahrt mit der Produktion «Atlanta 13» in der Halle 710 in Oberwinterthur.

Dass ein Gebäude auf Reisen geht, kommt in Märchen und Trickfilmen immer wieder vor. Meistens sind es Schlösser, die auf Wolken oder ähnlichem entschweben. Eine Industriehalle setzte sich am Wochenende in Oberwinterthur eine Industriehalle in Bewegung. Sie erhob sich zwar nicht in den Himmel, machte aber die Leinen los und stach in See.

Der Halle auf den Leib geschrieben

Die Musikschule Prova bespielte die Halle 710 beim Eulachpark mit fünf Vorstellungen der Produktion «Atlanta 13». Die Geschichte eines verwunschenen Schiffs, das aufbricht um das utopische «Neuland» zu entdecken, wurde von über 100 Schülerinnen, Schülern und Lehrpersonen der Prova in Zusammenarbeit mit der Künstlertruppe Fahwerk.ö! mit Musik und Schauspiel in Szene gesetzt. Die Musikschule feierte auf diese Art ihren 25. Geburtstag. Auf traumhafte Art.

Die Musikschule Prova führte zu ihrem 25-Jahr-Jubiläum die Produktion «Atlanta 13» in der Halle 710 in Oberwinterthur auf. Die ehemalige Lagerhalle ist 120 Meter lang – wie der Bauch eines Ozeandampfers.
Die Musikschule Prova führte zu ihrem 25-Jahr-Jubiläum die Produktion «Atlanta 13» in der Halle 710 in Oberwinterthur auf. Die ehemalige Lagerhalle ist 120 Meter lang – wie der Bauch eines Ozeandampfers.
Die Crew wird mit starker Hand geführt: Kapitänin Fuego kommandiert ihre Mannschaft auf ihrem Kahn, der wie die Halle 710 schon viel erlebt hat – unter anderem einen Untergang.
Die Crew wird mit starker Hand geführt: Kapitänin Fuego kommandiert ihre Mannschaft auf ihrem Kahn, der wie die Halle 710 schon viel erlebt hat – unter anderem einen Untergang.
Reto Nüesch Erismann
Fünf Passagiere dürfen mit nach Neuland. Sie teilen sich das Unterdeck mit einer Horde Ratten.
Fünf Passagiere dürfen mit nach Neuland. Sie teilen sich das Unterdeck mit einer Horde Ratten.
Reto Nüesch Erismann
Auf dem Oberdeck sonnt sich derweil die Upperclass.
Auf dem Oberdeck sonnt sich derweil die Upperclass.
Reto Nüesch Erismann
Big Band, Chor, Streicher, Hackbrett, Chanson, Discosturm: Die Prova-Muikerinnen und -Musiker spielen eine musikalische Weltreise.
Big Band, Chor, Streicher, Hackbrett, Chanson, Discosturm: Die Prova-Muikerinnen und -Musiker spielen eine musikalische Weltreise.
Reto Nüesch Erismann
Noch hat die Kapitänin das Schiff im Griff. Doch bald spült ein Sturm die Ratten und Zweit-Klass-Passagiere an die Macht.
Noch hat die Kapitänin das Schiff im Griff. Doch bald spült ein Sturm die Ratten und Zweit-Klass-Passagiere an die Macht.
Reto Nüesch Erismann
Ist es eine Meuterei? Klassenkampf am 1. Mai? «Atlanta 13» steuert aufs grosse Finale zu.
Ist es eine Meuterei? Klassenkampf am 1. Mai? «Atlanta 13» steuert aufs grosse Finale zu.
Reto Nüesch Erismann
An der Derniere verzögert sich der Sturm wegen eines technischen Defekts. Kein Problem: Die Streicherinnen und Streicher spielen einfach in Endlosschleife.
An der Derniere verzögert sich der Sturm wegen eines technischen Defekts. Kein Problem: Die Streicherinnen und Streicher spielen einfach in Endlosschleife.
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Leinen los! Eine Fahrt in zehn Bildern mit der «Atlanta 13» nach Neuland.

Der Clou der Produktion: In der riesigen Industriehalle – 120 Meter lang und mit rund 3000 Quadratmeter Fläche – wurde nicht eine Bühne aufgestellt sondern vier. Unterdeck, Oberdeck, Schiffsbar, Bankettsaal: Der Publikum wurde von Stewards und Matrosen durch den ganzen langgezogenen Schiffsbug gelotst. Die Halle war dabei mehr als eine Bühne: Die Rolle des bereits einmal versunkenen und dank Poseidon wieder aufgetauchten Schiffs war ihr auf den Leib geschrieben. «Schäbi-chic» nannte die Kapitänin die staubigen Ecken. Die (winterlich kalte) Halle zeigte aber auch ihre warmen und malerischen Seiten, etwa das grosse Westfenster, durch das auch das Abendrot mitspielte.

Dass die alten Winterthurer Industriehallen hervorragende Spielstätten sind, haben seit Spacedream schon mehrere Produktionen oder Events gezeigt. Die Halle 710 in Oberwinterthur war bisher eher eine kleine Schwester, ein Mauerblümchen im Vergleich zu den Hallen auf dem Sulzerareal im Stadtzentrum. Mit ihrer zentralen Galerie, die den grossen Raum etwas verstellt, ist die alte Lagerhalle auch weniger spektakulär. Doch «Atlanta 13» hat das Gebäude am Eulachpark für einmal wachgeküsst.

Duett der Blicke: In der Schiffsbar begegnen sich Maria und der erste Offizier. Leservideo: Christian Laux

Und das mit viel Liebe. Die Schiffsratten knabberten, die Maria elektrisierte, die Kapitänin lieferte sich mit den 1.-Klass-Passagierinnen ein Wettstreit in Hochnäsigkeit. Das alles in gekonnter Choreografie. So lenkte das Schauspiel beinahe vom Kerngeschäft der Prova ab: Musik! Das bunte Ensemble unter der Gesamtleitung von Markus Engler von den ganz kleinen bis zu den langjährigen Musikschülerinnen und -schülern spielte gross auf, der für die Jubiläumsproduktion verstärkte Chor stand dem in nichts nach. Erst der Ton brachte die Halle so richtig zum Fliegen. Volle Kraft voraus.

Applaus der Geburtstagsgäste

Die fünf Vorstellungen des Wochenendes waren mit je knapp 200 Besuchern restlos ausgebucht. Am Samstag waren auch einige prominente Geburtstagsgäste geladen, wobei EVP-Nationalrätin Maja Ingold im Schlussjubel eine Matrosenmütze auffing. Angesichts der vielen Eltern und Grosseltern im Publikum ist der grosse Applaus bei solchen Produktionen nie fraglich. Doch diesmal war er – so schien es – noch ein bisschen lauter als sonst.

Matrosen-Gesang aus dem Schiffsgebälk: Der Chor singt im Unterdeck. Leservideo: Christian Laux

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