Konzert

«Heimat ist ein Knopf im Taschentuch»

Die Band Frank Powers aus Brugg macht Popsongs über Heimatgefühle, mal kritisch, mal witzig. Am Donnerstag spielen die Strassenmusiker um Sänger Dino Brandão im Albani.

Dino Brandão, ein Multiinstrumentalist mit beweglicher Stimme. Foto: PD

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Dino Brandão, was ist Heimat für Sie? Und wo?
Dino Brandão: Heimat ist ein Knopf im Taschentuch, ein Strauss Vergissmeinnicht auf dem Nachttisch und eine schwermütige Kiste Altmetall. Eine vage Erinnerung daran, weshalb man zu dem geworden ist, für den man sich hält. Brugg ist meine Heimat. Da, am Ende der S 17, wuchs ich auf und genoss eine zärtlich-wilde Kindheit mit einer Gang von jungen Legenden.

«Ich wünschte mir die Schweiz mehr als Pionierpflanze und weniger als Konservenbüchse.»Dino Brandão

Die Tour steht unter dem Motto «Eine Art Heimatlieder». Wieso nicht einfach «Heimatlieder»?
Wir spielen das «Juheminee», unser neustes Album. In Liedern wie «Nachtigall» oder «Vo Chur uf Brugg» versuche ich dem komischen Heimatgefühl auf die Schliche zu kommen. Ich selber besitze nebst dem Schweizer Pass noch ein abgelaufenes angolanisches Pendant dazu. So hege ich zwangsläufig eine ambivalente Beziehung zu Heimat und Herkunft. Obschon dieses Heimatgefühl wohl einigen Menschen Ruhe und Zugehörigkeit verschafft, sehe ich es eher als eine wirre, mittlerweile schwierig konnotierte Illusion. Es macht für das persönliche Leben einen riesigen Unterschied, welchen Gefilden man entschlüpft ist, aber niemand hatte ja letztendlich die Wahl. Wenn wir uns begegnen, sind wir also einfach nur Menschen. Sich mit Bergen, Flüssen und Tälern zu identifizieren, für die man ebenso wenig kann wie für seine Herkunft, finde ich schwierig. So lassen wir doch die «Art» vorne stehen.

Auf ihrem neuen Album thematisieren Frank Powers Heimatgefühle - beispielsweise mit dem Song «Vo Chur uf Brugg».

Sie singen häufig kritisch über die heutige Gesellschaft. Was läuft heute besonders falsch?
Wir hören einander oft nicht richtig zu, lassen uns nicht ausreden. Das Leben sollte nicht zur Arena werden. Durch diverse äussere Einflüsse werden wir immer skeptischer und ängstlicher. Die Globalisierung hat die Probleme meiner Generation zu einem komplexen Perserteppich voll von Geldflüssen, Abhängigkeiten und Co-Abhängigkeiten, aber ebenso schönen, neuen Möglichkeiten verstrickt. Diese neuartigen Freiheiten – die Möglichkeit, zu reisen, die digitale Vernetzung, der weltweite Konsum – sind teils wunderbar, aber ebenso eine schwere Bürde und Überforderung für jeden Einzelnen. Die Schweiz ist eines der privilegiertesten Länder der Welt, und so wünschte ich mir sie mehr als Pionierpflanze und weniger als Konservenbüchse. Mut ist gefragt, und wenn sich jemand Versuche wie ein bedingungsloses Grundeinkommen leisten könnte, dann wir.

Ein anderes Thema, mit dem Sie sich auseinandersetzen, ist die Gleichberechtigung.
In Sachen weiblicher Gleichberechtigung gibt es noch viel zu tun und für uns Männer zu begreifen.

Was hingegen macht Freude?
Das Schönste finde ich, Menschen zuzusehen, wie sie älter werden. So freue ich mich über jeden zusätzlichen Tag auf dem Buckel, denn altern ist ein Privileg. Ich schätze es manchmal einfach, stehen zu bleiben und zu schauen, was um einen herum passiert. Rollbrettfahren, zu Techno tanzen, Holz verbrennen im jurassischen Stück Wald meiner Freunde und Mitmusiker oder zwischendurch eins über den Durst zu trinken, erfreut mich meistens mindestens temporär ebenfalls. Schön finde ich die Vermischung der Menschen und Sprachen auf diesem Planeten, dass die Geschlechter beginnen, sich komplexer zu vermischen.

Wer inspiriert Sie musikalisch?
Das sind ganz verschiedene Bands, ältere und neuere. Bonga, Big Thief, Idles, Sophie Hunger gehören dazu und auch Courtney Barnett, Bonaparte, DamienRice, Velvet Underground und Goat Girl.

Angefangen haben die FrankPowers als Strassenmusiker in Baden. Was ist der Reiz der Strassenmusik?
Leuten zuzuschauen, wie sie reagieren, beziehungsweise in ihre Routinen zu interagieren. Wir mögen die Spontanität des Ganzen im Vergleich und als Kontrast zum organisierten Tourleben. Und es wird wohl meine AHV ergänzen, wenns denn so weit kommt.

Vor gut drei Jahren widmete auch das Schweizer Fernsehen der Band einen Beitrag und dokumentierte deren Anfänge als Badener Strassenmusiker.

Frank Powers: Donnerstag, 21 Uhr, Albani, Steinberggasse.

Erstellt: 15.01.2019, 16:01 Uhr

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