Seuzach

«Ich bin kein Kultur-Erzieher»

Leichte Sommerklassik präsentiert der Seuzacher Konzertveranstalter Daniel Moos in diesem Jahr zum 25. Mal. Er verspricht «Eine Nacht in der Arena di Verona» und hat dafür auch italienische Stimmen engagiert.

Der Konzertveranstalter Daniel Moos (rechts) mit der Sopranistin Luisella de Pietro und dem Tenor Leonardo Gramegna.

Der Konzertveranstalter Daniel Moos (rechts) mit der Sopranistin Luisella de Pietro und dem Tenor Leonardo Gramegna. Bild: pd

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Herr Moos, Sie verfügen heute über ein Portfolio an künstlerischen Produktionen, die Sie für Anlässe quasi aus dem Hut zaubern können. Beim Start 1993 war der Erfolg Ihrer Firma IMP International Music Productions nicht absehbar.
Daniel Moos: Der Grund, warum ich damals in die Selbstständigkeit startete war eine Anfrage für eine Benefiz-Gala im Tessin für die José-Carreras-Stiftung. Da musste ich mir ein Fax kaufen, für 980 Franken. Als Student war das eine Rieseninvestition, aber für mich der Ausgangspunkt, um eine Firma mit Briefpapier und allem zu gründen. Am Ende lehnte ich den Auftrag ab, eine Veranstaltung für tausend Gäste zu planen und das Ausfallrisiko – falls José Carreras nicht hätte auftreten können – allein zu tragen.

Die von Ihnen gegründete Seuzacher Konzertreihe läuft nun schon seit 25 Jahre.
Es war mehr ein Versuch. Meine Eltern sagten: «Der Prophet im eigenen Land gilt nichts, da kommt doch niemand.» Ich wuchs ja ab 1965 in Seuzach auf. Aber meine Eltern waren recht bekannt; mein Vater war im Kirchenrat und mein Gotti in der Gemeindepolitik. Ausserdem hatte ich zwischen 15 und 18 Jahren zwei Musicals mit Band und Chor komponiert. Die Musicals wurden in der Kirche aufgeführt und der Landbote berichtete darüber.

 «Ich habe schon früh, bei den Schülerproduktionen, beim Schreiner um hundert Franken Sponsoring angefragt – das liegt mir Blut.»

Eine Zeit lang veranstalteten Sie die Konzerte openair.
Das erste Openair 2005 startete gut, das Wetter stimmte. Aber dann gab es Gewitterankündigungen, der Flügel konnte nicht raus auf die Bühne. Es war ein einziges Hin und Her – und die Kosten für die Technik und die Arbeiter liefen immer. Als die Infrastruktur mehr kostete als die Künstler, sagte ich, fertig, so geht das nicht.

Sie sind musikalisch 1989 als diplomierter Pianist und Dirigent gestartet. Schmerzt es Sie, dass Sie jetzt der Klavierbegleiter, Moderator, ja eigentlich Mädchen für alles sind?
Nein, das schmerzt mich überhaupt nicht. Ich bin Unternehmer und Produzent, also engagiere ich selbst die Künstler, die ich dann begleite. Im Gegenteil, weil die Leute mich kennen, denken sie oft, ich sei der wichtigste auf der Bühne. Ich habe schon früh, bei den Schülerproduktionen, beim Schreiner um hundert Franken Sponsoring angefragt – das liegt mir Blut.

IMP ist bis heute eine Ein-Mann-Firma. Wollten Sie nie eine grössere Konzertagentur daraus machen?
Ich habe mit den Jahren gemerkt, dass ich meine Kunden habe, weil ich Bekanntschaften aufgebaut habe. Da kann ich gar niemanden anstellen, der für mich meine Projekte verkauft.

Dafür ruht aber alles auf Ihren Schultern. Das ist auch ein enormer Druck.
Ruhig schlafen kann ich, auf jeden Fall. Das ist sicher wie bei einem Sportler vor seinem Einsatz. Aber wenn jemand ein Bein gebrochen hat, wenn ein Flug abgesagt oder verpasst wurde, dann sage ich: Damit belasten wir unsere Kunden nicht. Dann kommt eben jemand anders, der macht den Job genauso gut. Das klappt nur, weil man nicht José Carreras erwartet!

Sie werben damit, dass IMP für Eventunterhaltung bei börsenkotierten Unternehmen, insbesondere der Luxus- und Finanzbranche, sorgt. Manche Musiker haben Mühe mit solchen Auftritten, weil ihnen die angemessene Aufmerksamkeit fehlt.
Da habe ich eine klare Meinung: Wer sich daran stört, sollte den Auftrag nicht annehmen. Wer an so einem Anlass Bach oder Brahms spielen will, sollte sich nicht wundern, wenn neunzig Prozent der Anwesenden das schwierig, ernst oder traurig finden.

Wie hat sich in Seuzach die Zuhörerschaft oder deren Erwartungen verändert?
Wir sind nie Modetrends gefolgt, ich bin kein Kulturerzieher. Ich bin nicht dafür, dass wir den Leuten sagen müssen, was sie jetzt hören sollen, weil es so toll ist. In der Wirtschaft hat sich in der Zeit viel geändert. Da muss der Eventmanager, der den Anlass bucht, wissen, dass es mehr als gut oder schön wird für seinen Kunden.

Deshalb setzen Sie auf Bewährtes wie Opernarien und Operetten – und auf nichts Modernes.
Ich kenne mich auch in modernen Kompositionen aus. Wenn man mich dafür bezahlt, dann mache ich das gerne. Aber als Unternehmer muss ich auch schauen, was in der Kasse landet.

Als Besucher wünschen Sie sich auch Neuzuzüger-Familien mit Kindern. Müsste man dann nicht etwas mehr für die Kleinen bieten?
Ich habe mir viele Gedanken über Kinderkonzerte gemacht. Das liegt mir vielleicht nicht so im Blut, weil ich keine eigenen Kinder habe. Aber am 25. November machen wir ein Adventskonzert für die ganze Familie mit dem 18-jährigen Cellisten Milo Hauri.

«Eine Nacht in der Arena di Verona» findet nun wieder mit italienischen Solisten aus der Region Bari statt. Sind diese in den Rollen glaubhafter als Sänger mit einer anderen Herkunft?
Beim letzten Konzert «Junge Stars von morgen» hatten wir asiatische Sänger, die mussten sich in gar nichts vor den Italienern verstecken. Aber mit Luisella de Pietro und Leonardo Gramegna arbeite ich seit zehn Jahren zusammen. Es ist ganz wunderbar, dass ich sie bekommen konnte. Dazu haben wir neu ein Streichquartett, das den Abend bereichert, beispielsweise mit dem Prelude aus der Oper «Carmen», der Ouvertüre aus «Rigoletto», dem Intermezzo aus «Cavalleria Rusticana». Sie werden auch die Arien begleiten, mit mir am Flügel.

Jubiläumskonzert: Samstag, 18.8., 20.30 Uhr, Saal Zentrum Oberwis, Seuzach. Tickets bei der Gemeindeverwaltung, Tel. 052 320 47 47.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.08.2018, 15:36 Uhr

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