Winterthur

Inspirierende Melancholie

Die schwedische Musikerin Anna Ternheim sieht die Kunst als eine Möglichkeit, der Isolation zu entkommen. Am Freitag spielt sie ihre melancholischen Songs im Salzhaus.

Anna Ternheim glaubt an Koinzidenzen und daran, dass manche Zufälle nicht grundlos geschehen.

Anna Ternheim glaubt an Koinzidenzen und daran, dass manche Zufälle nicht grundlos geschehen. Bild: zvg

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Seit fast neun Jahren lebt Anna Ternheim in New York, sie kehrt aber mehrmals im Jahr nach Stockholm zurück, wo sie ihre Musik aufnimmt und für die Tournee probt. Ihr neues Album «All the Way To Rio» erscheint nächste Woche. Vor zehn Jahren spielte sie schon an den Musikfestwochen, damals im Vorprogramm von Lunik.

Weshalb machen Sie Musik?
Anna Ternheim: Ich bin mit der Musiksammlung meines Vaters aufgewachsen und habe Musik immer geliebt. Als ich meine erste Gitarre erhielt, war ich zehn und begann gleich Songs zu schreiben. Das war für mich ein natürlicher Vorgang. Es war zu Beginn eine Möglichkeit, dem Alltag zu entkommen und in einen Flow zu kommen. In der Musik kann ich alles herausholen, was in meinem System drin steckt, und es mit anderen teilen.

Es ist also auch eine Möglichkeit, der Isolation zu entkommen?
Ich denke, ja. Kunst überhaupt ist eine Möglichkeit, sich mit anderen zu verbinden und sich weniger einsam zu fühlen. Mit Musik kann man mehr sagen als mit Worten allein.

Einige der Songs auf dem neuen Album «All the Way To Rio» begannen Sie, als Sie einen Monat in Rio di Janeiro verbrachten. Müssen Sie den Ort wechseln, um kreativ zu sein?
Ich habe das tatsächlich ziemlich oft gemacht. Sich fortzubewegen, das gewohnte Leben zu verlassen, hilft mir mich zu konzentrieren. Es nimmt viel von der Zerstreuung weg, die der Alltag mit den kleinen Dingen, die es da zu tun gibt, bietet. Das hilft mir, mich auf die Musik zu fokussieren, es ruft etwas wach, das gut ist für die Kreativität. Ich kam mit Ideen und Skizzen aus Rio zurück. Das Album entstand dann in Zusammenarbeit mit weiteren Musikern. Ich glaube, es ist anders geworden als meine bisherigen Alben.

Das Album wurde zunächst nicht fertig. Erst die Begegnung mit dem Maler Jacob Fellander brachte die Inspiration. Wie hat er Ihre Musik beeinflusst?
Ich dachte zunächst, dass es leicht sein würde, die Platte zu machen. Das war aber überhaupt nicht der Fall. Kollaborationen können auch schwierig sein. Jacob zu treffen verschaffte mir einen neuen Bezugspunkt für die Musik. Die Bilder anzusehen half mir meine Musik zu verstehen. Ich entdeckte dort auch neue Möglichkeiten für das Artwork auf dem Albumcover und für das Licht in meinen Shows. Mit den Bildern wuchs die Welt um die Musik herum. So konnte ich das Album fertigstellen. Jacob und ich tauschten uns aus, ich sandte ihm meine Songs, er sandte mir seine Bilder. Es war für uns beide wie eine Injektion von Energie, eine organische Zusammenarbeit, wir könnten das öfters machen. Wir kennen uns seit zehn Jahren, damals arbeitete er vor allem als Fotograf und machte in Stockholm Porträtaufnahmen von mir, nun konzentriert er sich auf die Kunst. In New York trafen wir uns jetzt zufällig.

Tatsächlich?
Ja, manche Dinge geschehen nicht grundlos. Für den kreativen Prozess muss man auf die kleinen Dinge achten, die um einen herum passieren. Unverhofft begegnest du jemandem mit denselben Gedanken im Kopf und es wirkt sich auf das aus, was du tust. Es gibt diese universale Anziehungskraft. Ich glaube mehr und mehr an solche Koinzidenzen.

Der Song «4 In the Morning», der vom Heimweg durch leere Strassen am frühen Morgen erzählt, erinnert mich an Leonard Cohen. Einverstanden?
Wirklich? Ich bin mit seiner Musik aufgewachsen und war ein grosser Fan von ihm.

Der Song vermittelt das Gefühl, dass es okay ist, allein zu sein.
Es ist ein grosser Unterschied zwischen der Dunkelheit der Depression und einer melancholischen Stimmung. Musik, die mich inspiriert, ist eher dunkel, hat aber trotzdem Kraft.

Was ist für Sie der beste Ort um zu leben?
Ich bin glücklich in New York, es ist die beste Grossstadt, in der ich je wohnte. Früher lebte ich eineinhalb Jahre lang in der Schweiz, in Lausanne, wo ich studierte, meine Eltern lebten damals in Bern. Diese Orte gehören auch zu den besten, an denen ich gelebt habe. Aber ich glaube, ich war überall glücklich. Auswählen zu können, wo man leben möchte, ist ein grosses Privileg.

Was spielen Sie in Winterthur?
Die Tour wurde geplant, bevor feststand, wann das neue Album herauskommen würde. Ich spiele erstmals live im Duo mit dem Pianisten Martin Hederos. Wir spielen einige neue Songs, aber auch viele alte. Und alle in komplett neuen Arrangements.

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Erstellt: 14.11.2017, 15:39 Uhr

Konzert

Freitag, 20 Uhr, Salzhaus. CD: Anna Ternheim: All the Way To Rio (Prolog / Mouthwatering Records)

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