Nachruf

Trudi Bienz (1930-2018), Marionettenmamma

Trudi Bienz-Müller, die «Mutter» der Winterthurer Marionetten, ist vor einer Woche mit 88 Jahren verstorben. In Gedenken an eine aussergewöhnliche Winterthurerin.

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Trudi Bienz-Müller bleibt Winterthur in Erinnerung als eine aussergewöhnliche Frau, die auch im hohen Alter noch ihren Einkauf machte im Zentrum Deutweg und sich gerne in ein Gespräch verwickeln liess.

Immer an ihrer Seite: ihr Ehemann Peter Bienz, mit dem sie drei Kinder aufzog. Ihr viertes Kind waren die Marionetten, denen das Paar seit 1960 viel Liebe und Energie schenkte.

Damals gründeten die beiden ihre Marionettengruppe mit dem ersten Stück, den Bremer Stadtmusikanten, worauf Dutzende weiterer Inszenierungen folgten. Peter Bienz schnitzte die Figuren, die gelernte Handarbeitslehrerin Trudi Bienz-Müller schneiderte die Kostüme und sorgte sich als Literaturliebhaberin um die Texte.

Und oft, so erinnert sich die Schweigertochter Ursula Bienz-Schudel, sei noch die Nähmaschine auf dem Tisch gestanden, als schon das Essen für die ganze Schar serviert wurde. Den drei Kindern folgten acht Enkelkinder, und mittlerweile sind auch schon drei Urenkel da.

Man half sich gegenseitig

Neben Familie und Marionettentheater galt es auch, das Malergeschäft Bienz als Erwerb zu betreiben. Alles unter einen Hut zu bringen, war nicht einfach. Sie habe «das Haushalten hin und wieder abgekürzt bewältigt», schrieb Trudi Bienz selber vor einigen Jahren in einem Buch zum 50. Jubiläum der Marionettengruppe.

Und glücklicherweise, heisst es da an anderer Stelle, habe die Malerei ja «Gebrüder Bienz» geheissen. Man half sich.

Noch mehr Engagement fürs Puppenspiel war ab 1971 nötig. Peter Bienz hatte seinem alten Pfadikollegen, dem Stadtpräsidenten Urs Widmer, schmackhaft gemacht, im Waaghaus eine feste Spielstätte einzurichten.

Widmer machte es möglich, seither ist das Figurentheater im Waaghaus eine Konstante der Winterthurer Kultur. Jedes Jahr zählt man zwischen 5000 und 6000 Zuschauerinnen. Für ihr Wirken wurden Trudi und Peter Bienz 1972 mit dem Anerkennungspreis geehrt.

Eine Zäsur für die ganze Familie passierte 1993. Der Sohn Klaus Bienz hätte die Malerei und zusammen mit seiner Frau Ursula gelegentlich die Leitung des Theaters übernehmen sollen, als er tödlich verunglückte.

Die Übergabe stand in den Sternen, seit 2000 aber ist nun Ursula Bienz verantwortlich. «Sie wird die Melodien weitertragen», schrieb Trudi Bienz 2010 im Jubiläumsbuch, «wir sind nun alt und etwas müde.» (Der Landbote)

Erstellt: 23.08.2018, 15:25 Uhr

Trudi Bienz-Müller (†)

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