Nachruf

Urs Amann konnte wie kein Zweiter vom Dunkel ins Licht malen

Urs Amann war seit 1983 Mitglied bei der Künstlergruppe Winterthur.

Urs Amann war seit 1983 Mitglied bei der Künstlergruppe Winterthur.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er war ein Stiller, und still war es schon länger um den 1951 geborenen Winterthurer Künstler Urs Amann geworden, still ist er auch von dieser Welt gegangen. Wenn er sprach, dann sprach er leise. Gross, hager und leicht vorgebeugt, verkörperte er den asketischen Eremiten. Seine Bilder wie sein Wesen stammten aus einer entrückten Welt.

Er hatte ursprünglich das Handwerk des Typografen erlernt. Seine kunstakademische Ausbildung hatte er dagegen in Wien erfahren. Dort erlernte er in den späten 1970er Jahren das klassische Handwerk der Ölmalerei, die nicht mehr gefragt war und beinahe schon geächtet wurde. Für Amann war sie indes essenziell, lebenswichtig.

Die Mischung aus Öl und Pigmenten war für ihn eine Form der Alchemie, deren Magie es ihm ermöglichte, in ätherische Bildwelten abzutauchen, wo den Jünger die Strahlen einer kosmischen Weltreligion trafen.

Die Mischung aus Öl und Pigmenten war für ihn eine Form der Alchemie, deren Magie es ihm ermöglichte, in ätherische Bildwelten abzutauchen, wo den Jünger die Strahlen einer kosmischen Weltreligion trafen. Darum waren seine Bilder stets auch Andachtsbilder. Wie kein zweiter konnte er vom Dunkel ins Licht malen, die Erde als Irdisches realistisch und präzise fassen, aber auch Himmel und Meer als immaterielle Orte unendlicher Weiten verklären.

Es ist nicht ganz falsch zu behaupten, Urs Amann, der seit 1983 Mitglied der Künstlergruppe Winterthur war, hätte schon zu Lebzeiten mit einem Fuss in einer anderen Welt gestanden.

«Ich schätze seine Malerei und seinen selbstironischen Humor sehr»Maja von Meiss

Jemand schrieb treffend, er lasse die Last der Welt durch seine Pinselspitze abfliessen. Zu seinem umfangreichen Werk gehören Illustrationen zu Texten seines vor ihm verstorbenen Bruders Jürg Amann, dem bekannten Schweizer Schriftstellers. Die Berufsbildungsschule Winterthur erwarb vor langer Zeit eine frühe Landschaft von Urs Amann für ihre Kunstsammlung, in der auch Bendicht Fivian, Barbara Graf, Werner Hurter, Katharina Henking und Werner I. Jans vertreten sind. Prominent hing das Ölbild im Treppenhaus. Eines Tages war es verschwunden. Urs Amann stellte regelmässig bei Maja von Meiss in der Galerie Weiertal aus.

«Ich schätze seine Malerei und seinen selbstironischen Humor sehr», sagt von Meiss. «Als wir ihn vor Ostern besuchten, war er am Bearbeiten seiner letzten Publikation». Sein letztes Bild ist bis 23. Juni in einer Gruppenausstellung in der Kulturschmitte Zell zu sehen; dort findet diesen Sonntag, 16. Juni, eine Gedenkfeier statt (Beginn 17 Uhr). Anfang Mai ist Urs Amann in seinem Tessiner Refugium in Bignasco an einer schweren Lungenkrankheit verstorben. (Landbote)

Erstellt: 11.06.2019, 16:35 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles