Stadthaus

Klangbad im Stadthaus

Gross war alles, das Aufgebot, der Einsatz und die Werke – das Orchester accento musicale Zürich spielte Strauss und Mahler.

Am Samstag fand im Stadthaus Winterthur ein Konzert statt. Gespielt wurden Werke von Mahler und Strauss.

Am Samstag fand im Stadthaus Winterthur ein Konzert statt. Gespielt wurden Werke von Mahler und Strauss. Bild: Herbert Büttiker

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Das Stadthaus und seine Bühne verbindet man in Winterthur nicht mit Strauss- und Mahler-Orchestern, und wenn sich das Musikkollegium in seinem Haus eine Mahler-Sinfonie vornimmt, wie im März dieses Jahres, dann in einer kammerorchestralen Version. Am Samstag zählten wir elf Violoncelli auf dem Podium, fünf Kontrabässe, sieben Hörner, die Violinen zählten wir nicht – zu Gast war das Orchester accento musicale Zürich (amz), eine seit 1943 bestehende Vereinigung von Amateurmusikern und -musikerinnen von sechzig bis siebzig Mitgliedern. Diese erarbeiten, seit 2003 unter der Leitung von Christof Brunner, mit Vorliebe Werke der Klassik und der Romantik, die nach wöchentlichen Proben zweimal im Jahr aufgeführt werden.

Von Strauss zu Mahler

Die «Vier letzten Lieder» von Richard Strauss und Gustav Mahlers erste Sinfonie standen diesmal auf dem Programm, gewiss für das amz besondere Herausforderungen. So verschieden Charakter und musikalische Welt der beiden epochalen Komponisten an der Schwelle der Moderne waren, so gleich war ihre komplexe und virtuose Handhabung des gross besetzten spätromantischen und mit allerlei Effekten erweiterten Orchesters.

Wie das Aufgebot im Stadthaus auf dem vergrösserten Podium zeigte, waren die üppig instrumentierten Partituren für das amz keine unangreifbare Festungen, und das Konzert mit seiner reizvollen Verbindung mit Mahlers Erstling von 1888, der sein sinfonisches Universum ankündigt, und dem letzten orchestralen Werk von Strauss (1948), das ganz Rückblick ist, war ein durchaus weithin geglücktes Unternehmen. Dass dahinter eine immense Arbeit für den Dirigenten und das Orchester stecken musste, liessen die alles in allem flüssigen und interpretatorisch vom Moment getragenen Aufführungen erahnen.

Schwirrende Lerchen

Brunners überlegene Präsenz sicherte beiden Werken den Fluss, die spontane und emotionale Wirkung und den Effekt vieler Einsätze und Kulminationspunkte. Strauss bekam das gesanglich-harmonische Fluidum, das seine Kunst ausmacht, Edith Lorans, zwar dem grossen Orchester gegenüber da und dort zu verhalten, liess mit dem Silberstift ihres Soprans duftige Melismen blühen, auch Horn- und Violinsolo bezauberten, und die Flöten der schwirrenden Lerchen waren nur ein Beispiel für prägnante Einsätze der einzelnen Register im Klangbad des «Abendrots».

Erst recht gefragt waren Konzentration und Können für Mahlers Partitur mit ihren farbigen Kontrasten zwischen traumhafter Atmosphäre, ironisch-sentimentalem Musikantentum und expressiver Unmittelbarkeit. Die stimmige Balance schärfte die Aufmerksamkeit auf das Klanggeschehen im Detail, auch heikle Momente der Intonation und Präzision blieben nicht verborgen. Aber stark war der Sog, den die Aufführung von Satz zu Satz entwickelte. Imponierend die prägnanten Schlüsse und wie sich alles zum Ganzen fügte, auffallend besonders etwa mit dem markanten Auftritt im zweiten Satz, dem gedämpft sensiblen Klang des Liedthemas im dritten Satz, dem vehement und beherrschten Spiel in den Stürmen und Eruptionen des Finalsatzes.

Erstellt: 17.11.2019, 16:22 Uhr

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