Winterthur

Kunst soll die Museen verbinden

Der Galerieverein lanciert ein Kunst-am-Bau-Projekt im Stadtgarten mit internationalen Kunstschaffenden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Vorhaben des Galerievereins geht zurück auf das Museumskonzept. Dieses Papier brachte die organisatorische Zusammenführung des Museums am Stadtgarten mit dem Museum beim Stadthaus sowie der Villa Flora auf den Weg.

Im Vorstand des Galerievereins wurde seit einiger Zeit darüber nachgedacht, wie man diese administrative Verschmelzung der ursprünglich autonomen Häuser gegen aussen sichtbar machen könnte.

Das Zeitfenster ist günstig, denn bei der Stadt hat man die rund zehn Jahre alten Wettbewerbspläne zur Gestaltung des Stadtgartens wieder aus der Schublade geholt; das damalige Siegerteam Krebs Herde ist daran, die Pläne zu aktualisieren.

Aufgewertet werden soll nicht nur der Empfang im Reinhart-Museum, auch der rückwärtige Ausgang zum Stadtgarten soll geöffnet werden. Darauf reagiert das Landschaftsarchitektenteam Krebs Herde, indem es das an der Museumsstrasse gegenüberliegende Kunstmuseum optisch in die Flucht einer schrägen Achse bringt und den Fussgängerstreifen entsprechend verschiebt.

Professionelle Jury

Die Vision des Galerievereins geht aber einen entscheidenden Schritt über diesen vom Stadtrat noch nicht abgesegneten Perimeter hinaus und bezieht die Museumsfassade und den Platz davor in das Kunstwettbewerbsprogramm ein.

Zumindest auf dem Papier wird damit schon einmal zusammengeführt, was geografisch wie ideell zusammengehört und auch zusammen gedacht werden muss: Park, Platz, Museen, Schule und Stadthaus.

«Kunst ist eine öffentliche Sache, die nicht nur eine Elite betrifft»

Am Dienstag wurde an der ausserordentlichen Generalversammlung des Galerievereins der städtebauliche Rahmen vom Architekten Alexander Dahinden erläutert. Diese Vorgaben werden wegleitend für die Vorschläge der Kunstschaffenden sein.

«Die künstlerischen Interventionen sollen die Verbindung zwischen den beiden Häusern veranschaulichen und verstärken», betont Dahinden, der als Vorstandsmitglied auch in der hochkarätig und international besetzten Jury Einsitz nehmen wird. Ihr gehört neben Museumsdirektoren aus Stuttgart und Liechtenstein auch ein Mitglied der kantonalen Denkmalpflege an.

Der Galerieverein unterstützt das Kunstmuseum in seiner Sammlungstätigkleit und ist im Gegensatz zum Kunstverein – der Trägerschaft des Museums – privat finanziert; er zählt rund dreihundert Mitglieder.

Kunst als öffentliche Sache

Ganz im Einklang mit der Philosophie des neuen Vereins-Präsidenten Kaspar Geiser wird die Jurierung öffentlich sein. «Kunst ist eine öffentliche Sache, die nicht nur eine Elite betrifft», ist er überzeugt. «Wir unterstützen das Museum in seiner Sammlungstätigkeit, wollen aber durch unsere Aktionen den Kreis der Kunstinteressierten erweitern und verjüngen», sagt Geiser.

Geisers Enthusiasmus erinnert ein bisschen an jene Vorväter, die mit dem Museumsbau Anfang des letzten Jahrhunderts noch viel Bedeutenderes lanciert hatten. Schon Geisers Vorgänger Henri Schmid hatte sich für die Öffnung des Galerievereins eingesetzt.

Symbolisch dafür steht ein besonderer Glanzpunkt: die Schenkung der grossen, im Lichte wundervoll glänzenden Skulptur «Footfall» des renommierten englischen Künstlers Richard Deacon zwischen Alt- und Neubau. Anlass dafür war 2013 das 100-Jahr-Jubiläum des Galerievereins.

Mit dem Exkurs in die jüngste Vergangenheit ist gleich auch ein Massstab gesetzt für das, was von den fünf Wettbewerbsteilnehmern an Niveau erwartet wird. Museumsdirektor Konrad Bitterli machte es spannend. Internationalität und Erfahrung im Umgang mit Kunst am Bau nannte er als eine der Anforderungen an die Teilnehmer.

Internationale Teilnehmer

Diese sind: Silvie Fleury (Genf), Bethan Huws (Paris/Berlin), Karin Sander (Berlin/Zürich), Simon Starling (Kopenhagen) und Matt Mullican (New York/Berlin). Die einzige Überraschung wäre gewesen, wenn Karin Sander, die Hauskünstlerin, nicht auf dieser Liste figuriert hätte.

Zweifellos stehen die fünf Eingeladenen vor einer echten Herausforderung, zumal der Zeitplan ambitioniert ist: Bereits Ende Januar 2020 erwartet die Jury die Eingaben; die Jurierung ist auf Ende Februar angesetzt, und – nach Genehmigung durch den Galerieverein – auf Herbst 2021 wird die Realisierung erwartet. Das gibt der Stadt die Zeit, ihre Pläne im Stadtgarten voranzutreiben und diese zur Ausführungsreife zu bringen.

Da ist der Galerieverein schon weiter: Gestern Abend bewilligten die Anwesenden 300000 Franken für das Kunst-am-Bau-Projekt und 40000 für die Durchführung des Wettbewerbes. Zuvor hatten sie dem Ankauf eines Bildes und von 44 Zeichnungen des New Yorker Künstlers David Reed zugestimmt.

Erstellt: 04.07.2019, 10:40 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!