Winterthur

Liebe schert sich nicht um Konventionen

Uta Köbernick macht tiefsinniges, auch abgründiges Musik-Kabarett. Mit ihrem Programm «Grund für Liebe – politisch, zärtlich, schön» ist die Preisträgerin des «Salzburger Stiers» morgen im Casinotheater zu Gast.

Uta Köbernick lässt sich auch von Preisen nicht aufhalten.

Uta Köbernick lässt sich auch von Preisen nicht aufhalten. Bild: zvg

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Uta Köbernick beherrscht sie, diese feine, kleine Kunst des Liedermachertums, die durch intelligente Texte und subtile Musik besticht. Eine Frau, die unprätentiös weiss, was sie ihrem Publikum zumuten kann und will. Ein Gespräch mit der in der Schweiz lebenden Deutschen über Musik-Kabarett, Privates und ihr aktuelles Programm.

Wieso Musik-Kabarett? Sie hätten es doch auch einfacher haben können?
Uta Köbernick: Einfacher? Ich weiss nicht. Es ist eine schöne Arbeit. Das Schreiben ist meist aufreibend und quälend, und am tollsten ist es, wenn etwas fertig ist. Auf der Bühne ist das dann anders. Die Denkarbeit ist gemacht und ich kann ganz im Moment sein. Vielleicht bin ich aber auch nur Musik-Kabarettistin geworden, weil man dafür keine IT-Kenntnisse haben muss.

Auftritt von Uta Köbernick an der Künstlerbörse in Thun, April 2016. Video: Youtube

Inwiefern hat das Musik-Kabarett mit intelligenter Tiefe in der heutigen Zeit überhaupt noch seine Berechtigung?
Also das mit der Intelligenz ist mir jetzt zu hoch, aber Tiefe interessiert mich. Das Wort beherbergt ja Abgründe, das Fallen, tiefe Wasser, Versinken, aber auch Graben, Schürfen oder Tauchen. Ich versuche unter Oberflächen zu gelangen, dafür muss man manchmal Oberflächen zerstören, Sachen im Dunkeln beleuchten oder ans Licht bringen. Manchmal ist in der Tiefe aber auch nur ein Hohlraum, den man selber gegraben hat. Übrigens habe ich gar nichts gegen Oberflächen. Tiefe ist ja nicht per se ein Qualitätsmerkmal. Und wenn alle nur graben, ist die einstmalige Oberfläche bald die neue Tiefe, weil sie nämlich über und über durch Bauschutt verdeckt ist. Aber das führt jetzt vielleicht zu weit. Ach ja, und wegen der Berechtigung, da möchte ich Christof Stählin zitieren, der gesagt hat: Man soll mit Kunst nicht zielen. Wenn man ins Schwarze getroffen hat, wird man es schon merken.

Der Titel ihres Programms «Grund für Liebe, politisch-zärtlich-schön» wirkt auf den ersten Blick sehr brav. Auf was darf man sich da freuen?
Echt? Sie finden den Titel brav? Ich finde ihn grössenwahnsinnig. Brav sein bedeutet für mich so etwas wie «nicht anecken» oder den Weg des geringsten Widerstands gehen. Ich meine das jetzt gar nicht bewertend. Es ist ja nicht unbedingt leicht, brav zu sein – jedes Kind weiss das. Aber es ist wahrscheinlich doch der leichtere Weg. Das Tolle an der Liebe ist, sie stellt auch dem Braven ein Bein. Sie ist unberechenbar, irre, ungerecht und schert sich nicht um Konventionen und um die Folgen. Sie ist vieles, aber nicht brav. Sie ist ein Sprengstoff. Aber man kann sie sich nicht umschnallen. Und sie ist auch politisch. Denn sie geht über sich selbst hinaus. Der Abend ist kein Liebesliederprogramm, es geht um alles. Okay, etwas bescheidener: Es sind Texte und Lieder, die hoffentlich leicht daherkommen, weil sie viel Arbeit waren.

Was hat Uta Köbernick geprägt, dass sie heute das ist, was sie ist?
Da kann ich nicht alles aufzählen. Die Kindheit in Berlin, unser Paddelboot, die Geige, Zelten in der Slowakei, Musikgymnasium, Spielen in Bands, Gesangstudium, die Schauspielschule in Zürich und halt Menschen. Es prägt einen ja alles und irgendwann geht es eher um ein Ausschlussverfahren. Also um die Frage: Was soll mich prägen und was nicht? Das hat man natürlich nicht immer unter Kontrolle. Aber man muss sich auch Platz schaffen für Dinge, die einen prägen sollen.

Was ist ihnen wichtiger, das Heute oder das Morgen?
Ähm, also ich bin ja oft bis in die Nacht auf und habe das Heute am liebsten, wenn es fast schon Morgen ist. Nein, im Ernst, es stresst mich eigentlich, dass ich ständig Dinge weit über ein Jahr hinaus planen muss. Manchmal halte ich diesen Kram vorübergehend von mir fern, um im Moment bleiben zu können. Dann sind mir Leute böse, weil ich beispielsweise nicht zurückrufe oder E-Mails unzuverlässig beantworte. Ausserdem bin ich meist voll von Gestern. Mist, verfluchter Doppelsinn, ich meinte jetzt nicht Alkohol.

Letztes Jahr sind sie als Preisträgerin des «Salzburger Stiers» im Kabarett Olymp angekommen. Was bedeutet und was nützt einem ein solcher Preis – und gibt es eine Zukunft danach?
Ich sag mal so: Preise sollen einen nicht aufhalten.

Was viele nicht wissen: Köbernick ist auch Mama. Wie bringt man diesen doch sehr reisefreudigen Beruf und das Mamasein unter einen Hut?
Im ersten Jahr war ich mit Kinderwagen, Koffer, Wickelrucksack, Autoschale fürs Taxi, Gitarre und Geige unterwegs. Ach ja, und natürlich mit Kind. Und immer im Zug. Heute ist es etwas einfacher.

Eine doofe Frage zum Schluss: Wie fühlt man sich als Deutsche in der Schweiz, beziehungsweise wieso die Schweiz, wenn man Berlin haben könnte?
Also ich will jetzt niemanden erschrecken, aber ich fühl mich wirklich wohl hier.


Donnerstag, 20 Uhr, Casinotheater Winterthur. ()

Erstellt: 28.03.2017, 16:22 Uhr

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