Bühne

«Man muss auf die Kraft der Dialoge vertrauen»

Die junge Zürcher Regisseurin Sophia Bodamer inszeniert im Casinotheater die Dialog-Komödie «Der Kredit». Darin geht es um unser Verhältnis zum Geld. Ein «hochaktuelles Thema», findet Bodamer.

«Was bedeutet uns Geld?»?Regisseurin Bodamer, im Hintergrund das Bühnenbild.

«Was bedeutet uns Geld?»?Regisseurin Bodamer, im Hintergrund das Bühnenbild. Bild: Johanna Bossart

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für den Filialleiter der Bank ist der Fall klar: Der gerade vor ihm sitzende Kunde ist nicht kreditwürdig. Doch der gibt nicht auf und legt einen Zacken zu: «Wenn Sie mir das Geld nicht geben, schlafe ich mit Ihrer Frau.» In der Komödie «Der Kredit» von Jordi Galceran entwickelt sich aus dieser Situation ein Machtpoker. Mit überraschenden Wendungen, darauf kann man sich verlassen. Denn der katalanische Autor ist ein Spezialist für funkensprühende Dialoge und Machtverhältnisse, die sich plötzlich um 180 Grad drehen. Wie in seinem erfolgreichen Stück «Die Grönholm-Methode», das im Theater Kanton Zürich zu sehen war. Hinter dem Machtspiel verbergen sich Fragen, die die Gesellschaft bewegen. «Was macht man alles für Geld?» Darum gehe es in dem Zweipersonenstück, sagt die Regisseurin Sophia Bodamer. Eine sehr aktuelle Frage, gerade in der Schweiz, auch wegen der Debatte um ein bedingungsloses Grundeinkommen. «Was ist der Wert des Geldes? Was bedeutet es uns?» Der «riesige Medienzirkus» um die neue Fünfzig-Franken-Note, zum Beispiel, den wir kürzlich erlebt hätten, sei symptomatisch und zeige, in was für einem Land wir lebten.

Zum ersten Mal eine Komödie

Gereizt hat es sie schon immer, doch nun inszeniert die junge Zürcherin, Jahrgang 1984, zum ersten Mal eine Komödie. Wobei Theater immer auch unterhalten soll, auch mit weniger lustigen Stücken, das ist klar. Ihre erste Regiearbeit war «Übergewicht, unwichtig: Unform» von Werner Schwab vor einem Jahr am Zürcher Schauspielhaus, ein Stück, das laut Bodamer zwischen Tragödie und Komödie schwankt. Für die Kammer des Schauspielhauses entwickelte sie gemeinsam mit dem Wissenschaftsjournalisten Roland Fischer und dem Autor Konstantin Küspert die Reihe «Wildes Wissen», die Wissenschaft und Unterhaltung kombiniert. Und nun also das Dialogstück von Galceran. «Die Komödie ist ein sehr spannendes Genre», sagt Bodamer, «und es freut mich, dass man mir das Stück anvertraut hat.» Der Altersunterschied zu ihren Schauspielern ist ansehnlich. Zu Patrick Frey, der den kontrollierten Banker spielt, beträgt er dreiundreissig Jahre, zu Philippe Graber immerhin noch neun. Sie blickt einen kurzen Moment verwundert, ihr selbst ist es gar nicht aufgefallen. Das spiele keine Rolle, sagt sie dann. «Wir erarbeiten das Stück gemeinsam, aber ich bringe ein Konzept mit und Ideen, die ich zusammen mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Prisca Baumann entwickle. Auf dieser Basis probieren wir dann aus, was geht.» Bodamers Überzeugung: Zuerst soll man sich auf den Text verlassen und sehen, was dabei herauskommt, dann erst eigene komische Einfälle draufsetzen. «Man muss auf die Kraft der Dialoge vertrauen.» Comedy sei es nicht, das Stück von Galceran, aber lustig soll es schon werden: «Sonst haben wir etwas falsch gemacht.» Patrick Frey und Philippe Graber seien ein «tolle Konstellation», meint Bodamer, die die beiden Schauspieler bisher nicht persönlich, nur von der Bühne her gekannt hat. Frey ist ihr gar seit Kindesbeinen vertraut, dank CDs vom Kabarett Götterspass oder von seinen Fernsehauftritten als Experte Stolte-Benrath in Viktor Giacobbos «Spätprogramm».

Auf Umwegen zum Theater

Bodamer antwortet stets ruhig und überlegt und scheint genau zu wissen, was sie will. Sie hatte gar erst nicht die Absicht, zum Theater zu gehen, obwohl sie mit dem Theater aufgewachsen ist – ihr Vater ist Schauspieler und Regisseur – und schon immer sehr viel ins Theater ging; sie hat auch kein Regie- oder Schauspielstudium absolviert. Ihre Wahl fiel zunächst auf das Studium der Kunstgeschichte, kombiniert mit Theaterwissenschaft und englischer Literatur. Erst in einem Studienjahr in Berlin machte sie dann eigene Theatererfahrungen im Rahmen eines Praktikums am Deutschen Theater. Da merkte sie: Doch, das ist es. Es folgte ein weiteres Praktikum am Schauspielhaus, dann eine feste Regieassistenz. Jetzt arbeitet sie projektweise, bisher hauptsächlich am Schauspielhaus, im nächsten Jahr auch in St. Gallen.

Premiere: Donnerstag, 9.Juni, 20 Uhr, Casinotheater. Bis 2.7.

Erstellt: 03.06.2016, 16:37 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Paid Post

Soforthilfe für Smartphones

Ob Displaybruch, defekte Kamera oder Wasserschaden – Wintek Swiss hat meist eine Lösung.