Festival

Mehr Platz zum Feiern und Tanzen

Am Donnerstag startet das Konzertprogramm der Afro-Pfingsten. Es zieht aus der Alten Kaserne um in die Grosse Reithalle, in Gehdistanz zur Altstadt.

Wie aus dem Märchen: Die marokkanische Sängerin Oum.

Wie aus dem Märchen: Die marokkanische Sängerin Oum. Bild: Amine Chbani

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Im Grunde ist das Wort «Afrika» ja etwas zu gross, um sinnvolle Sätze damit zu machen. Vielleicht wäre es aber nicht ganz falsch festzustellen, dass Afrika heute überall ist. So kommen die Bands, die an Afro-Pfingsten tagsüber auf der Bühne in der Altstadt spielen, unter anderem aus Deutschland, Frankreich und, ebenso wie viele Marktfahrer, aus der Schweiz. In Zürich zuhause ist das Tanzprojekt «Café au lait» von Françoise Strassburg Peluso. Es bietet Secondos – viele davon aus gescheiterten gemischtkulturellen Ehen – die Gelegenheit, den Kontakt zu ihren Wurzeln zu pflegen, die zum Beispiel in Togo, Äthiopien oder Kamerun liegen. Rund fünfzig Mädchen und Knaben lernen hier, mit den Mitteln des Tanzes Geschichten zu erzählen – der Tanz sei wie eine Sprache, meinte Strassburg in einem Beitrag des Fernsehens SRF. Die gebürtige Angolanerin hat ihr Projekt vor über 15 Jahren gegründet; getanzt wird in Gemeinschaftszentren der Stadt Zürich.Die energiegeladene Tanzshow von «Café au lait» ist am Pfingstmontagnachmittag in der Grossen Reithalle zu erleben, am sogenannten «African Family Day». Anschliessend trommelt und singt die Perkussionsgruppe Farafina aus Burkina Faso. Abends steht mit Touré Kunda dann ein bekannter Name des Afrobeats auf dem Programm; die Band senegalesischen Ursprungs, die seit 1979 in Paris zuhause ist, hatte ihre grosse Zeit zwischen 1984 und 1995, mit Hits wie «Salya» und «Emma».

Mut zu mehr Grösse

Der Markt ist zweifellos das Herz von Afro-Pfingsten, aber ohne die Musik wäre das Festival nicht denkbar. Mit der Grossen Reithalle steht nun in Gehdistanz von der Altstadt genügend Platz zum Musikhören und Sich-Verweilen zur Verfügung; in den letzten beiden Jahren war im Saal der Alten Kaserne gespielt worden, dessen Kapazität beschränkt ist. Davor hatten während Jahrzehnten klingende Namen aus der Afro- und World-Music-Szene dem Festival zu einem guten Ruf verholfen: Stars wie Miriam Makeba, Manu Dibango, Khaled und Angélique Kidjo spielten in der Halle 53 auf dem Sulzer-Areal.

Bis dann vor drei Jahren die damalige Festivalleitung finanziellen Schiffbruch erlitt; ein Rückgang des Interesses an Musik afrikanischen Ursprungs mag dabei auch eine Rolle gespielt haben. So ist es als ein positives Zeichen für die Zukunft von Afro-Pfingsten zu werten, dass sich die Crew um Festivalgründer Daniel Bühler und die neue Geschäftsleiterin Karin Gubler nun wieder an etwas grössere Dimensionen heranwagt.

Musikalisch besinnt sich das Festival, nach seltsamen Ausflügen in den Wilden Osten bis nach Russland, seit letztem Jahr wieder auf seine Kernkompetenzen, und die liegen einerseits bei Musik aus afrikanischen Ländern – deren Protagonisten meist längst in Paris oder London leben – und andererseits bei Partysound aus Lateinamerika; von Musik aus Tunesien und Marokko über Reggae und Latin bis hin zu Afrobeat reicht die Palette. Einen bemerkenswerten Balance-Akt zwischen Alt und Neu vollführt die marokkanische Sängerin Oum, die morgen Donnerstag mit ihrem Quartett auftritt.

Oum setzt auf dezente Instrumente wie Kontrabass und Oud, die den sanft zitternden Melismen ihrer Stimme genügend Raum lassen. In den lebensfrohen Stücken der aus Marrakesch stammenden Sängerin verweben sich Elemente aus nordafrikanischer Tradition mit Jazz und R’n’B zu einem betörenden Gesang, der aus einer Märchenwelt zu stammen scheint.

Afrobeat mit Kraft und Tiefe

Mit dem 1962 in London geborenen Saxofonisten und Sänger Femi Kuti und seiner Band The Positive Force steht am Sonntag eine der zurzeit besten Afro-Funk-Formationen auf der Bühne; das in diesem Jahr erschienene Album der «One People One World» verbindet Reggae-Rhythmen mit Soul und Hip-Hop und hat Kraft und Tiefe.

Der Markt in der Altstadt und die Konzerte in der Grossen Reithalle werden ergänzt durch ein Filmprogramm im Kino Loge (siehe Spalte rechts) und kleinere Konzerte, so etwa von Racine in der Esse Musicbar: Das Quintett um die Sängerin Burni Aman und den Bieler Perkussionisten Hamid Khadiri spielt elektronisch angehauchten Jazz mit nordafrikanischen Elementen.
Donnerstag bis Montag, Grosse Reithalle, Zeughausstrasse 67.

(dwo)

Erstellt: 15.05.2018, 16:12 Uhr

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