Tanztheater

«Meine Carmen tötet»

Erstmals wird am Donnerstagabend Peter Breuers Carmen von einem Live-Orchester begleitet – eine Welturaufführung.

Gemeinsame Probe: Choreograf Peter Breuer instruiert das Ballet de Camagüey  Mika Eichenholz dirigiert das Orchester Musikollegium.

Gemeinsame Probe: Choreograf Peter Breuer instruiert das Ballet de Camagüey Mika Eichenholz dirigiert das Orchester Musikollegium. Bild: Madeleine Schoder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Silencio!» brüllt der Choreograf Peter Breuer quer über die Bühne des Theater Winterthur. Es ist Dienstagvormittag und das kubanische Tanz-Ensemble Ballet de Camagüey trifft zum ersten Mal auf die Musiker des Musikkollegiums Winterthur. Zwei Tage haben die rund 80 Künstlerinnen und Künstler Zeit, um sich gemeinsam auf die Aufführungen der Carmen vorzubereiten. Seit Samstag sind die 19 kubanischen Tänzerinnen und Tänzer in der Stadt, der Salzburger Choreograf und der Schwedische Dirigent Mika Eichenholz sind am Sonntag angereist. «Proben mit Orchester sind immer eine Challenge», sagt Breuer, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Aus der Ruhe bringt ihn das allerdings nicht. Den Dirigenten kennt er bereits von früheren Zusammenarbeiten, mit dem Ballet de Camagüey hat er vor zwei Jahren intensiv zusammengearbeitet, um die Carmen-Choreografie, die in dieser Woche aufgeführt wird, zu erarbeiten. Viereinhalb Wochen verbrachte er im Herbst 2016 auf Kuba, um seine Carmen mit den Tänzerinnen und Tänzern einzustudieren. Die Aufführungen seien in Kuba ein grosser Erfolg gewesen, sagt Breuer. Der Premiere beiwohnen konnte er allerdings nicht wie geplant. Der Tod von Fidel Castro machte ihm einen Strich durch die Rechnung, die Premiere musste wegen der Staatstrauer verschoben werden.

Nah an der Originalgeschichte

Das Ballet de Camagüey ist das zweitgrösste Ballettensemble aus Kuba. «Das Niveau der Tänzer dort ist sehr hoch», sagt Breuer, der als Ballettdirektor des Salzburger Landestheaters grosse Erfolge feiert. Seine Version der Carmen, die er vor rund 20 Jahren schuf, wurde seither von zahlreichen internationalen Kompanien aufgeführt wurde. Er bleibe mit seiner Version viel näher an der Originalgeschichte von Prosper Mérimée als beispielsweise die Oper Georges Bizet, so Breuer. Diese sei ihm zu zahm, zu unrealistisch. «Meine Carmen tötet, die verteilt nicht bloss Ohrfeigen.» Diese Emotionen in den Tanz zu transportieren, sei eine grosse Herausforderung. «Die Kubanerinnen haben die Emotionalität zwar in sich, beim Tanzen bleiben sie aber sehr klassisch und etwas maskenhaft. Wir mussten die Gefühle wecken und sie dann in eine Form bringen.»

Die heutige Premiere ist gleichzeitig eine Uraufführung. Nie zuvor wurde die Choreografie von Peter Breuer von einem Live-Orchester begleitet. Das Orchester ist gross, rund 60 Musikerinnen und Musiker werden für die Kompositionen von Rodion Shchedrin benötigt. In Breuers Salzburger Theater reicht dafür der Platz im Orchestergraben nicht aus. Und auch in Winterthur muss bei einem Orchester dieser Grössenordnung improvisiert werden, ein Teil der Musiker müssen auf eine Seitenbühne ausweichen.

Bei Produktionen dieser Grössenordnung habe er jeweils durchaus erhöhten Puls, gibt Programmleiter Thomas Guglielmetti unumwunden zu. «Normalerweise kümmere ich mich in meinem Büro um das Programm der nächsten und übernächsten Saison, während die Schauspieler hier proben.» Bei der Carmen wohnt er den Proben bei.

Ein Stück pro Jahr bietet das Theater Winterthur mit Live Orchester an, eine grosse Herausforderung für die Crew des Theaters. Das Publikum dankt den Aufwand, wie in jedem Jahr sind auch diese Vorführungen mit Live Orchester längst ausverkauft. (Landbote)

Erstellt: 10.01.2018, 16:25 Uhr

Carmen

vom 11. bis 14. Januar im Theater Winterthur. Die Vorstellungen sind ausverkauft, Restkarten gibt es an der Abendkasse.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!