Winterthur

Meist fehlt der Zugang zum globalen Markt

Eine Podiumsdiskussion in der Kunsthalle handelte von den globalen Herausforderungen der Kunstszene und ihrer Bewältigung auf lokaler Ebene.

Ist alle Kunst lokal oder gilt der Gegensatz lokal/global gar nicht mehr? Undatierte Momentaufnahme einer Demonstration im Graben in Winterthur.

Ist alle Kunst lokal oder gilt der Gegensatz lokal/global gar nicht mehr? Undatierte Momentaufnahme einer Demonstration im Graben in Winterthur. Bild: zvg

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Konkurrenz und Wettbewerb auf allen Ebenen gehören zum Kunstsystem und haben viele Kunstschaffende fit gemacht. Das glaubte auch Sandi Paucic, Mitorganisator des Podiums vom Mittwochabend und Präsident der Künstlergewerkschaft visarte Zürich. Dennoch ist das Lamentieren nicht zu überhören, und Parolen wie «buy local» und «Zurich/Winterthur first» sind nachvollziehbare Reflexe. Geht es doch ums Überleben, wie nicht zuletzt das sich dramatisch beschleunigende Galeriensterben in beiden Städten vor Augen führt. Natürlich gerieten unter diesen Prämissen die Leiter der Kunsthallen Winterthur und Zürich, Oliver Kielmayer und Daniel Baumann, unter Druck. Ihrem Auftrag gemäss stellen sie hauptsächlich international aus, doch werden punktuell auch lokale Künstler berücksichtigt. «Ginge es nach dem Publikumserfolg, müsste ich eigentlich lokale Vertreter ausstellen», gestand Kielmayer.

Qualität als Kriterium

«Vor zwanzig Jahren gab es vielleicht noch das Fremde, heute nicht mehr», bilanzierte hingegen Baumann die Folgen der digitalen Welteroberung. «Statt von lokaler und globaler Kunst zu sprechen, was immer auch eine versteckte Wertung einschliesst, würde ich deshalb lieber der Qualität den Vorzug gegeben», plädierte er: «Denn gute Künstler fallen nicht vom Himmel.»

Auf diesen Vorschlag wollten weder Moderator Damian Christinger noch Gioia Dal Molin, Beauftragte der Kulturstiftung des Kantons Thurgau, und Monica Ursina Jäger, Künstlerin und Vorstandsmitglied visarte Zürich, eingehen. Jäger pendelt zwischen Zürich und London. «Im vergleichsweise kleinen Zürich kann ich mich besser für die Anliegen der Kunstschaffenden einsetzen.» Das Lokale manifestiere sich in der Zugehörigkeit zu einer «peer group», sagte Jäger. Worauf Kielmayer kritisch kommentierte, dass dank dieser informellen Diskurse überall die gleiche Kunst entstünde.

Zur Förderung der lokalen und regionalen Kunst gibt es ein reiches kantonales und städtisches Stipendien- und Auszeichnungswesen. Auf diesen Segen machte Dal Molin aufmerksam. Freilich würden die politischen Rahmenbedingungen die Verteilung nach Qualitätskriterien erschweren, gab sie zu bedenken: «Im Kanton Thurgau ist es leichter, gefördert zu werden, als im Kanton Zürich, wo die Dichte an guten Kunstschaffenden grösser ist.» Mögliche Bewerbungen sind oft vom Bürgerort und der Aufenthaltsdauer am Wohnort abhängig.

Zugang zum globalen Markt

Aus dem Publikum verwies der ehemalige Winterthurer Künstler Oliver Krähenbühl auf die Ausgrenzung der meisten Lokalen vom globalen Markt. Tatsächlich spielt bei diesem kommerziellen Aspekt die Differenz von «lokal – global» eine entscheidende Rolle. Selbstironisch beklagte sich Jäger denn auch, dass sie von den beiden anwesenden Kunsthalleleitern noch nie zu einer Ausstellung eingeladen worden sei. Worauf der Moderator realistisch meinte, dass eine Einzelpräsentation in den beiden Institutionen längst keine Garantie mehr sei für den Zugang zum internationalen Markt.

Auch die Wiederaufnahme einer Tradition, nämlich die Ausrichtung einer grossen städtischen Ausstellung für die Zürcher Lokalen, wurde gefordert. Da platzte Baumann sichtlich der Kragen. Er kritisierte die zum Teil überrissenen Erwartungen der Künstler, die ihre Karrieren wie «bürgerliche Spiesser» verfolgten. Als Antwort deklarierte Jäger ihre Karriere-Ambitionen witzig mit dem Satz: «Wir sind erst zufrieden, wenn wir an die Documenta in Kassel und die Biennale von Venedig eingeladen werden.» ()

Erstellt: 08.09.2017, 15:58 Uhr

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