Kraftfeld

«Mit der Musik muss ich niemandem gefallen»

DJ Zunami hat als Kind ihr Taschengeld für Kassetten und für Platten ausgegeben. Heute gibt die 41-jährige Maja Wehrli DJ-Workshops für Frauen

Maja Wehrli aka DJ Zunami im Kraftfeld

Maja Wehrli aka DJ Zunami im Kraftfeld Bild: Madeleine Schoder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Maja Wehrli, weshalb geben Sie DJ-Workshops für Frauen?
Weil ich gerne mit Frauen zusammen arbeite und weil ich Frauenförderung eine gute Sache finde. Im Kraftfeld mache ich das seit September 2018. Erstmals angefragt hat mich das Zürcher Plattenladen Oor-Records vor fünf Jahren. Damals habe ich das zum ersten Mal gemacht. Ich hatte zwar null Erfahrung im Vermitteln, aber es war sehr lässig. Und ich fand, das muss es in Winterthur unbedingt auch geben. Zusammen mit meiner DJ-Kollegin P-Tess habe ich im Plattenladen Ventilator-Records auf dem Lagerplatz einen Anlass organisiert – das Interesse war mässig. Wir hatten zwei Teilnehmerinnen.

«Es ist wie überall. Genaue Zahlen habe ich nicht, aber es gibt ganz klar weniger Frauen.»Maja Wehrli a.k.a. DJ Zunami

Wie steht es denn um das Geschlechterverhältnis hinter dem DJ-Pult?
Es ist wie überall. Genaue Zahlen habe ich nicht, aber es gibt ganz klar weniger Frauen. In meiner Sparte kann ich sie an einer Hand abzählen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es im House/Techno-Bereich mehr gibt. DJ-Sein ist etwas, das man wirklich wollen muss. Man muss rausgehen und hinstehen. Bis vor kurzem gab es ja auch keine Kurse dafür. Man musste es sich selber aneignen.

Wie sind Sie DJ geworden?
Musik habe ich schon immer geliebt und auch gekauft. Als Kind habe ich mein Taschengeld für «Kassettli» ausgegeben, später für Platten. Das war halt in einer Zeit vor dem Internet. Die Musik, die mir gefiel – Techno, Elektro – konnte ich nur im Club hören oder kaufen. Im Radio wurde das nicht gespielt. Ich habe viele DJs an Partys gesehen. Irgendwann sagte ich mir: Das will ich auch! So kaufte ich mir einen Plattenspieler, habe gespart, später kam ein zweiter Plattenspieler dazu, ein Mischpult. Ich habe mir das Auflegen zu Hause in meinem Zimmer beigebracht. Es ging lange, bis ich tatsächlich in der Öffentlichkeit aufgelegt habe – das war vor etwa 20 Jahren.

Wie ging es weiter mit Ihren Workshops?
Das Kraftfeld ist auf mich zugekommen und fragte mich, ob ich hier DJ-Workshops für Frauen machen möchte. Das war genau der richtige Zeitpunkt, denn das Thema «Frauen in der Musikbranche» explodierte geradezu und war omnipräsent. Im ersten Jahr habe ich Gastdozentinnen eingeladen, die über ihre Spezialitäten gesprochen haben. Die einen legen mit Vinyl auf, die andern mit CDs, wieder andere mit Computerprogrammen.

«Auflegen ist wie ein Instrument spielen.»DJ Zunami

Wie haben sich die Workshops entwickelt?
Heute kommen zwischen drei und zwanzig Frauen an die Anlässe. Die meisten sind anfangs zwanzig. Ich frage jeweils: Was wollt ihr machen? Wollt ihr etwas Spezifisches lernen? So machen wir immer etwas anderes. Im Moment ist eher das Bedürfnis nach einem offenem Übungsraum da – weil das Equipment im Kraftfeld zur Verfügung steht.

Was sind die Grundlagen, die eine DJ braucht?
Die erste Grundlage ist: Musik. Die meisten besitzen keine Musik, sondern streamen sie. Man muss Musik gern haben. Auflegen ist wie ein Instrument spielen. Es geht darum, zu lernen, mit dem linken und dem rechten Ohr gleichzeitig zwei verschiedene Dinge zu hören. Jede muss ihren Weg finden, denn es kommt auch drauf an, was sie machen will. Scratchen, das im Hip-Hop gemacht wird, das kann ich nicht. Es ist etwas ganz anderes als Beat-Matching.

«Ich mache einfach die Musik, an der ich Freude habe.»Maja Wehrli, DJ

Wo legen Sie selber auf?
Oft an Partys, manchmal an Vernissagen oder jeweils am ersten Donnerstag im Monat um 22 Uhr auf Radio Stadtfilter, in der Sendung «Collage Electrini». Das mache ich zusammen mit einer Kollegin, DJ Kyidee.

Was ist der Reiz am Auflegen?
Das, was die Öffentlichkeit sieht, ist der kleinste Teil der Arbeit. Für mich ist es das Musiksammeln, das Hören, Entdecken und zu etwas Neuem Zusammenfügen. Das zeige ich dem Publikum. Von dort kommt das Feedback. Ich selber habe mir nie ein Konzept geschrieben. Ich mache einfach die Musik, an der ich Freude habe: Dub, Dubstep, Grime, Elektro oder andere obskure, schräge Sachen. Wenn es die Leute super finden, dann finde ich das natürlich auch super. Aber gefallen muss ich niemandem mit meiner Musik.

Was sollten Frauen unbedingt beachten, wenn sie DJs werden wollen?
Wie gesagt ist das Wichtigste, Musik zu kaufen; also zu besitzen. Und sonst? Einfach dranbleiben und üben, üben, üben. Und: Habt Spass! Man kann zwar vieles mit Software machen, aber das ergibt noch keinen guten Mix, und Persönlichkeit ist da schon gar nicht drin. Das ist dann einfach Einheitsbrei.

Erstellt: 14.01.2020, 13:22 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.