Winterthur

Nebengeräusche gehören dazu

Rauchiger Rock, dreckiger Blues und verträumte Americana: Das Duo Bonosera bedient sich beim Desert-Rock, ohne ganz den Klischees zu verfallen. Das ist betörend schön.

Die Berufsmusiker Seraphim von Werra (links) und Aaron Wegmann.

Die Berufsmusiker Seraphim von Werra (links) und Aaron Wegmann. Bild: pd

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Seraphim von Werra und Aaron Wegmann sind umtriebige Musiker. In drei bis sieben Bandprojekten sind sie tätig, ihr Feld reicht von klassischem Songwriting bis zu ausgelassenem Gypsy-Folk. Das neuste Projekt der beiden Winterthurer heisst Bonosera. Den Stil von Bonosera nennen sie selbst Desert Trance Blues – das liegt irgendwo zwischen rauchigem Rock, dreckigem Blues und verträumter Americana.

Das Album «Feedback», innert einer Woche aufgenommen und Anfang Jahr veröffentlicht, ist das zweite von Bonosera, Wegmann und von Werra haben es in einem ambitionierten Set-up aufgenommen. Die beiden Musiker spielten im Studio so, wie wenn es sich um einen Liveauftritt handeln würde, sie gingen direkt aufeinander ein und reagierten spontan auf das, was im Moment geschah.

Roh, authentisch und mit dem besonderen Reiz einer Proberaum-Jamsession, so hören sich die Songs an; Nebengeräusche und Rückkoppelungen blieben erhalten. Nur den Gesang nahmen sie separat auf, aus technischen Gründen.

Gitarre, Schlagzeug undein bisschen Hammondorgel

Das Album wird eröffnet vom sphärischen, treibenden «Nor­thern Lights», einem fünfminütigen Gitarrenepos. Harsch und aufweckend ist der tiefe, kernige Gesang von Wegmann im zweiten Stück. Der Zuhörer wird gekonnt aus seiner Trance gerissen, bevor ihn die Melodie wieder mitnimmt auf den Trip.

«Ich geniesse die Abwechslung, die die verschiedenen Projekte bieten»

Die Gitarren dröhnen, scheppern und jaulen. Von Werras Schlagzeug ist minimalistisch-monoton und unermüdlich präzis. Nur in «Mary, Mary» durchbricht ein Hammondorgel-Teppich des Gastmusikers Dominik Blum, von Werras Vater, die Zweisamkeit der Instrumente. Dieser Wechsel von klassischen Songs mit Gesang zu instrumentalen Stücken verleiht dem Album Dynamik. Es ist eine unerschöpfliche, treibende Dynamik, sie holt diese Wüste vors innere Auge, die endlos langen Strassen, den weiten Himmel, den ewigen Staub und die drückende Hitze.

Wegmann und von Werra, 26- und 27-jährig, haben an der Zürcher Hochschule der Künste Musikpädagogik studiert, heute sind sie Berufsmusiker. In der Duo-Formation spielten sie noch während des Studiums zum ersten Mal. Wegmann ist daneben als Singer-Songwriter tätig; von Werras bekanntestes Projekt ist die Balkan- und Gypsy-Band Sebass, in der er Harmonika spielt. «Ich geniesse diese Abwechslung, die die verschiedenen Projekte bieten», sagt von Werra.

Weil er so seine beiden Bühneninstrumente Harmonika und Schlagzeug live spielen kann. Weil die unterschiedlichen Stile und Settings die Kreativität antreiben. Weil er sich nach dreissig bis vierzig Konzerten mit der gleichen Band auf einen Tapetenwechsel freut. Von Werra räumt aber auch ein: «In der Schweiz musst du als Berufsmusiker in verschiedenen Band spielen, weil sich die Auftrittsmöglichkeiten sonst bald erschöpfen.»

Bonosera istein Herzblut-Projekt

Auf dem Album «Feedback» gelingt den beiden Musikern der Wechsel zwischen den Stilen spielend. Nie hat man das Gefühl, sie würden hier etwas inszenieren, das ihnen eigentlich nicht entspricht. Von Werra bestätigt den Eindruck: «Rockmusik macht man nicht fürs Geld. Bonosera ist schon ein Herzblut-Projekt, wo wir uns kreativ ausleben können.» Das Album endet so episch, wie es begonnen hat: «Ain’t Gonna Change» heisst das zehnminütige Stück. Es hallt nach. Wie das ganze Album.

Live: Freitag, 20. 4., 20.15 Uhr, Theater am Gleis. CD: Feedback. www.bonosera.band (Der Landbote)

Erstellt: 10.04.2018, 18:16 Uhr

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