Kultur

Neuerscheinungen für Feinschmecker

In ihrer neuen Reihe Menu littéraire verbindet die Buchhändlerin Denise Hirsiger Essen und Bücher.

Denise Hirsiger sucht neue Wege, Bücher unter die Leute
zu bringen. Foto: PD

Denise Hirsiger sucht neue Wege, Bücher unter die Leute zu bringen. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer liest, saugt das Gelesene möglicherweise in sich hinein. Ist der Inhalt gehaltvoll, kann man ihn auch essen, schliesslich handelt es sich um handfeste Nahrung für den Geist. Darauf verweist schon das lateinische Wort für Weisheit, «sapientia»: Das Verb «wissen», «sapere», bedeutet auch «schmecken». Kein Zweifel, Bücher lesen ist ein sinnliches Erlebnis – warum nicht auch das Werben für Bücher?

Mit der Reihe Menu littéraire möchte die Buchhändlerin Denise Hirsiger Essen und Literatur verbinden. Um die Menschen an die Bücher heranzuführen. Denn dafür brauche es neue Ideen, sagt Hirsiger: «Die goldenen Zeiten des Buchhandels sind vorbei.» Gestartet wird am 21. Oktober in der Locanda Trivisano an der Stadthausstrasse.

Damit sich materielle und geistige Speise nicht in die Quere kommen, wechseln sie sich ab. Zwischen Apéro und drei bis vier Gängen kommt die Literatur zu Wort. Hirsiger wird dann «Neuheiten aus der Buchwelt» vorstellen, plus/minus fünfzehn sollen es pro Abend sein, darunter auch mal zwei ältere, «Backlist-Titel» heissen sie in der Sprache des Buchhandels. Und am Ende gibt es eine Gutenachtgeschichte. Rund drei Stunden soll alles dauern.

20 Jahre im Buchhandel

«Perlen aus der Flut holen», das sei das Ziel, sagt die Frau, deren Energie ansteckend wirkt. In der Bücherflut kennt sie sich aus: Nach einer Lehre in der Buchhandlung Rösslitor in St. Gallen hat sie 20 Jahre im Buchhandel gearbeitet, davon zwei im Kinderbuchladen in Zürich. Rund fünfzig Bücher enthält der Stapel zu Hause, deren vierzig hat sie gelesen. Was sie dann genau mitbringt, soll eine Überraschung bleiben.

«Ich stehe gerne vor Leuten und mag den Austausch»Denise Hirsiger

Den Arno Camenisch jedenfalls mag sie, daran kann auch der Verriss seines neusten Buches im «Tages-Anzeiger» nichts ändern: «Das ist Geschmackssache», meint sie lapidar. Leichter ist es zu sagen, worüber Hirsiger nicht reden möchte: «Trivialliteratur, Schmachtfetzen und Bestseller», zum Beispiel von Donna Leon und Martin Suter, diese müsse man «nicht noch pushen». Warum macht sie das? «Ich stehe gerne vor Leuten und mag den Austausch», sagt Hirsiger. «Deshalb bin ich Buchhändlerin geworden.»

Ihre Buchpräsentationen werden keine Vorträge sein, dafür soll ihre Erfahrung in einem Laientheater in Andwil bei Gossau SG bürgen, wo sie in «Yvonne, die Burgunderprinzessin» von Witold Gombrowicz die Titelfigur spielte. In der Groteske des polnischen Autors zeichnet sich Yvonne durch ihr Schweigen aus – da dürfte Hirsiger ihre neue Rolle weit mehr liegen: «Wenn ich zu reden beginne, komme ich in einen Flow.»

Um eine Perle handelt es sich dann, wenn ihr ein Buch gefallen hat. Das mag nicht immer auf Anhieb der Fall sein. Jedes Buch bekommt eine Chance im Umfang von fünfzig bis hundert Seiten. Überzeugt es bis dann nicht, wird es weggelegt. «Die Zeit ist zu knapp, um jedes Buch ganz durchzulesen.» Zurzeit ist Hirsiger am Roman «Drei» des israelischen Autors Dror Mishani. Darin lernen drei Frauen unabhängig voneinander denselben Mann kennen; später stellt sich heraus, dass er ein Mörder ist. Zudem liest sie «Ein Schuss ins Blaue», einen unkonventionellen Krimi von Franz Dobler, der in der gebundenen Form mit einem bibliophil gestalteten Cover auffällt.

In zwei Dialekten zu Hause

An Hirsiger fällt auf, dass sie Winterthurer Dialekt spricht und im Nu in den St. Galler Dialekt wechseln kann. Dort hat die gebürtige Winterthurerin ihre Teenagerjahre verbracht. Heute lebt sie mit ihrer Familie – einem Ehemann aus Winterthur und zwei Kindern im Alter von 5 und 7 Jahren – in Brütten.

Zwölf Abende mit dem Menu littéraire sind geplant, sechs im Oktober und sechs im November. Neben drei Auftritten in Winterthur – neben der Locanda Trivisano auch im Schloss Wülflingen und im Restaurant Sunnegg im Dorfkern von Oberwinterthur – gibt es weitere von Zürich über Küsnacht und Dübendorf bis Gossau SG.

In Gossau wird Hirsiger dann St. Galler Dialekt sprechen. Dort war sie bei der Buchhandlung Cavelti Sortimentsleiterin, dort kam sie auch auf die Idee, Essen und Literatur zu verbinden. Und dort hat sie 4 Jahre lang im Restaurant Egli bewiesen, dass das funktioniert.

Menu littéraire: Montag, 21.10., 18.30 Uhr, Locanda Trivisano. Nur mit Anmeldung: 052 202 31 85. Preise: www.wortgenuss.ch.

Erstellt: 14.10.2019, 09:10 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.