Winterthur

Offene Tür für junge Gäste

Junge Interpreten und Herausforderungen der Extraklasse – das passt beim Musikkollegium ins Format «Hauskonzert». So jetzt mit Rachmaninow und Alina Bercu, Schostakowitsch und Clemens Schuldt.

Die 28-jährige rumänische Pianistin Alina Bercu.

Die 28-jährige rumänische Pianistin Alina Bercu. Bild: Foto: PD

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«Erstmals zu Gast» – das ist auch ein Programm und eine Aufgabe des Konzertveranstalters. Man begegnet im Musikkollegium gern alten bekannten, aber immer wieder auch neuen Gesichtern – oder sagen wir Handschriften, wenn es sich wie im Falle des Hauskonzerts vom Donnerstag um eine Pianistin handelt: die 1990 in Campina (Rumänien) geborene Alina Bercu. Sie studierte in Weimar und erhielt 2017 das Konzertdiplom. Der künstlerische Erfolg, den sie nun braucht, scheint ihr zuzufliegen – so jedenfalls war es im Stadthaussaal, wo sie sich mit dem 2. Klavierkonzert von Sergei Rachmaninow präsentierte.Das berühmte Stück ist eine pianistische Herausforderung erster Güte und zugleich mit seiner gefühlsstarken Melodik eine sichere Hypothek. Kein anderes Werk hat das Bild des russischen Komponisten so sehr und so zwiespältig geprägt wie die immer wieder in Filmsoundtracks zitierte Musik dieses Klavierkonzerts. Ihre überwältigende Wirkung strömt aber ebenso aus dem effektvoll geblähten Orchesterklang wie aus dem vollgriffigen Solopart, der sich ins sinfonische Geschehen einschmiegt und sich doch auch behaupten muss: eine Frage der Balance, die von Alina Bercu und dem Orchester nicht durchwegs optimal beantwortet wurde.

Zumal im ersten Satz verlor sich die pianistische Arbeit, auch wenn sie Alina Bercu gelöst und souverän bewältigte, gern im wogenden Orchesterklang. Die ersten Solotakte mit ihren Akzenten und dem Ritardando zeigten, dass es dabei auch um noch etwas verhaltene gestalterische Autorität ging. Mit ihr setzte sich die Solistin aber im Verlauf der drei Sätze zunehmend durch und packte mit Virtuosität und poetischem Empfinden, mit Kraft für spektakuläre Kaskaden und emotionalem Einsatz.

Wie sehr sie über dies alles verfügt, zeigte sie schliesslich in zwei Zugaben, dem delikat gespielten «Vogel als Prophet» von Schumann und dem unerhörten Powerplay von Prokofjews Schlusssatz der Klaviersonate Nr. 7.

Das expressive Maximum

Zum zweiten Mal zu Gast – diese Auszeichnung, die nach dem grossen Applaus für Alina Bercu gewiss eine Option ist, hat sich der Dirigent Clemens Schuldt bereits verdient. Er gilt mit seinen 36 Jahren ebenfalls noch als Junger auf der Karriereleiter. 2015 war er mit einer imponierenden Aufführung von Bruckners f-Moll-Messe zum ersten Mal in Winterthur präsent. Mit gestalterischer Autorität von Beginn weg setzte er sich nun mit Beethovens «Egmont»-Ouvertüre in Szene. Mit starkem Körpereinsatz, aber präzisem Stab forderte er heftig akzentuierte Einsätze. Dass er auch mit weit ausholender Gestik fast immer explosive Präzision erreichte, erschien fast mirakulös. Alles aus dem Orchester herausholen war die Devise, mit der Schuldt dem leidenschaftlich heroischen Beethoven gerecht wurde, bei Rachmaninow der Pianistin wohl mit zu wenig Rücksicht begegnete und im zweiten Teil des Abends die Aufführung von Dmitri Schostakowitschs 1. Sinfonie zum Ereignis machte.

Grosse Orchesterbühne

Das genialische Gesellenstück, mit dem der 19-jährige Schostakowitsch sein Studium abschloss, strotzt vor Übermut. Bizarrerie und draufgängerische Kraft, Sarkasmus und lyrische Fantastik kündigen ein kolossales Lebenswerk an, und vor allem bieten sie dem Orchester eine grossartige Bühne für solistische Auftritte in allen Sektionen. Schuldt gab die Bühne frei, vermittelte aber dezidiert auch ein hellwaches Zusammenspiel, und seinem Drang zum expressiven Maximum im Tutti wünschte man einen anderen Saal, dem Publikum aber auch eine Wiederbegegnung mit diesem intensiven Gestalter.

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Erstellt: 02.03.2018, 17:38 Uhr

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