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Packende Pinselspuren,ungelenke Wortkritzelei

Zum Auftakt ihrer kuratorischen Tätigkeit im Oxyd stellt Daniela Hardmeier den Zürcher Künstler Filib Schürmann vor. Beeindruckend seine expressive malerische Geste, die persönlicher Ausdruck existentieller Zweifel ist.

Abstrakte Malerei, leidenschaftlich zelebriert: Filib Schürmann vor einem seiner Bilder.
Abstrakte Malerei, leidenschaftlich zelebriert: Filib Schürmann vor einem seiner Bilder.
zvg / Peter Huber, Oxyd

Samuel Becketts (1906-1989) abgründige Texte über die Sinnlosigkeit des Lebens faszinieren Filib Schürmann. In seinen Bildern und Texten sucht der 41-jährige Zürcher Autor nach Antworten auf die niederschmetternde Botschaft des irischen Autors. Auf welcher Ebene seine Auseinandersetzung der Hoffnungslosigkeit erfolgt, ob auf identifikatorischer oder inspirierend-stimulierender, bleibt dem Betrachter verborgen.Schürmanns derzeit im Oxyd ausgestellten grossformatigen Bilder auf Papier erzählen ohnehin eine Geschichte, die weit entfernt scheint von Illusionslosigkeit und Zufälligkeit. Sie entstanden mit wenigen Ausnahmen 2016. Das ist bemerkenswert. Denn damit bleiben alle jene mehr zeichnerischen als malerischen «Monster»-Bilder ausgespart, die bis 2013 eine wichtige Gruppe bilden; sie sind bevölkert mit grimassierenden Kobolden, Masken und Geistern und werden begleitet von philosophierenden, autobiografisch gefärbten Texten.

In den der Art Brut verwandten Arbeiten mag Schürmann private Dämonen bannen. Vielleicht ist der Absolvent der Luzerner Hochschule für Gestaltung und Kunst aber auch mit der surrealistischen Innerlichkeit der Innerschweiz in Berührung gekommen. Eine reich illustrierte Publikation in der Reihe Collection Cahiers d’Artistes (2015) dokumentiert diese Werkphase sehr eindrücklich.

Lustvolle Spritzer und Kleckse

Nun also die Oxyd-Selektion von sechzehn grossen Arbeiten auf Papier. Aus Distanz betrachtet, glaubt man einem anderen Künstler zu begegnen. Einem, dem die malerische Geste ganz wichtig geworden ist – als eine finale Setzung in einem Malprozess, der ganz unterschiedliche Aktivitäten und Ausdrücke einschliesst und dabei eine beeindruckend spannungsvolle räumliche Komposition erschafft, die sich dem Auge beinahe als eine skulpturale Erscheinung darbietet. Im Einsatz von geschlossenen Flächen bis zu schraffierten Zonen, die sich vielfach überlagern, gegeneinander verschoben sind und an Collagen erinnern, besticht wiederum die Souveränität einer differenzierten malerischen Praxis.

Kein Zagen und (Ver)-Zweifeln spürt der Betrachter, im Gegenteil: da wird expressive abstrakte Malerei leidenschaftlich zelebriert, in wässrigen Pinselspuren, die sich mit der Farbe des Grundes vermischt, in tänzerischen Spritzern, lockeren Geflechten, lustvollen Klecksereien, die über ruhige Zonen hinweghuschen; dann die linearen Bogen, die Brücken schlagen, chaotische Wirbel eingrenzen und den drohenden Zerfall im letzten Moment abwenden. Das ist Drama pur, über das sich die Farben wie Einzelstimmen legen: Rosa, Giftgrün, Weinrot, Ocker, Braun, Lila, oftmals sehr wässrig aufgetragen, während die schwarzen Felder räumliche Tiefe simulieren.

Kontrapunkt

Beim Nähertreten erst erfasst das Auge den Kontrapunkt, den Bruch. Es ist, als hätte der Maler wieder dem Zeichner und Cartoonisten von einst das Feld räumen müssen. Die alten Gespenster tauchen wieder auf, die Schrift kritzelt sich ungelenk durch die Malerei, breitet das Repertoire existentieller Stolpersteine aus, während Miniszenen im Cartoonstil Verlorenheit und Zweifel suggerieren. Die Farbwirbel artikulieren den inneren Sturm und das Gedankenchaos, auf die auch die Bildtitel hinweisen, indes packender. Geglückt ist die sparsame Hängung der Hoch- und Querformate durch den Künstler und die neue Kuratorin Daniela Hardmeier, die hier ihre erste Ausstellung präsentiert («Landbote» vom 6.3.). Sie macht diese Werkschau zum Ereignis.

Kunsträume Oxyd, Wieshofstr. 108. Bis 15. April. Fr/Sa 14-17, So 11-16.

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