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Politisch total inkorrekt

Mike Müller entführt das Publikum mit seinem Soloprogramm «Heute Gemeindeversammlung» in die Untiefen des Schweizer Milizsystems. Ein rasanter, wortgewaltiger und überaus amüsanter Abend.

Mit basalsten Requisiten lässt Mike Müller auf der Kabarettbühne eine Gemeindeversammlung aufleben, die völlig aus dem Ruder läuft.

Mit basalsten Requisiten lässt Mike Müller auf der Kabarettbühne eine Gemeindeversammlung aufleben, die völlig aus dem Ruder läuft. Bild: zvg

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Ein Tischchen, zwei Stühle, ein Espresso, ein Glas Wasser und Zigaretten, die wörtlich nicht zum Zug kommen, das sind Mike Müllers Requisiten. Mehr braucht er nicht, um sein Publikum glaubhaft an einen fiktiven Schweizer Ort mitzunehmen, an dem gerade eine ländliche Gemeindeversammlung tagt, und zwar eine, die sich den absurdesten Traktanden annimmt.

Das Programm überzeugt, da Müller das tut, was er am besten kann: Er ist viele. 

Da wird zum Beispiel über «subventionierte Kindergeburtstage» debattiert – denn ja, die braucht es künftig, wenn man sein Kind mitsamt Schulfreunden mit dem Super-Puma der Schweizer Luftwaffe in den Europapark Rust fliegen will und das Geburtstagskind zudem ein Pauschalgeschenk für 250 Franken erhalten soll.

Oder es geht um die Einbürgerung eines zu sehr assimilierten serbischen Einbürgerungswilligen, um die Wahl eines neuen Ferienheims oder die mögliche Fusion mit der Nachbarsgemeinde, die alsbald die Versammlung komplett aus dem Ruder laufen lässt.

Der Mann der vielen Stimmen

Das dritte Soloprogrammen von Mike Müller, das auf «Elternabend» und «Truppenbesuch» folgt, überzeugt vor allem deshalb, weil Müller das tut, was er am besten kann: Er ist viele. Wie er vom bodenständigen Walliser Bergler zum langsamen Lorraine-Berner und zum pingeligen und fussballverrückten Basler Protokollschreiber hin und her wechselt, um nur einige der Charaktere aufzugreifen, ist beeindruckend.

Hauptfigur des kabarettistischen Abends ist der von Mike Müller gespielte und selbstredend nicht mit noch lebenden Personen zu verwechselnde Gemeindepräsident Raoul Furrler, der einst als Strafe nach einer Jugendschlägerei nicht nur zu einjährigem Stimmenzählen in der Gemeindeversammlung verdonnert, sondern nach bewusst falschem Auszählen auch noch zur Gemeinderats-Kandidatur genötigt worden war.

Der köstlichste Charakter des Programms ist allerdings Herr Habegger, der ewig nörgelnde Neuzuzüger mit der «Züri-Schnurre», der an den Gemeindeversammlungen jeweils die sinnlosesten Anträge stellt, weil es ihm so etwas von egal ist, dass seine Eingaben Kosten verursachen, denn das sei nun mal Demokratie.

Ein kleiner Hänger zum Start

«Heute Gemeindeversammlung» ist ein Abend, an dem das Publikum herzhaft lachen und gleichzeitig die spielerische Eloquenz von Mike Müller geniessen darf. Dieser beweist einmal mehr, dass er einer der wenigen Schauspieler in der Schweiz ist, der im Film und im klassischen Theater genauso überzeugt wie auf den Brettern des Kabaretts – da mutet selbst der winzige textliche Hänger, den es am Premieren-Abend gab, geradezu charmant an.

(Der Landbote)

Erstellt: 11.10.2017, 16:17 Uhr

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