Winterthur

Punkrock in Zeiten der Klimademos

Die Punkband Anti-Flag haben im Gaswerk ein energievolles Konzert gespielt. Ihre politischen Songs gegen die Macht der Reichen zogen ein junges Publikum an.

Bereits 2015 traten Anti Flag im Gaswerk auf.

Bereits 2015 traten Anti Flag im Gaswerk auf. Bild: Heinz Diener

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Ihre Songs waren die Hymnen rebellischer Jugendlicher in den 90er-Jahren, ihre prägnanten Aussagen gegen Rassismus, gegen Sexismus, gegen den Kapitalismus die Mantren einer Generation. Nach rund 25 Jahren Bandgeschichte werden Anti-Flag nicht müde, Missstände der Gesellschaft lauft und mit mitreissendem Offbeat und verspielten Gitarrenriffs zu benennen. Dass dies nach wie vor gut ankommt, zeigten sie an ihrem Konzert am Mittwochabend im vollen Kulturzentrum Gaswerk.

Die Band aus Pennsylvania, USA, stieg wuchtig in das Konzert ein: «You gotta die, gotta die, gotta die for your government» (Du musst für deine Regierung sterben) skandierten sie, es war der Überhit ihrer ersten Platte, mit dem sie in Winterthur die Show eröffneten. Nahtlos ging es weiter, das Tempo wurde noch schneller und die Fans verwandelten die wütende Energie der Songs in einen ausgelassenen Pogo und tanzten bis in die hinteren Reihen.

«Broken Bones», ein weiterer Hit aus dem inzwischen grossen Plattenkatalog der Band wurde lautstark mitgesungen, ein herzhaftes «Fuck the world» schrien die Fans wie aus einer Kehle bei «1Trillion Dollars», Band und Publikum waren während rund einstündigen Show gleichermassen präsent und mit Intensität bei der Sache.

Konsequent linkspolitisch

Anti-Flag verstehen es wie kaum eine zweite Band, konsequent linkspolitischen Aktivismus mit Punkmusik zu verbinden. Ihre gesellschaftskritischen Botschaften verpackt die Band um die beiden Sänger Justin Sane und Chris #2 in leichte Poppunk-Melodien und bringen diese mit energiegeladenen Liveshows unter die Leute und regelmässig auch in die Schweiz.

«schüttle die Hand der Person neben dir, lernt euch kennen»Konzertritual von Anti-Flag

Im Gaswerk waren sie zuletzt vor vier Jahren, als sie einen Abend nach der Terroranschläge in Paris ein eindringliches Konzert gespielt haben. Auch bei ihrem Auftritt am Mittwochabend war das weltpolitische Tagesgeschehen präsent. Die Politik von US-Präsident Donald Trump war ebenso ein Thema, wie das vorgestern verschärfte Abtreibungsgesetz im Bundesstaat Alabama. Gleichzeitig beschwor die Band die Kraft der Gemeinschaft, rief die Fans dazu auf miteinander zu reden - «schüttle die Hand der Person neben dir, lernt euch kennen» - und dazu, aufeinander Acht zu heben - «wenn jemand fällt, hebt ihn wieder hoch.»

Es sind eingespielte Konzert-Rituale, die eingeschworene Fans natürlich bereits kannten. Ebenso wie das obligate Mittelfinger in die Luft strecken, oder dass für einen Song Schlagzeuger und Bassist mitsamt ihrer Instrumente kurzerhand in die Mitte des Publikums verfrachtet werden. Anti-Flag sind denn mittlerweile auch Profis, die wissen, was bei ihrem Publikum gut ankommt.

Sowieso das Publikum: Während für die einen der Mittwochabend ein Nostalgieausflug in ihre vergangenen Teenagerjahre waren, waren ebensoviele Junge vor Ort, die mit Herzblut die Schlachtrufe der Band mitschrien. Man fühlte sich an die Energie und die Parolen der letzten beiden Winterthurer Klimademos erinnert und entdeckte auch den einen oder die andere Megaphon-Wortführende ebendieser Demonstrationen in der tanzenden Menge. Sie zeigten, dass die zwanzigjährigen Songs von Anti-Flag, dass ihre Wut und ihr ansteckende Aufbruchstimmung für eine bessere Welt, im Zeitalter der Klimademos nach wie vor hochaktuell sind. (Landbote)

Erstellt: 16.05.2019, 15:46 Uhr

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