Winterthur

Schellen-Ursli, Reinhart und Comics

Mitmach­aktionen waren bei der Winterthurer Kulturnacht,die am Samstag an mehreren Orten stattfand, der Renner.

Im Volkarthaus stellte Stadtführerin Susan Meili den Werdegang des Kunstsammlers Oskar Reinhart vor.

Im Volkarthaus stellte Stadtführerin Susan Meili den Werdegang des Kunstsammlers Oskar Reinhart vor. Bild: Enzo Lopardo

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Den Auftakt zur Kulturnacht 2017 machte um 16 Uhr das Cinéma Solaire im Museum Oskar Reinhart. Cineast Christof Seiler begrüsste ein Dutzend Erwachsene und vier Kinder zur umweltfreundlichen Projektion von «Schellen-Ursli»: Zwei Solarzellen betrieben sein Vorführgerät, «sie müssen doppelt so lang aufgeladen werden, wie der Film läuft», erklärte er. Beim derzeit guten Wetter sei das kein Problem gewesen, so entfaltete sich das Bündner Bergpanorama dank original Winti-Sonne.

Die handverlesene Oskar-Reinhart-Führung startete mit mageren elf Gästen. Wenn man bedenkt, dass sich doppelt so viele angemeldet hatten und noch viel mehr gerne teilgenommen hätten, sollte sich Winterthur Tourismus bei der nächsten Durchführung doch ein anderes Prozedere überlegen. Der Spaziergang startete im Volkarthaus, wo Stadtführerin Susan Meili Barnes die Familiengeschichte der Gebrüder Volkart Revue passieren liess.

Aus ihrer 1851 gegründeten Handelsgesellschaft für Baumwolle wurde ein Imperium mit einer eigenen Winterthurer Flotte. Vier Windjammer-Segelschiffe brachten die Waren aus dem indischen Subkontinent schneller nach Europa als die Konkurrenz.

Direktoren machten selbst mit

Das heutige Casinotheater war jeweils donnerstagmorgens eine Baumwollbörse. Firmen wie Rieter konnten vor Ort mit ihren Spinnmaschinen an diesen Umschlagplatz «anknüpfen». Aus der Ehe von Salomons Tochter Lilly mit Theodor Reinhart entsprang die Reinhart-Dynastie. Um den kunstsinnigen Oskar drehte sich die Tour, also kehrte man im Haus zur Geduld in der Marktgasse ein.

Die Idee zu einem exklusiven Herrenclub hatte Reinhart aus Indien mitgebracht. Das derzeit 430 Mitglieder, darunter 15 Frauen, umfassende Etablissement pflegt seine Diskretion; Foto- oder Sprachwiedergabe aus der Führung wurden dem angemeldeten «Landboten» untersagt. Wer trotzdem mehr erfahren und sehen möchte, besucht einfach die Webseite www.zurgeduld.ch.

Im Museum Oskar Reinhart wurde die Gruppe vom Direktor Konrad Bitterli empfangen. Eine schöne Geste, wie der aus St. Gallen «zugereiste» neue Direktor die Winterthurer frisch für ihre Kunstschätze begeisterte und – ganz Kulturvermittler – selbst eine tiefgründige Interpretation des berühmten «Kreidefelsens» leistete.

In der Alten Kaserne wurden subversive Comiczeichnungen des Baslers Koostella enthüllt; die Kunsthalle feierte die Vernissage von Tianzhuao Chen, der mit zwei Mitspielern eine kitschigbunt-groteske Bewegungsperformance hinlegte, in der Geschlechterrollen aufgelöst waren.

Zufrieden mit der Resonanz

Organisator Pascal Mettler äusserte sich zufrieden über die Besucherresonanz, wünscht sich aber noch eine tiefere Durchdringung des Anlasses in alle Bevölkerungsschichten. Vielleicht sollte es dafür mehr Programmpunkte wie das Kammerlaborgeben: Thorsten-D. Künnemann, der Direktor des Technoramas, führte in der vollen Villa Sträuli mit den Besuchern akustische Experimente aus — die mal klappten und mal nicht.

Nirgendwo sonst an der Kulturnacht sah man mehr hochgezogene Mundwinkel und hörte mehr Lachen als beim Versuch mehrerer Dutzend Erwachsener, so schnell wie möglich einen Ballon zu schütteln oder mit Salatbesteck an den Ohren gegen eine Tischkante zu schlagen.

(Der Landbote)

Erstellt: 24.09.2017, 19:13 Uhr

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