Winterthur

Schlaflos am Eulachpark

Anwohner beklagen sich, dass tragbare Lautsprecher und gröhlende Feiergruppen im Eulachpark ihnen den Schlaf rauben. Neu würden die Feiergruppen sogar Festbänke mitbringen.

An lauen Abenden lädt der Eulachpark zum Picknick. Am Flussufer wird auch grilliert – gerne von tragbaren Lautsprechern beschallt.

An lauen Abenden lädt der Eulachpark zum Picknick. Am Flussufer wird auch grilliert – gerne von tragbaren Lautsprechern beschallt. Bild: Enzo Lopardo

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Marianne Honegger ist frustriert. Seit vielen Jahren wohnt sie in einer Dachwohnung neben dem Eulachpark, doch so schlimm wie dieses Jahr sei es es noch nie, sagt sie. «An schönen Abenden kann man den Balkon nicht mehr benutzen und am Wochenende ist an Schlafen kaum zu denken.» Der Eulachpark werde in der warmen Jahreszeit von Gruppen von Feierlustigen belagert, die keine Rücksicht auf die Anwohner nähmen.

«Am schlimmsten sind die mobilen Lautsprecher», sagt Honegger. «An manchen Abenden sind es vier oder fünf, die aus allen Ecken des Parks dröhnen.» Eine andere langjährige Mieterin bestätigt: «Die Lautsprecher sind sehr penetrant. Das gab es vor ein paar Jahren nicht.» Aber auch Johlen und Schreien sei störend, besonders nach elf, wenn Leute aus dem Ausgang heimkehrten. «Neulich fand ein Frauen-Polterabend im Park statt. Das Geschrei war unbeschreiblich», sagt Honegger. Besonders beliebt sei das Ufer der Eulach. Seit diesem Jahr beobachtet Honegger einen neuen Trend: «Gruppen nehmen Tische und Bierbänke mit und richten sich den ganzen Abend ein.»

Polizei sieht keinen Trend

Die Stadtpolizei schätzt die Lage nicht als alarmierend ein. «Im Juli gingen acht Meldungen wegen Ruhestörung ein, in den Monaten Juni und Mai waren es vier bzw. drei Meldungen», sagt Stadtpolizei-Sprecher Adrian Feubli. «In diesem Zusammenhang wäre es verfrüht von einem Trend oder einer Tendenz zu sprechen.» Die Meldungen schwankten erfahrungsgemäss stark je nach Wetter und Temperatur. Vandalismus und Littering bewege sich im Eulachpark aus Sicht von Polizei und Stadtgrün im «normalen» Rahmen.

Diese Leute sehen nur den Park und vergessen, dass rundherum Leute wohnen.Marianne Honegger, Anwohnerin.

An warmen Tagen fahre die Polizei den Eulachpark auch proaktiv an, sagt Feubli. Marianne Honegger findet dagegen, die Polizei handle viel zu abwartend und reaktiv. Patrouillen habe sie nur abends um 20 Uhr beobachtet. «Es wäre wichtig, dass die Polizei vor Ort Präsenz zeigt. Neuhegi wird als zweites Stadtzentrum bezeichnet, doch wir bekommen das Gefühl, dass wir hier draussen nicht interessieren.»

«Wir sind doch privilegiert»

Nicht alle Anwohner des Parks nehmen am Trubel Anstoss. Im Ortsverein Hegi sei Lärm im Park – im Gegensatz zu Littering – kaum ein Thema gewesen, sagt Präsident Roman Scheran. Yvonne Lenzlinger vom Hausverein des Mehrgenerationenhauses Giesserei sagt: «Ich habe auch schon Gruppen junger Leute gebeten, den Lautsprecher leiser zu drehen. Sie reagierten immer freundlich und einsichtig.» Auf eine Umfrage im Haus zur Lärmthematik meldete sich nur eine Person. Diese meinte: «Wir wohnen sehr privilegiert. Wenn andere Gruppen an lauen Abenden diesen Park nutzen, gönne ich ihnen das, auch wenn es mal laut wird.»

Freude über Regenwetter

Marianne Honegger dagegen wünscht sich, dass der Gebrauch der tragbaren Lautsprecher eingeschränkt und die Nachtruhe ausgedehnt wird. Sie gilt, nach Polizeiverordnung, ab 22 Uhr, am Freitag und Samstag im Sommerhalbjahr ab 23 Uhr. Zudem wünscht Marianne Honegger sich, dass ihre Anregung, eine Arbeitsgruppe mit den Anwohner, der Stadt, der Polizei und der Quartierentwicklung zu bilden, aufgenommen und umgesetzt wird. Die Arbeitsgruppe könne sich präventive Massnahmen überlegen, die dem überbordenden Lärm Einhalt gebieten würde. Auch ihre Nachbarin, die im Sommer gerne mit offenem Fenster schlafen möchte, hofft auf Besserung. «Neulich habe ich zu meinem Mann gesagt: Zum Glück ist heute schlechtes Wetter, dann können wir wenigstens schlafen.»

Erstellt: 08.09.2019, 13:43 Uhr

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