Winterthur

Selbstportrait mit WC-Spülung

Wer zeichnet in drei Minuten den besten Comic? In der Alten Kaserne fand am Samstag der vierte Comic Slam statt.

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Drei Leute zeichnen und über hundert schauen zu. Drei geben alles und die, die zuschauen, küren den Sieger: Der Comic Slam funktioniert nach dem Vorbild des Poetry Slam.

Neun Zeichnerinnen und Zeichner aus der Schweiz traten am Samstag in der Alten Kaserne gegeneinander an, zunächst in Dreiergruppen; der Sieger aus jeweils drei Versuchen kam ins Finale.

In bloss drei Minuten zeichnen die Teilnehmer spontan anspruchsvolle Karikaturen. Ein sowohl faszinierendes, als auch ungewöhnliches Spektakel. Video: Caroline Gloor.

Alle waren sehr geschickt und schnell im Kopf. Sonst könnten sie nicht in drei Minuten ein Bild zeichnen, das zwei Stichwörter kombiniert und nicht nur verständlich ist, sondern auch möglichst witzig. Die Wörter hatte das Publikum vor Beginn auf Zettel geschrieben, sie wurden dann aus Urnen gezogen, einmal auch vom Mann hinter dem Comics-Verkaufstisch: Dort sass der Sieger vom Vorjahr.

Was die Zeichnerinnen und Zeichner aufs Papier brachten, wurde gleichzeitig hinter ihnen an die Wand projiziert. Da erschien etwa ein Kopf mit einer Kette am Ohr zum Dranziehen, zum anderen Ohr spritzte Wasser heraus: «Selbstporträt» und «WC-Spülung» lauteten die Begriffe, die Dani Lutz, gelernter Dekorateur aus St. Gallen, originell umsetzte.

Ins Finale schaffte es auch Ahmed Dahi, der aus Ägypten stammt und mit seiner Familie als Dolmetscher und Familienbegleiter in Winterthur lebt. Er zeichnete einen brutalen Seemann mit Katzenkopf, der ein Eichhörnchen in der Hand gefangen hält. Und genau das war die Vorgabe: «Katzenmensch» und «Eichhörnchen». Bei Dahi sah das aus wie das auf den Punkt gebrachte archaische Verhältnis des Stärkeren zum Schwächeren.

Explosion durch ein Rüebli

Mari, die in einem Spital in Bern arbeitet, zeichnete ausserordentlich schnell und erzählte als einzige eine Story in mehreren Bildern. Sie schuf darin eine eigene, sonderbare Welt, in der andere Proportionen herrschten.

Auch sie kam in die Schlussrunde, als einzige von fünf angetretenen Frauen. Für das Finale hatte jeder davor ein eigenes Stichwort eingereicht, das zweite kam vom Glücksrad. Dani Lutz zeichnete eine Explosion, die von einem Rüebli ausgelöst wird, und gewann.

Der Applaus entscheidet

Ein Slam ist nicht zuletzt Show, und dafür war vor allem Moderator Dominik Dusek mit seinen Sprüchen zuständig. Hauptorganisatorin Katja Kolitzus vom Team der Alten Kaserne warf ihre Autorität in die Waagschale, wenn es galt, den Sieger zu bestimmen. Dafür mussten die beiden Moderatoren die Stärke des Applauses einschätzen.

Das funktionierte suboptimal, weil das Publikum allen gut gesinnt war und den Applaus gleichmässig verteilte. Das Zeichnen wurde mit Musik aus den Zeichentrickfilmen «Tom und Jerry» und «Der rosarote Panther» untermalt.

Alter: zwölf bis 70 Jahre

Vielleicht das Erstaunlichste an diesem Anlass: Das Alter der Zuschauer in den voll besetzten Sitzreihen reichte von zwölf bis siebzig, und manche zeichneten gleich selber mit. Auch bei den Künstlerinnen und Künstlern waren alt und jung gemischt. Mitveranstalter war das 2013 gegründete Comic Panel Winterthur.

Sein Präsident, der bekannte Winterthurer Comiczeichner Daniel Bosshart, hatte offensichtlich Freude an den Zeichnungen, die auf den Leinwänden aus dem Nichts heraus entstanden. Er selber arbeitet zurzeit an einem Kinderbuch, zusammen mit dem Spiele-Entwickler Daniel Fehr.

Erstellt: 17.03.2019, 15:14 Uhr

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