Winterthur

Sie versucht, nicht zu perfekt zu sein

Veronica Fusaro ist eine aufstrebende Musikerin ohne Künstlerallüren. In einer Woche spielt die 21-jährige Bernerin am Molton-Festival im Theater am Gleis.

Etwas fertig zu stellen sei nicht ihre Stärke, verrät Veronica Fusaro.

Etwas fertig zu stellen sei nicht ihre Stärke, verrät Veronica Fusaro. Bild: pd

Beinahe wäre aus ihr ein Castingprodukt geworden. Bei der SRF-Fernsehshow «Voice of Switzerland» flog Veronica Fusaro aber noch vor den Livesendungen raus. Das war vor fünf Jahren. Der Erfolg stellte sich trotzdem ein. Bei den «Swiss Music Awards», der Fernsehshow der Musikindustrie, reichte es 2017 zwar nur für eine Nomination, aber vor einem Jahr kam sie sogar zu einem Auftritt im Hallenstadion.

Die Wertschätzung des Fachpublikums hatte sie bereits 2016 erlangt: Beim Zürcher Migros-Musikfestival M4Music wurde der psychedelische Song «Come to Nought» als Demo des Jahres ausgezeichnet. Den Song, der dann auch auf der ersten EP «Lost in Thought» landete, hatte sie selbst aufgenommen, in ihrem Studio im Keller des Elternhauses in Thun. Den Mix der Albumversion besorgte Luk Zimmermann, einstiger Produzent der Berner Band Lunik.

«Come to Nought» führte 2016 zur breiteren Wahrnehmung von Veronica Fusaro.

Authentisch und erwachsen

Die Singer-Songwriterin und Gitarristin Veronica Fusaro, mittlerweile 21-jährig, wirkt authentisch und erwachsen, sie wirkt überlegt, redet nicht drauflos und legt es nicht darauf an, ständig zu lächeln. Sie lässt sich andererseits auch nicht in die Karten blicken und gibt nicht viel preis – wohl deshalb wurde sie in einem Zeitungsartikel als unnahbar bezeichnet. Künstlerallüren hat sie jedenfalls keine.

 «Ich möchte irgendwo auf der Welt Musik machen und es vielleicht schaffen, einmal vor ausverkauftem Haus zu spielen.»


Beim Gespräch in einem Café im Zürcher Kreis 5 sitzt Stefan Schurter mit am Tisch und arbeitet auf seinem Laptop. Schurter ist der Chef der in Arch zwischen Biel und Solothurn ansässigen Musikagentur Deepdive, die genau vor einem Jahr Fusaros zweite EP «Ice Cold» herausbrachte.

«Samtweicher Soulpop» sei das, «reif für den internationalen Durchbruch», teilt Deepdive auf einem Streamingdienst mit, auf dem man sich das Album anhören kann. Dass Schurter und Fusaro genau das vorhaben, lässt sich aus einigen Konzertterminen schliessen. Im Januar ging es nach Südkorea und Singapur, im laufenden Monat gibt es zwischen Lenzburg und Winterthur einen Abstecher nach Belgien.

Wie kam es zu den Terminen in Asien? «Wir wollten das», weicht Fusaro aus und gibt sich wortkarg, das Ziel sei, die Welt zu erreichen; im November sei man ja auch in Australien gewesen. Der Grund ihres Aufenthalts in Zürich? «Meetings für neue Projekte und neue Songs.»

Das Bachelorstudium an der Uni Freiburg in den Fächern Soziologie und Englisch hat Fusaro für mindestens ein Jahr auf Eis gelegt. Es sei schlicht nicht mehr gegangen, die Musik sei ein 100-Prozent-Job. «Es ist das, was ich will.»

Winehouse als Vorbild

Das Zeug dazu hat sie. Ihre Songs – elf sind bis jetzt erschienen, zwanzig weitere warten in der Schublade – sind abwechslungsreich und eigenständig, die Stimme hat Kraft und erinnert manchmal an Amy Winehouse, die Fusaro zu ihren Vorbildern zählt, etwa auf dem entspannten und eingängigen «Better If I Go».

«Better If I Go» erinnert ein wenig an Fusaros Vorbild Amy Winehouse.

Besonders beweglich und geschmeidig klingt sie im Song «Never Getting Down». Auch von Adele und Ed Sheeran habe sie viel gehört, sagt Fusaro. Und dass sie von jeder Musik beeinflusst werde, die sie höre, das passiere recht natürlich.

Fertig sei ein Song dann, wenn er sich richtig anfühle. Wobei sie eben nicht so gut darin sei, Sachen zu beenden, sagt Fusaro. Oft schraubt sie lange an ihren Songs. An «Off You» von der EP «Ice Cold» etwa: Zwei, drei Jahre vergingen bis zu Fertigstellung. Da kann Geduld ein Nachteil sein: «Tüftelt man zu lange an einem Refrain oder an einer Strophe, dann verliert es sich», wolle man zu perfekt sein, werde das Resultat «zu verkopft».

Hier gelte es eben, die goldene Mitte zu finden. Dass sie auch anders kann, bewies sie mit der im Oktober erschienenen Single «Venom». Die entstand an einem einzigen Tag im Studio, zusammen mit drei Mitmusikern.

«Venom» entstand an nur einem Tag.

Schon morgens in den Keller

Bis jetzt arbeitet Fusaro vor allem nachts. Sie möchte jetzt versuchen, schon morgens in den Keller zu gehen. Sie hat einen starken Willen, diesen Eindruck hinterlässt die Begegnung mit ihr. Ihre Leidenschaft für die Musik ist echt, sie wurde ihr auch nicht etwa von den aus Kalabrien stammenden Eltern vererbt.

Die seien nämlich unmusikalisch, liess Fusaro einmal in einem Interview wissen. Im laufenden Jahr soll die dritte EP erscheinen, und irgendwann ist dann auch ein Album geplant. Ihr Ziel formuliert sie so: «Ich möchte irgendwo auf der Welt Musik machen und es vielleicht schaffen, einmal vor ausverkauftem Haus zu spielen.»

In Winterthur ist sie schon zweimal aufgetreten, letztes Jahr an den Musikfestwochen und vor vier Jahren ebenfalls in der Reihe «Molton», damals noch im Begleitprogramm. Diesmal wird sie die Songs von «Ice Cold», Coversongs und ein paar neue Sachen spielen. Begleitet von einer neuen Band mit Cello, Bass, Keyboard und Schlagzeug. Der Auftritt im Theater am Gleis sei der erste Gig dieser Formation, verrät Fusaro.

Veronica Fusaro in der Reihe «Molton»: Samstag, 23.2., 20.15 Uhr, Theater am Gleis, Untere Vogelsangstrasse 3. (Der Landbote)

Erstellt: 15.02.2019, 17:27 Uhr

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