Winterthur

«Solche Lieder werden heute nicht mehr geschrieben»

Christian Jott Jenny und das Zürcher Staatsorchester laden zum Liederabend.

Der Entertainer Christian Jott Jenny.Foto: Matthias Heyde

Der Entertainer Christian Jott Jenny.Foto: Matthias Heyde

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Sie sind Künstler und Gemeindepräsident von St. Moritz, wo Sie auch ein Jazzfestival leiten. Wer ist Christian Jott Jenny, wenn auf der Bühne steht?
Christian Jott Jenny: Natürlich der Sänger. Aber der Sänger ist neuerdings ein Stück weit beeinflusst vom Gemeindepräsidenten. Das gibt mir die Möglichkeit, mit meinen Liedern Brücken in die Realität zu schlagen. «Von nun an ging’s bergab» von Hildegard Knef ist da natürlich ein Steilpass. Und das, obwohl St. Moritz noch immer keine richtige Talabfahrt hat. Aber am Ende bleibt es ein Liederabend, die Musik dominiert.

Neben Liedern von Hildegard Knef singen Sie auch welche von Hans Moeckel. Was fasziniert Sie an an diesem Liedgut? aus einer vergangenen Epoche?
Ich mag die Mischung aus Unterhaltung, Eingängigkeit und präzisen Texten, gepaart mit einer spielerischen Musikalität. Solche Solche Lieder werden heute nicht mehr geschrieben. Ich sage das ohne Verbitterung, aber mir sagt diese musikalische Epoche einfach mehr zu als zeitgenössische Musik. Sie bietet mehr Tiefgang und Hubraum. Die zeitgenössischen Lieder singe ich frühestens in 40 Jahren.

Was macht für Sie den Charme des Musik-Kabaretts aus?
Für mich ist es die perfekte Unterhaltung. Ein bisschen Musik, ein paar charmante und lustige Sätze. Eine tolle Band, die alles federleicht wirken lässt, auch wenn harte Arbeit dahintersteckt, um an diesen Punkt zu kommen. Das Musik-Kabarett ist leider ein aussterbendes Genre, aber definitiv die Königsklasse, wenn man die Musik wie auch die Satire beherrschen möchte.

Wie steht es um das Schweizer Musik-Kabarett und das Schweizer Chanson? Ist deren Zeit nach dem Verschwinden von Grössen wie Wollenberger, Moser und Burkhard nicht abgelaufen?
Diese Zeit ist definitiv vorbei. Dinge verändern sich und das ist gut so. Es gibt aber auch neuere Künstler, die sehr lustige und unterhaltsame Geschichten erzählen: «Heinz de Specht» oder Manuel Stahlberger haben beispielsweise einen neuen Weg gefunden. Mir gefällt aber dennoch die Musik von damals besser, und diese hat nach wie vor ihre Existenzberechtigung.

Wie sehen Sie die Kabarettszene im Allgemeinen?
Sie ist vermutlich unmusikalischer geworden. Comedians haben den Kabarettisten ersetzt. Der Kabarettist war melancholischer unterwegs, die Musik spielte eine grössere Rolle.

Was möchten Sie im Bereich des Musik-Kabaretts künftig noch machen? Vielleicht Chansons selber schreiben?
Ich muss gestehen, das ist ein Gebiet, das ich noch angehen möchte. Neue Geschichten in Lieder verpacken – denn diese alten Lieder sind ja ein Stück weit auch Geschichtsschreibung. Ich glaube, wir hätten auch einiges aus der Gegenwart, das man in dieser musikalischen Form festhalten könnte.

Samstag, 16.11., 20 Uhr, Casinotheater Winterthur.

Erstellt: 12.11.2019, 15:41 Uhr

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