Winterthur

Stephan Eicher singt öffentlich für eine gute Freundin

Der Chansonnier gibt am Freitag ein Vernissagenkonzert für Sophie Calle.

Stephan Eicher spielt ein Kurzkonzert mit dem Traktorkestar, seiner derzeitigen Begleitband.

Stephan Eicher spielt ein Kurzkonzert mit dem Traktorkestar, seiner derzeitigen Begleitband. Bild: pd

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Sophie Calle ist eine französische Fotografin und Konzeptkünstlerin, sie ist 65-jährig und bekannt dafür, Privates in ihre Kunst einfliessen zu lassen.

Ganz am Anfang ihrer Karriere lud sie 45 Menschen, Freunde ebenso wie Unbekannte, ein, in ihrem Bett zu schlafen. Sie fotografierte die Schläfer und machte die Bilder zum Kunstwerk. Später bat sie ihre Mutter, sie von einem Privatdetektiv beschatten und fotografieren zu lassen.

Ein Auszug aus Calles frühester Tätigkeit: die Schläfer. Bild: fotomuseumwinterthur

Für ihr Projekt «Hotel» arbeitete sie selber als Zimmermädchen in einem Hotel in Venedig. Und für die Biennale ebendort im Jahr 2007 nahm sie jene Mail-Nachricht als Ausgangspunkt, mit der sich ihr damaliger Lebensgefährte von ihr verabschiedet hatte.

Kein Platz für viele Leute

Nun widmet das Fotomuseum der Französin die erste grosse Schau in der Schweiz. «Wir freuen uns sehr», sagt Nadine Wietlisbach, die Museumsdirektorin. Und ebenso sehr freue sie sich auf eine «musikalische Intervention», ein kurzes Konzert von Stephan Eicher an der Vernissage.

Calle und Eicher seien eng befreundet, und sein Kurzauftritt sei ein Geschenk an die Künstlerin und Freundin, sagt Wietlisbach. An die grosse Glocke hängen mag sie dieses Konzertchen nicht, man macht nicht eigens Werbung dafür.

Musik für eine tote Katze von Bono, Pharrell Williams, Laurie Anderson oder Stephan Eicher.

Man habe einzig bei der Polizei die Bewilligung eingeholt, die Grüzenstrasse zwischen Fotomuseum und Fotostiftung eine gewisse Zeit zu sperren.

Eicher und seine Mitmusiker vom Traktorkestar werden auf der Eingangstreppe des Museums spielen, das Publikum wird auf der Strasse stehen.

Für ein Chanson wird auch Sophie Calle selber zu Eichers Traktorkestar stossen, auch das hat seinen Ursprung in einer verrückten Idee. Calle hatte eine Katze mit dem irritierenden Namen Souris, die 2014 im stolzen Katzenalter von 17 Jahren starb.

Um die traurige Besitzerin zu trösten, schrieb Laurie Anderson, auch sie eine Freundin, ein Lied für Souris. Calle nahm das zum Anlass, andere Musikerinnen und Musiker anzufragen, ein Chanson, einen Song, ein Gedicht über Souris aufzunehmen. Im Herbst 2018 wurde das Ergebnis veröffentlicht, auf Streamingdiensten und exklusivem Vinyl.

Melancholisch und witzig

«Souris Calle» heisst das Werk mit 36 meist kurzen Tracks, beigesteuert von namhaften Musikschaffenden: Bono ist dabei, Laurie Anderson natürlich, Pharrell Williams oder eben auch Stephan Eicher. Der U2-Sänger Bono macht dabei einen Telefonanruf an Souris und zitiert englisch Rilkes Gedicht «Schwarze Katze» zu einem U2-Song, der im Hintergrund läuft.

Message to Souris mit dem Gedicht von Rilke, vorgetragen von Bono.

Die ganze Katzenlieder-Sammlung ist unterhaltsam und melancholisch, hat aber hierzulande keine grossen Wellen geworfen. Auf Youtube wurden die Songs erst einige Hundert Mal angeklickt. Vielleicht ändert das nun mit Sophie Calles grosser Winterthurer Ausstellung und Stephan Eichers kurzem Gastspiel.

«Souris Calle» erschien 2018, ein Liederstrauss im Gedenken an Sophie Calles verstorbene Katze.

Erstellt: 05.06.2019, 16:52 Uhr

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