Musikfestwochen

Trotz guter Zahlen keine Zeit, sich auf den Lorbeeren auszuruhen

Das Festival positioniert sich als sympathische Alternative. Dem Experten gefällt die Strategie.

Die Musikfestwochen locken jedes Jahr tausende Besucher in die Winterthurer Altstadt.

Die Musikfestwochen locken jedes Jahr tausende Besucher in die Winterthurer Altstadt.

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Die beiden abtretenden Geschäftsleitungsmitglieder der Winterthurer Musikfestwochen, Laura Bösiger und Grégoire Guisolan, haben in den vergangenen drei Jahren das Festival neu positioniert. Die schwierigen Bedingungen in der Musikbranche hat die Veranstalter dazu gezwungen, das Profil zu schärfen.

«Die Konkurrenz unter den Festivals ist riesig, man gräbt sich gegenseitig die guten Bands ab, sogar um die Gunst der Newcomer hat inzwischen das Buhlen begonnen», sagt Bösiger. Gekoppelt mit den steigenden Gagen für die Künstlerinnen und Künstler, die heute hauptsächlich von Live-Auftritten statt von CD-Verkäufen lebten, sei die Herausforderung enorm.

Mehr Gönner denn je

Dennoch vieles gelang dem Festival, das mit Subventionen der Stadt Winterthur und des Kantons Zürich zugunsten von kostenlosen Angeboten unterstützt wird. So ist mit 580’000 Franken Sponsoring- und Gönnergelder mehr Geld akquiriert worden als je zuvor. Ein Gewinn von rund 24’000 Franken resultierte im Festivaljahr 2018. Mit 32 Prozent habe man einen hohen Anteil an weiblicher Musik auf der Bühne präsentiert – ein gutes Ergebnis im Vergleich mit anderen Musikfestivals, so Bösiger.

«Künstlerinnen und Künstler treten heute mehrmals pro Jahr im Grossraum Zürich auf.»Derrick Thomson,
Managing Director Mainland Music AG Zürich

Zudem hätten Umfragen gezeigt, dass die Besucherinnen und Besucher mit den Werten der Musikfestwochen sehr einverstanden seien. Zu diesen Werten zählen unter anderem das Umweltbewusstsein, etwa mittels Geschirrückgabesystem oder dank weniger eingeflogener Künstler.

Auch der Fokus auf das Regionale gefiel, zum Beispiel bei der Verpflegung im Streetfood-Ambiente oder mit dem Konzept «Startrampe», das lokalen Nachwuchsbands Kurzauftritte in den Umbaupausen zwischen den grossen Acts ermöglicht. Nicht zuletzt konnten die Macher auch mehrere lokale KMU mit lauschigen Party-Plattformen für deren Firmenanlässe gewinnen.

Risikofaktor Zürich

Mit Sympathie punkten statt mit grossen, teuren Headlinern – geht diese Strategie in Zukunft auf? Derrick Thomson bestätigt, dass die Gagen in den vergangenen zehn Jahren «massiv» gestiegen seien. Er ist ehemaliger Geschäftsführer einer Winterthurer Künstleragentur, heute Managing Director von Mainland Music, einem der einflussreichsten Konzertveranstalter der Schweiz, und kann einen Zeitraum von rund 25 Jahren Festivalgeschichte überblicken. «Es ist wichtig für Festivals mit beschränktem Budget neue Nischen zu suchen.» Es bleibe ihnen ja keine Alternative.

«Dass die Musikfestwochen-Verantwortlichen ein Wohlfühlambiente und die Reduktion des ökologischen Fussabdrucks ins Zentrum rücken, ist sicher ein guter Ansatz». Auch als Festival für musikalische Entdeckungen eigne sich das Format in Winterthur. «Ein kostenloses Programm anbieten zu können, ist einmalig.»

Das Wetter könne allen Festivals den kommerziellen Erfolg erschweren. In Winterthur komme dazu, dass heute Künstler im Grossraum Zürich mehrfach pro Jahr gebucht würden, und die Konkurrenz für Winterthur daher besonders stark sei. «Gelingt es dem Festival aber, sich durch besondere Sympathie einen Namen zu machen, hat es gegenüber der Konkurrenz Chancen, sich zu behaupten.»

(kal)

Erstellt: 06.03.2019, 17:34 Uhr

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Professionell, und unbedingt mit Herzblut bitte

Die Winterthurer Musikfestwochen suchen eine neue Leitung ab Herbst 2019. An der Generalversammlung vom Dienstag wurde der Wunsch nach einer mit heute vergleichbaren Mischung aus Professionalität und Kreativität laut. Das Budget von zweieinhalb Millionen Franken erfordere viel unternehmerische Umsicht, so Bruno Ruggle, Mitglied und ehemaliger Helfer.

Die Lebendigkeit und die Spontaneität dürften dennoch nicht verloren gehen. «Engagement und Liebe für die Sache», wünscht sich Anina Ljaskowski. Sie verantwortet das Gastrokonzept des Festivals und sitzt neu im Vereinsvorstand. Neumitglied Marina Banholzer ist überzeugt, «dass das bei so vielen beherzten Leuten in dieser Stadt kein Problem ist.»

Mitglied Andy Esenwein hofft, «dass der Einsatz der freiwilligen Helferinnen und lokalen Handwerker stets hochgehalten wird». Die Bewerbungsfrist läuft bis 24. März.

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