Winterthur

«Unsere Züglete ist grösser als die der Rolling Stones»

Heute Abend spielt Karl’s kühne Gassenschau in Oberwinterthur zum letzten Mal «Sektor 1». Gründungsmitglied Brigitt Maag blickt zurück.

Dernière in Sektor 1: Karls kühne Gassenschau spielt heute Samstag zum letzten Mal in Winterthur.

Dernière in Sektor 1: Karls kühne Gassenschau spielt heute Samstag zum letzten Mal in Winterthur. Bild: Ernesto Graf

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Frau Maag, heute spielt die ­Gassenschau das allerletzte Mal in Winterthur «Sektor 1».Was passiert nach dem Schluss­applaus?
Brigitt Maag: Der Umzug nach Olten ist in vollem Gange. Wir ­haben dort bereits einen Graben ausgehoben, und die Garderobencontainer sind schon gezügelt.

Das wird ein gewaltiger Umzug.
Ich würde sagen, wir sind grösser als die Rolling Stones. Insgesamt rechnen wir mit 65 Sattelschlepperfahrten.

Wie haben Sie die zwei Saisons in Winterthur erlebt?
Wir sind immer gerne hier, Winterthur ist meine Lieblingsstadt, hier läuft kulturell unheimlich viel. In Winterthur produzieren wir alle Gassenschau-Stücke.

Sie spielten die verwirrte Frau Ida. Wie stark identifizieren Sie sich mit dieser Rolle?
Nun, Frau Ida ist ja dement. Das macht sie zu einer spannenden Person. Man weiss nie: Sagt sie die Wahrheit oder erzählt sie einfach etwas? Es ist eigentlich eine Narrenrolle. Gleichzeitig erzeugt sie beim Zuschauer Mitleid und erinnert daran, dass das Gleiche einem selbst passieren kann. Ich spiele die Rolle sehr gerne. Es ist ja die gleiche Frau Ida, die schon in «Silo 8» vorkam.

«Winterthur ist meine Lieblingsstadt, hier läuft kulturell unheimlich viel.»

Gleichzeitig stehlen Ihnen ­Bühnenbild und Spezialeffekt regelmässig die Show.
Das ist immer so bei Gassenschau-Stücken. Auf einer so grossen Bühne darf man keine Soli spielen wollen. (lacht) Ich finde, das unterstützt die Geschichte. Wir leben in einer sauberen Welt. Gleichzeitig leben viele Menschen in anderen Ländern ex­trem im Abfall, und zwar zum Teil in unserem Abfall. Es ist wichtig, dass man das auch spürt.

Sie werden im Stück sprichwörtlich mit Müll beworfen. Wurden Sie nie getroffen?
Doch, natürlich. Aber die Säcke sind so gebaut, dass es nicht wehtut. Es gab sowieso kaum Unfälle und Pannen.

Die Sicherheitsauflagen sind heutzutage sehr streng. Sind Sie froh darum?
Nein, diese Entwicklung ist nicht nur zum Guten. Ich glaube, durch all die Auflagen bekommen unsere Mitarbeiter ein falsches Gefühl von Sicherheit. Wenn man bedenkt, wie lange wir das schon machen und wie gefährlich manche Dinge sind, gab es unheimlich wenige Verletzungen, weil wir sehr stark aufpassen. Eigenverantwortung ist besser als immer mehr Auflagen.

Das Publikum sitzt unter Dach. Sie dagegen sind bei jedem Wetter draussen.
Das ist eine reine Einstellungs­sache. Ich finde, Wetter wird überschätzt. 90 Minuten im Regen stehen ist nicht schlimm, man muss sich nur nachher gut abtrocknen.

Sie sind bei Karl’s kühne für die Geschichten zuständig. Wie zufrieden sind Sie mit «Sektor 1»?
Es ist definitiv ein Gassenschau-Stück. Wir haben im Verlauf der Zeit einen gewissen Stil ent­wickelt. Das Stück soll berühren, aber auch lustig sein. Es ist nicht Shakespeare, es ist modernes Volkstheater.

Das Publikum ist auch entsprechend gemischt.
Ja, das war bei uns schon immer querbeet gemischt. Nicht, weil wir es anstreben. Wir machen einfach das Theater, was wir selbst gerne sehen würden.

Nach über 33 Jahren nähert sich die Kerntruppe langsam dem Pensionsalter. Steht ein Generationenwechsel an?
Ja, darüber denken wir nach. Wir möchten die Gassenschau in jüngere Hände übergeben, aber langsam und stufenweise. Bei einem unserer Mitgründer hat dieser Schritt bereits erfolgreich stattgefunden.

Werden Sie in Olten bereits am neuen Stück arbeiten?
Das ist der Plan. Ganz langsam. Wir spielen noch zwei Jahre «Sektor 1», erst 2021 startet das neue Stück.

(Der Landbote)

Erstellt: 22.09.2017, 16:51 Uhr

Brigitte Maag ist Mitgründerin der kühnen Gassenschau. (Bild: zvg)

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