Winterthur

Viel Elan für die grosse Tournee

Mozart, Beethoven, Schumann und der Cellostar Mischa Maisky – das heimische Publikum erlebte im Musikkollegium das Programm für den Auftritt in Korea und Japan.

Im Gespräch mit Samuel Roth ist Mischa Maisky auf dem «Red Sofa» auch für ein wenig Home Story zu haben – auch seine Jüngste spielt Cello.

Im Gespräch mit Samuel Roth ist Mischa Maisky auf dem «Red Sofa» auch für ein wenig Home Story zu haben – auch seine Jüngste spielt Cello. Bild: HB

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Gangneung, Souel, Daegu und Tokio sind die Stationen der Konzertreise, zu der das Muikkkollegium nächste Woche aufbricht. Es ist nach 2017 die zweite Asien-Reise des Orchesters und eine Bestätigung des grossen Erfolgs der ersten. Mit Klassik und Romantik, mit Ouvertüre, Solokonzert des Stars und Sinfonie hat das Programm auch das Erfolg versprechendes Tournee-Format, aber einfach machen es sich damit weder der Mischa Maisky mit dem virtuos-expressiven Violoncello-Konzert von Robert Schumann noch das Orchester, wenn es sich um Mozarts gipfelstürmerische «Jupiter»-Sinfonie handelt.

«Ein Wunder etwa die Seelenruhe, zu der diese Musik nach der romantischen Aufgewühltheit des ersten im zweiten Satz findet.»

Es geht im Gegenteil um Höchstleistungen an Konzentration, Energie und Gestaltungskraft, und es geht darum, bekannten Werken neues, «unerhörtes» Leben einzuhauchen. Das Konzert am Mittwoch liess das alles in reichem Mass erleben. Unter der Leitung von Thomas Zehetmeier klangen Mozart und Schumann nicht neu im Sinne einer stilistisch extrvaganten Auffassung, sondern «nur» geschärft in den Konturen und in den Kontrasten lyrischer Weite und dramatischer Brisanz, gespannt und gehalten im Ganzen.

Starke Persönlichkeit

Eine «neue Sicht» auf das Schumann-Konzert war erst recht nicht beim Solisten das Thema. Er liess vielmehr hören, was es heisst, diesen mit weiten Intervallsprüngen, vertrackten Läufen und weiten Gesangslinien überaus dichten Part auszuschöpfen und gefühlsinnig auszuleben. Mischa Maisky, der Lette mit den bösen politischen und guten musikalischen Erfahrungen im Russland der Sowjetzeit, mit Aufenthalt im Arbeitslager, aber eben auch Unterricht bei Rostropowitsch und Piatigorsky, ist 71-jährig der grosse Vertreter dieser Tradition. Der kraftvolle Zugriff und die sonore Fülle des Klangs, die Intensität des Vibratos und die Sensibilität des besinnlichen Musizierens – all das bedeutete in der körperhaft eindringliche Gegenwart einer unverwechselbaren Persönlichkeit durchaus eine neuen Begegnung mit dem Werk.

Unbegreiflich, dass es lange ein Schattendasein führte. Ein Wunder etwa die Seelenruhe, zu der diese Musik nach der romantischen Aufgewühltheit des ersten im zweiten Satz findet. Hier war bemerkenswert, wie diskret die Solo-Cellistin des Orchesters ihre Duettstimme in den Solopart einflocht: Eine Stimme wie von weit her, deren Einflüsterung den Solisten selber zum doppelgriffigen Spiel und zum vollen Glück der Harmonie zu inspirieren schien. Packend dann die erneute Verdüsterung und wie sie vom marschartigen Finalsatz mit seinem dichten Wechselspiel von Solo und Orchester markig und brillant weggewischt wurde.

Zum zweiten Mal hier zu Gast: Für Mischa Maisky, den vitalen Altmeister des Cellospiels, gibt es grossen Applaus. Bild: HB

Mit der Kürze der Werke begründete Maisky in der Plauderstunde auf dem «Red Sofa» nach dem Konzert die Wahl von Max Bruchs «Kol Nidrei» als weiteren Beitrag im Programm. Wer an ein Statement dachte, lag aber wohl auch nicht ganz daneben. Zwar hat der Brahms-Zeitgenosse sein Konzertstück ausdrücklich als protestantischer Komponist geschrieben, angetan von der puren Schönheit der von ihm verwendeten hebräischen Melodien. Maiskys berührend kantables Spiel rief aber auch deren Geist wach, und in diesem Zusammenhang ist es nicht falsch, daran zu erinnern, dass Bruch wegen eben dieser Komposition in der Nazi-Zeit eine jüdische Abstammung unterstellt wurde und sein Werk nicht nur, aber auch deswegen ins Abseits geriet.

Mozart oder Beethoven

«Kein Tag ohne Bach», meinte Maisky nach dem Konzert: Das Prélude der ersten Solosuite war das wunderbar duftende tägliche Brot seiner Zugabe. Die Veranstalter in Asien stehen auf Beethoven. So hat das Musikkollegium auch dessen Fünfte im Gepäck, gewiss eine zündende Wahl. Aber die grössere Herzenssache für das Orchester ist Mozarts letzte Sinfonie. Sie ist mit ihren spontanen Aufbrüchen, den befreiten kammermusikalischen Diskursen, ihrer Lebendigkeit und ihrer unerhörten Kombinatorik im Finalsatz wohl auch die grössere Herausforderung, und zu erleben war auf dem Podium die ideale Mannschaft für ein musikalisches Geschehen non plus ultra, brillant und präzis aufeinander abgestimmt, durchsichtig und geistesgegenwärtig auch im wagemutigen Temporausch des Finales.

In der Variante des Programms mit Beethovens 5. Sinfonie anstelle von Mozarts Sinfonie in C-Dur KV 551 tritt das Musikkollegium am Freitag, 18. Oktober 19.30 Uhr in der Tonhalle Maag auf

Erstellt: 17.10.2019, 13:45 Uhr

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