Winterthur

Viele wollen mit Ideen weiterkommen, die gut für die Umwelt sind

An der Messe der Neuunternehmer im Technopark in Winterthur herrschte am Freitag eine Du-Kultur.

Kleider mieten statt kaufen: Natalia Marassi (links).

Kleider mieten statt kaufen: Natalia Marassi (links). Bild: Johanna Bossart

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«Wie lange ist eine neu gegründete Firma ein Startup?» Felix Poelsma findet, das seine «eine gute Frage», beantworten kann er sie nicht. Die Firma Vatorex gibt es seit drei Jahren. Die Idee: Eine chemiefreie Behandlung von Bienenvölkern gegen die gefährliche Varraomilbe. «Wir sind noch klein», sagt der junge Mann, der nach jedem zweiten Satz lächelt. Nach einem Bachelor in Kommunikation in seiner Heimat Holland kam er für das Masterstudium in Geografie nach Zürich und ist nun bei Vatorex für das Marketing zuständig.

Es geht um eine Bodenheizung für Bienen: Über einen einzulassenden Heizdraht wird die Wabe für die Dauer von drei Stunden auf 39 bis 42 Grad erwärmt. Den Bienen schaden die höheren Temperaturen nicht, die Milben verenden. Laut Prospekt vertrauen dieser Methode bereits über hundert Kunden aus neun europäischen Ländern. Als nächster Entwicklungsschritt steht nun die Automatisierung des Einbaus der Heizdrähte an.

«Pro Jahr landen 92 Millionen Tonnen Kleider im Abfall.»Natalia Marassi, Mitgründerin des Labels Sharealook aus Pfäffikon SZ

Wie wohl alle hier anwesenden Startups will Vatorex wachsen. Vierzig Firmen sind es dieses Jahr. Die Atmosphäre ist locker, es herrscht eine Du-Kultur. Das signalisieren auch die Namensschilder: Der Vorname ist gross gedruckt, der Nachname darunter schon fast unlesbar klein. Das Publikum ist jung, beide Geschlechter sind gut vertreten und Anzugträger selten – solche findet man eher im Vortragssaal, wo nach 18 Uhr Rolf Sonderegger, CEO der auf Messtechnik spezialisierten Winterthurer Firma Kistler, über Innovation spricht. Im zweiten Stock laufen Workshops. Die vom Entrepreneur Club Winterthur im Technopark organisierte Startup-Night fand am Freitag zum dritten Mal statt, die Teilnahme war kostenlos.

Umweltschonende Produkte sind angesagt

Als Journalist muss man sich nicht anstrengen, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Genau dazu sind sie ja hier. Da gibt es die praktische Idee: Steasy, ein portabler Steamer für warmes Essen unterwegs, ging aus einer Bachelor-Arbeit hervor und erinnert äusserlich an eine Lunchbox. Kaufen kann man ihn noch nicht, die drei jungen Männer halten hier nach Investoren Ausschau. Ideen, die die Umwelt schonen wollen, sind verbreitet: Die Frauen der Firma Mondays aus Küsnacht etwa vertreiben Tampons aus Bio-Baumwolle und möchten damit vom umweltschädlichen Plastik weggekommen: Neunzig Prozent betrage der Anteil an Plastik bei den führenden Herstellern herkömmlicher Produkte, heisst es auf dem Flyer. Vor dem Technopark blitzt das Chassis eines Elektro-LKW der Marke Futuricum, produziert von der Winterthurer Firma Designwerk.

In Zukunft werden wir viele Dinge nicht mehr besitzen, prophezeit der bekannte Gesellschaftstheoretiker Jeremy Rifkin. Weil es nachhaltiger ist, sie gemeinsam zu nutzen. Das wiederum muss organisiert werden. In diesem Sinn ist die Idee, die Natalia Marassi an ihrem Stand vertritt, ganz auf der Höhe der Zeit: Ähnlich wie beim Carsharing geht es beim Label Sharealook darum, Kleider zu tauschen, zu vermieten oder zu verkaufen, statt ständig neue zu kaufen. Die Firma Marlaux aus Päffikon SZ, der Sharealook gehört, wurde vor einem Monat gegründet. Ihre Erscheinungsform fällt durch ihre Schlichtheit auf: Neben Marassi hängen Damenkleider an einer Kleiderstange. Die Kontraste sind gross. Gegenüber findet Science-Fiction statt, dort kann man mit einer Virtual-Reality-Brille durch Winterthur fliegen.

Erstellt: 22.09.2019, 13:40 Uhr

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