Kutur

Von Berlin nach Hegi mit dem Kopf voller Ideen

Die Berlinerin Brit Hartmann hat die ehemalige Feilenfabrik in einen «Erlebnisort» umfunktioniert.

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Franziska Welti dreht sich beim Dirigieren in alle Richtungen. Die Mitglieder des von ihr gegründeten Chors Vox Feminae haben sich im ganzen Raum verteilt, sind stets in Bewegung. Durch die hohen Decken des Raums tönt ihr Gesang wie in einer Kirche. Stühle gibt es nur wenige.

An der Premiere des Auftritts sollen auch die Gäste stets in Bewegung sein. Die Mitglieder werden sich im ganzen Haus verteilen und die Besucher schon draussen vor der Tür mit ihren Liedern willkommen heissen. Es soll ein «Spaziergang durch skandinavische Klänge» werden. Es ist ein Konzert der etwas anderen Art an einem Ort der etwas anderen Art.

«Mal schauen, wo die Reise hinführt»

Sieben Jahre ist es her, dass die Berlinerin Brit Hartmann mit ihrem Schweizer Ehemann und den zwei Kindern nach 18 gemeinsamen Jahren in Berlin die Wohnung an der Hegistrasse bezogen hat. Bis 1965 war das Gebäude eine Feilenhauerei, nach Leerstand und Zwischenlösungen wurde die Fabrik zu Wohnungen und Ateliers umfunktioniert. Der Raum, der nun als Kulturlokal dient, grenzt an die Küche und ein weiteres Atelier der Familie, in dem sich sechs Kontrabässe aneinanderreihen. Im Herbst des letzten Jahres fand der Tag der offenen Tür statt. Kulturlokal, Erlebnisplatz, Überraschungsort – die 51-Jährige spricht mit vielen Namen vom Feilenhauer. Sie wolle flexibel bleiben, sich nicht festlegen.

Das Angebot teilt die Berlinerin in die Sparten Text, Galerie, Mahlzeit, Yoga und Bühne ein. Seit einem Jahr leitet sie in dem Raum Schreibwerkstätten, Kreativkurse mit Asylbewerbern, organisiert Konzerte, Theater, Lesungen. Damals in Berlin war Hartmann hauptsächlich als freie Journalistin tätig. «Mal schauen, wo die Reise hinführt. Ich finde gerade noch heraus, was läuft und was nicht.»

«Ich muss nur aufpassen, dass das Ganze nicht zu bunt wird»Brit Hartmann

Sie geniesse es, sich momentan für nichts entscheiden zu müssen. «Ich muss nur aufpassen, dass das Ganze nicht zu bunt wird», sagt sie und lacht. Hartmanns Mann arbeitet Vollzeit als Architekt und unterstützt sie in puncto Technik und Grafik. Die Arbeit im Einfrauunternehmen sei anstrengend. Subventioniert wird das Lokal nicht. Noch nicht, wenn es nach Hartmann geht. «Ich lege bald eine Sommerpause ein, in der ich mich auch um die Kulturgelder kümmern werde. Ich hoffe, das klappt.»

«Ich bin eine Kulturtante»

Die Tickets für die vier Konzerte von Vox Feminae am Freitagabend, Samstag und Sonntag sind schon beinahe ausverkauft. Der Konzertraum hat Platz für höchstens 50 Besucher. «Ich bin froh, dass keine 200 Leute reinpassen, das nimmt Druck raus», sagt Hartmann. Der Austausch zwischen den Besuchern sei ihr sehr wichtig. «Die Leute sollen miteinander ins Gespräch kommen.»

Als sie anfangs in die Schweiz kam, musste sie sich ihr Netzwerk erst aufbauen. «Im Gegensatz zu Berlin war das hier schneller möglich.» Dafür sei es in Winterthur schwierig, inmitten der vielen Kulturangebote noch aufzufallen. Dennoch, die Kontakte in der Stadt wachsen stetig, sodass ihre Angebote immer besser besucht werden. «Das Ziel wäre es, ein Stammpublikum zu schaffen, das die Qualität der Angebote zu schätzen weiss.»

Hartmann ist motiviert und will noch vieles ausprobieren. Politische Diskussionsrunden, Filmabende, und Ideen für Buchprojekte hat sie auch. «Ich bin eine Kulturtante.»

Erstellt: 28.06.2019, 10:28 Uhr

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