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War’s des? Ja, des war’s

Der Wiener Satiriker und Kabarettist Alfred Dorfer ist nach wie vor etwas vom Wortgewaltigsten und sprachlich Geschliffensten, was die österreichische Szene zu bieten hat. Am Donnerstag trat er im Casinotheater auf.

Zwei Bananenschachteln als Requisite. Überbewertet. Zumindest bei Alfred Dorfer. Der würde die Programmdauer auch ohne überstehen. Denn der Wiener Satiriker und Kabarettist ist nun mal eine richtige Naturgewalt, die mit atemberaubendem Tempo über sein Publikum hineinbricht und diesem zwischen Lachen und leicht leerem Schlucken kaum die nötige Zeit zum Atemholen lässt. In seinem neuesten Ein-Personen-Stück mit dem sinnigen Titel «und ...» («naa, na, na, na»: Das sind jeweils die Dorferschen Töne des leisen Protestes) geht es ums Aufbrechen und Ankommen, also simpel gesagt um einen Wohnungswechsel, also einen Umzug im ganz wörtlichen Sinne. Umziehen, aufbrechen, ankommen. Und weil ein Umzug ja bekanntlich immer mit Veränderungen, Begegnungen, Erlebnissen zu tun hat, nimmt Alfred Dorfer diesen zum Anlass, seinem Publikum die «grossen» Themen der Welt näher zu bringen. Beispielsweise Mobiltelefone, die unsere Gesellschaft je länger je mehr dazu bringen, dass jeder «Mobiltelefon-Junkie-Trottel» entweder seinen Privatscheiss in der Öffentlichkeit kommuniziert oder dass er zum Dadaisten wird, indem er ins Telefon schreit: «Wo bist du? Ich bin da!»

In diesem Mikrokosmos finden auch Themen Platz wie die zunehmende Entmündigung der Menschheit infolge europäischer Speisekarten, die heute dank Unverträglichkeitsregelungen wie ein Lexikon daherkommen. Dabei wäre es doch so einfach. Wenn man keine Nüsse verträgt, «dann frisst man halt keine Nüsse». Wenn der Dorfer dann so richtig loslegt, dann geht er in seinen Figuren auf.

Virtuos in erdachten Welten

Virtuos agiert er in seinen erdachten Welten und spielt Rollen, wie beispielsweise diejenige des leicht überforderten Papas, der von seinem Sohn auf den Spielplatz mitgenommen wird und nicht umgekehrt, und an dessen Kindergeburtstag er «vegane» Chips und Cola ausgibt. Naa, na, na, na, also Herr Dorfer, bitteschön, doch keine Witze über Veganer.

Ihr Fett weg bekommen in seinem Programm auch die lieben deutschen Nachbarn, die als Intelligenzflüchtlinge, die den Numerus clausus nicht geschafft haben, die österreichischen Universitäten gleichermassen bevölkern wie die in die Aura des verkannten Genies gehüllten deutschen Lehrkörper.

Nicht fehlen dürfen auch die Toleranten mit ihrem geheuchelten Humanismus, die, wenn jemand gestorben ist, neuerdings von einem «Existenz-Sabbatical» sprechen. Und genauso wenig die Journalisten, die mit ihren sub-guten (also scheisse) Fragen das Leben eines Kabarettisten und Satiriker noch schwerer machen, als es eh schon ist, weil sie der Meinung sind: dass das Programm zu wenig bissig, zu wenig zornig, zu wenig schiess-mich-tot, und ... ja, und ... naa, na, na, na ...

Tiefsinnig und charmant

Die Welt, in die Alfred Dorfer entführt, ist somit dem Publikum allzu bekannt. Gerade weil sie das ist, kann man trotz gelegentlichem Gruseln herzlich darüber lachen. Denn Satire ist ja bekanntlich gerade dann stark, wenn sie trifft.

Wobei Dorfer kein brachialer Satiriker ist, der mit dem Vorschlaghammer zuschlägt und bedrohlich seinen Finger hebt. Naa, na, na, na. Nein, er ist vielmehr einer, der mit sprachlicher Eloquenz die Nadelstichmethode anwendet. Sanft, aber herzlich eben.

Zusammengefasst bleibt zu sagen: Also der rote Faden Herr Dorfer, also ..., egal, wird schlicht überschätzt. Regie, nein, da wollen wir jetzt dem guten Erwin (Steinhauer) auch keinen Strick drehen, und Politik, ja, die kommt auch ganz gut ohne Herrn Trump und Frau Merkel aus. Insofern Herr Dorfer, naa, na, na, na, «ein wunderbarer Abend», würde Harald Serafin (österreichischer Sänger und ehemaliger Intendant) sagen. Wobei, der findet ja alles wunderbar. Alsdann versuchen wir es nochmals: Ein tiefsinniger, charmanter und wortgewaltiger Abend, der viel erfüllt hat und wenig unerfüllt lässt.

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