Winterthur

Weiterhin auf kleiner Flamme

Das Altstadtfestival Afro-Pfingsten kehrt zur afrikanischen Musik zurück. Grosskonzerte gibt es aber keine: Gespielt wird wie 2016 in der Alten Kaserne.

Zu entdecken: Die Band BKO Quintet aus Mali und Frankreich.

Zu entdecken: Die Band BKO Quintet aus Mali und Frankreich. Bild: zvg

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Die Bands, die den Winterthurer Traditionsanlass Afro-Pfingsten seit 1992 eigentlich erst zum Festival machen, spielen auch dieses Jahr wieder in der Alten Kaserne. Die Halle 53 sei zu teuer, und in der Reithalle dürfe nur bis 23 Uhr gespielt werden, sagte Festivalleiter Daniel Bühler gestern vor den Medien. Das Musikprogramm gibt sich nun, nach den Experimenten mit «artfremden» Musikstilen wie Balkan und Russenrock im letzten Jahr, wieder ganz «afrikanisch».Grosse Namen sind zwar nicht darunter, und einige Bands zählen schon deutlich zum alten Eisen. Der letzte von vier Abenden bringt jedoch zwei viel versprechende Formationen, die in ihrer Heimat und in Frankreich einen Namen haben, hierzulande aber noch kaum bekannt sind.

Damit kehrt das Kultur-Festival musikalisch zu seinen Wurzeln zurück und institutionell zu den Jahren vor 2012; musikalisch wird jedoch weiterhin auf kleiner Flamme gekocht. Gestartet wird mit der südafrikanischen Sängerin Nomfusi und der Afro-Fusion-Rockband Mokoomba aus Simbabwe; Mokoomba spielten Mitte Februar bereits im Zürcher Moods. Nach je einer Reggae- und einer Latin-Night mit Formationen aus Jamaika, Grossbritannien, Brasilien, Benin und Kuba gibt es dann am letzten Tag traditionelle und Weltmusik aus Mali, Benin und Senegal. Mit dem 1949 geborenen Reggae-Musiker Big Youth kommt ein bekannter Vertreter des Toasting, wie der mit einer Botschaft versehene Sprechgesang aus Jamaika genannt wird.

Öffentliche Mittel

Die öffentliche Hand unterstützt das Festival mit insgesamt 80 000 Franken. Je 30 000 kommen von Bund und Kanton; die Stadt Winterthur steuert 20 000 Franken bei, wie sie im Januar bekannt gab. Die Bundesgelder stammen aus dem Südkultur-Fonds der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza); sie seien an die Auflage geknüpft, dass die Bands aus Entwicklungsländern stammten, sagte Bühler. Das Gesamtbudget der Afro-Pfingsten beträgt 600 000 Franken. Live-Musik gibt es auch wieder am Fischmarkt und durch Strassenmusiker auf dem Marktgelände.

Eigentlich hatte sich Daniel Bühler von «seinem» Festival schon verabschiedet, den Markennamen hatte er verkauft. Doch 2015 übernahm sich die Marketing-Manufaktur, die seit 2013 die Afro-Pfingsten organisiert hatte, und ging Konkurs. Das Umfeld für Konzerte mit afrikanischer Musik war schwieriger geworden, die Halle 53 auf dem Sulzerareal, wo die Konzerte seit Jahren stattfanden, hatte sich als zu gross erwiesen. Damit stand die Zukunft des Festivals in den Sternen. Von einem Jahr Pause war die Rede, gar von einem Wegzug in eine andere Stadt.

Bühlers Comeback

Bühler sprang in die Bresche. Mit seinem neu gegründeten Verein «Eine Welt» übernahm er den Markt in der Altstadt – das Herz des Festivals –, organisierte vier Konzertabende in der Alten Kaserne und holte die Musikclubs Salzhaus, Gaswerk und Esse ins Boot. Im Dezember 2016 holte er sich schliesslich auch die Rechte am Label «Afro-Pfingsten» wieder und stellte die Rückkehr zur Grosskonzerten in Aussicht. Als Veranstalter der Afro-Pfingsten tritt weiterhin der Verein «Eine Welt» auf, dessen Präsident und Geschäftsleiter Bühler ist.

Der Stadtrat, der zunächst keine Freude hatte an Bühlers Comeback und eine Pause vorgezogen hätte, gab im Januar bekannt, dass er den Konzertbetrieb unter Vorbehalt mit 20 000 Franken unterstützt: Ein langfristiges Engagement machte die Stadt vom finanziellen Ergebnis der diesjährigen Auflage ab. Der Wink mit dem Zaunpfahl hat offenbar gewirkt.

Die Konzerte im Saal der Alten Kaserne, der, verglichen mit der stimmungsvollen Atmosphäre einst in der Halle 53, an einen grossen Seminarraum erinnert, finden von Donnerstag bis Sonntag statt (1. bis 4. Juni). Eröffnet wird das Festival am Montag, 29. Mai, mit einer zweisprachigen Lesung von Sylvain Prudhomme aus seinem Roman «Ein Lied für Dulce». Das übrige Rahmenprogramm soll im April bekanntgegeben werden. Bereits wieder dabei ist die Esse-Musicbar hinter dem Bahnhof. Der grosse Markt in der Altstadt dauert von Donnerstag bis Samstag.

(Der Landbote)

Erstellt: 07.03.2017, 19:00 Uhr

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