Winterthur

Wenn der Brautvater plötzlich Sterne sieht

Im Komödienklassiker «Und das am Hochzeitsmorgen» spielen auch Tanzeinlagen eine Rolle.

Komödien mögen leicht daherkommen. Sie fordern dennoch höchstes Können.

Komödien mögen leicht daherkommen. Sie fordern dennoch höchstes Können. Bild: Beat Märki

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Die Familie Westerby steckt in den letzten Vorbereitungen zum Hochzeitsfest ihrer Tochter Jane: Es herrscht Aufregung über geplatzte Nähte, widerspenstige Kragenknöpfe und Brautvater Timothy, der auf sich warten lässt. Als der gestresste Werber endlich auftaucht, ist sein Kopf noch bei einer dringenden Werbekampagne für Büstenhalter.

Er hat auch schon eine geniale Idee mit einem Charleston-Mädchen, die er seinem Compagnon Bill sogleich wort- und gestenreich mitteilt. Doch just in dem Moment knallt die Tür, hinter der er gestanden ist, gegen seinen Kopf. Er geht zu Boden, sieht Sterne, und sein imaginäres Charleston-Mädchen Polly steht plötzlich leibhaftig vor ihm.

Das Dumme daran ist bloss, dass nur er sie sieht. Während alle nervös zum Aufbruch drängen, ist er nur mit seiner Polly beschäftigt, was den andern natürlich reichlich durchgeknallt vorkommt. Es braucht einige Zeit, bis ihnen klar wird, dass etwas mit Timothys Kopf nicht stimmt. Und natürlich ergeben sich daraus all die Komplikationen, die zum grossen Vergnügen des Publikums beitragen.

Darauf genauer einzugehen, wäre ein hoffnungsloses Unterfangen. Lieber würdigen wir die Leistungen des Ensembles unter der Regie von Nadine Schori. Denn Komödien – so leicht und luftig sie auch daherkommen mögen – erfordern allerhöchstes schauspielerisches Können.

Hervorragende Darsteller

Zunächst ist da Winfried Goos zu nennen, der den Brautvater zunächst nur als «normal durchgeknallten» Werber gibt – um danach mit seiner Verwirrtheit (und sportlichen Charleston-Einlagen) noch einiges draufzusetzen.

Sozusagen mit dem Gegenteil brilliert Marie Philipp als Polly Perkins: Mit eingefrorenem, aber trotzdem charmanten Dauerlächeln sitzt sie oft puppenhaft in der Szenerie – um gleich im nächsten Augenblick als quicklebendige Charleston-Tänzerin loszulegen. Colette Nussbaum kommt als Jane Westerby aus dem Staunen über ihren Gatten nicht hinaus, erträgt den Durchgenknallten (und seine «Geliebte») aber mit erstaunlicher Fassung. Während Klara Rensing als Braut Judy indessen die (etwa undankbare) Rolle zufällt, zumeist in Tränen aufgelöst aus dem Zimmer zu verschwinden.

Dafür sind ihre Grosseltern umso präsenter: Susanne Huber geizt als Daphne Drimmond nicht mit ätzenden Kommentaren (und schrillen Kostümen), während Wolff von Lindenau als etwas trotteliger Opa Gerald zwar mit dem Kragenknopf ungeschickt ist, nicht aber mit den Drinks, denen er kräftig zuspricht. Christof Oswald als Bill Shorter bleibt im ganzen Chaos erstaunlich souverän. Ganz im Gegensatz zu Thomas Meienberg, der als künftiger Schwiegervater seinem Ärger über das Chaos herzhaft polternd (sozusagen mit australischer Rauhheit) Ausdruck gibt.

Eine wichtige Rolle spielen in diesem Stück auch der Charleston und die Tanzeinlagen (was man mögen kann oder auch nicht). Etwas schade ist allerdings, dass das turbulente Finale ebenfalls musikalisch unterlegt ist. Das animiert das Publikum zum Mitklatschen – wodurch die einzelnen Darstellerinnen und Darsteller um den «persönlichen» Applaus kommen. Den hätten sie für ihre bravouröse Einzelleistungen mehr als verdient.

Bis 24. Juli

Erstellt: 08.07.2019, 01:42 Uhr

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