Theater am Gleis

Wenn Väter ihre Familie auslöschen

Das Stück «Nach der Arbeit» von Dominik Busch beleuchtet ein gesellschaftliches Phänomen.

Mehrere Rollen: Jürg Plüss, Patric Gehrig und Julia Schmidt.

Mehrere Rollen: Jürg Plüss, Patric Gehrig und Julia Schmidt. Bild: PD

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Beim Beginn des Stücks ist das Schreckliche bereits passiert. Wieder hat ein Vater, der nicht mehr weiterleben wollte, seine komplette Familie mit in den Tod gerissen. Die Theaterbesucher erfahren davon aus den «News», wie im realen Leben. Erst nach und nach wird über Rückblenden in die Vergangenheit dann das Täterprofil ausgerollt: Reto, leitender Angestellter, verheiratet, zwei Kinder, Reiheneinfamilienhaus, wird entlassen. Statt sich seiner Frau Sandra anzuvertrauen, fährt er jeden Morgen vermeintlich zur Arbeit. Bis er allem ein Ende bereitet.

Dem Innerschweizer Autor Dominik Busch, Jahrgang 1979, geht es nicht nur darum, Betroffenheit zu erzeugen. Das schafft er auch, wie Berichten über die Premiere im Mai 2018 im Kleintheater Luzern zu entnehmen ist. Daran hat die Inszenierung von Sophie Stierle ihren Anteil, die das Publikum aus dem Theatersaal holt und es der urbanen Nacht mit ihrer realen Geräuschkulisse aussetzt.

Busch setzt auf Dialoge, es ist eine Art dokumentarisches Theater, das einem die beteiligten Figuren nahebringt und sie zugleich in eine Distanz rückt – die beiden Schauspieler und die Schauspielerin verkörpern mehrere Rollen. Dieses Setting setzt die Reflexion in Gang und weitet den Horizont, die unfassbare Tragödie wird darin zum Teil eines komplexen Ganzen. Wer Buschs Stücke kennt, der weiss, dass es die Frage der Verantwortung ist, die ihn umtreibt: im Stück «Nach der Arbeit» nun anhand der Arbeitswelt, in der die Sicherheiten zunehmend schwinden. Erfolge fühlen sich gut an, aber das Hamsterrad dreht sich weiter. Und wer rausfliegt, verliert schnell den Boden unter den Füssen. Busch liefert keine Antworten. Er öffnet den Raum für die Möglichkeiten des Denkbaren. Genau darin liegt heute das Potenzial des Theaters.

Fr/Sa, 15./16.2., 20.15 Uhr und So, 17.2., 19 Uhr, Theater am Gleis, Untere Vogelsangstrasse 3.

Erstellt: 10.02.2019, 16:11 Uhr

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