Winterthur

Wie Vögel der Habgier den Garaus machen

Seit einigen Tagen stehen im Eulachpark Zirkuswagen: Die fahrende Jugendtheaterwerkstatt Fahr.Werk.ö! entwickelt und probt dort ihr neues Stück «Brachland». Morgen Donnerstag ist Premiere.

Jugendtheater mit Tiefgang oder: Wie die Vögel der Habgier einen Strich durch die Rechnung machen.

Jugendtheater mit Tiefgang oder: Wie die Vögel der Habgier einen Strich durch die Rechnung machen. Bild: Nathalie Guinand

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Im Schatten eines Grüppchens junger Bäumchen hopsen fünf junge Menschen im Kreis: Sie werden im Stück «Brachland» die Vögel darstellen und studieren gerade ihre Choreografie ein. «Wir beginnen mit einem Ausfallschritt links», rekapituliert Sandi Meier, eine der Leiterinnen, «dann: dräie, näsele, schülterle . . .»

Auch wenn das alles recht lustig klingt und aussieht, ist es doch harte Arbeit, denn bei Fahr.Werk.ö! spielen keine Profis: Bei den Ferienprojekten dieser fahrenden Theaterwerkstatt können jeweils etwa zehn theaterbegeisterte Kinder und Jugendliche mitmachen, angeleitet werden sie von «richtigen» Theatermenschen.

Während zehn Tagen wird dann gemeinsam ein Stück entwickelt, einstudiert und zur Aufführung gebracht. Und in dieser Zeit lebt und wohnt die Truppe auch in Zirkuswagen zusammen.

Unabgelenktes Hier-Sein

Das klingt nach Abenteuer und Lagerromantik, hat aber einen tieferen Sinn: «Das Zusammen- und vor allem das unabgelenkte Hier-Sein in einer Lebensgemeinschaft auf Zeit, das sind wichtige Aspekte des Projekts», sagt Co-Leiterin Conni Stüssi.

«Das Zusammen- und vor allem das unabgelenkte Hier-Sein in einer Lebensgemeinschaft auf Zeit, das sind wichtige Aspekte des Projekts.»Conni Stüssi, 
Co-Leiterin Fahr.Werk.ö!

Damit das klappt, gibt es einenfixen Tagesablauf (mit eingeschränkter Handynutzung!) sowie neben der intensiven Theaterarbeit auch Platz für andere, gemeinsame Aktivitäten.

Und natürlich darf bei den Proben auch mal gelacht werden: «Nochmals von vorn: Geniessen wir alle unseren herrlichen Muskelkater von gestern!», ruft Sandi Meier ihrer Gruppe aufmunternd zu – dieweil die nebenan probenden Archäologen mit immer neuen «Funden» ihren «Höhlen» entsteigen: Beides ist derart fantasievoll improvisiert und skurril, dass man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann.

Zeitgleich tagt, will heissen übt, in der Halle 710 die Stadtverwaltung; im Moment bespricht und repetiert die Gruppe allerdings gerade den Ablauf ihrer Szene. Dazwischen fragt Conni Stüssi: «Möged er no?» – denn als erfahrene Theaterfrau, die das Fahr.Werk.ö! seit Jahren begleitet, kennt sie ihre Schützlinge bestens und nimmt Rücksicht auf deren Ressourcen.

Aber von Erschöpfung ist bei den hoch motivierten Kids keine Spur zu sehen: Erneut nehmen sie die Szene in Angriff, schreiten in tänzerischen Schritten mit ihren Aktenkoffern im Kreis – um ein Glücksrad, als wäre es das Goldene Kalb.

Haben oder Sein?

Das ist kein Zufall, denn um das grosse Geld dreht sich das ganze Stück: Das letzte Stück Brachland der Stadt soll zwecks Sanierung der städtischen Finanzen mit einem Spielcasino überbaut werden (das Stück ist – wie gesagt – frei erfunden und wird auch noch in Olten und Basel gezeigt!).

Als Investorin tritt die profitgierige (und teuflische) Madame Di Avola auf, die ihre Ziele mit allen Mitteln verfolgt: So wurde eine Rettungsgrabung der Archäologen, die den Bau verzögert hätte, von ihr mittels viel Geld «abgekürzt».

Nun ist also alles für den feier­lichen Spatenstich vorbereitet, doch geht dieser gründlich in die Hosen: Die Vögel, die hier für das unbeschwerte, freie, glückliche Leben stehen, machen den Stadtoberen und der Investorin einen dicken Strich durch die Rechnung – nicht zum ersten Mal, wie wir erfahren.

Und einmal mehr sollen sie zur Strafe verfolgt bzw. ausgerottet werden, was natürlich zu turbulenten Szenen führt. Für Tempo und beste Unterhaltung ist also gesorgt. Aber auch für grosse Fragen wie: Haben oder Sein? Ob das Unterfangen gelingt, das Glück auszurotten, oder ob die Lebenslust über die Geldgier siegt, wird sich bei der Premiere am Donnerstagabend weisen.

Freiluftaufführung «Brachland»: Morgen Do, 26. Juli (Premiere), und Fr, 27. Juli, jeweils 19.30 Uhr, Eulachpark Winterthur (bei Halle 710). Ab 18 Uhr Speis und Trank. Kein Vorverkauf. Info079 444 02 83 – bei Starkregen gibts eine trockene Variante.

(Der Landbote)

Erstellt: 25.07.2018, 09:30 Uhr

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