Winterthur

Stadtrat verwehrt dem Eckhaus den Schutz

Das Haus an der Ecke Neuwiesen- und Sal­strasse aus der Jahrhundertwende soll durch einen Neubau ersetzt werden. Der Stadtrat hat keine Einwände, der Heimatschutz will rekurrieren.

Der Stadtrat hat das Eckhaus an der Neuwiesen- und Salstrasse zum Abriss freigegeben. Doch dagegen wehrt sich jetzt der Heimatschutz.

Der Stadtrat hat das Eckhaus an der Neuwiesen- und Salstrasse zum Abriss freigegeben. Doch dagegen wehrt sich jetzt der Heimatschutz. Bild: Marc Dahinden

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Es gehört zu den schönsten und prominentesten Gebäuden im Neuwiesenquartier: das Backsteinhaus an der Ecke Salstrasse und Neuwiesenstrasse aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende. Doch jetzt soll es verschwinden, um einem modernen Neubau mit 17 Wohnungen für Singles und Pensionäre Platz zu machen.

Die Grundlage dafür hat der Stadtrat gelegt. Er hat die Liegenschaft nicht unter Denkmalschutz gestellt, wie er gestern mitteilte, und sie damit zum Abriss freigegeben. Doch dagegen regt sich heftiger Widerstand.

«Kein wichtiger Zeuge»

Der Stadtratsentscheid wurde nötig, nachdem die Eigentümerin, die Corti Immobilien AG, ein Baugesuch eingereicht hatte. Zwar befand sich das Haus an der Adresse Salstrasse 20 nicht im kommunalen Inventar schutzwürdiger Bauten, was automatisch eine Prüfung der Schutzwürdigkeit erfordert hätte. Das kantonale Planungs- und Baugesetz sieht aber auch dann Abklärungen vor, wenn eine Schutzwürdigkeit nicht ausgeschlossen werden kann. Dar­um habe der Stadtrat das Haus beurteilt, erklärt der zuständige Bauvorsteher Josef Lisibach (SVP).

Den Verzicht auf den Schutz begründet der Stadtrat wie folgt: Es gebe in Winterthur bezüglich des Erscheinungsbildes vergleichbare Objekte, die aus denkmalpflegerischer und ortsbaulicher Sicht höher gewichtet werden könnten. Siedlungsgeschichtlich komme dem Haus zudem keine wichtige Zeugenschaft zu. Aber auch städtebauliche Überlegungen sind in den Entscheid eingeflossen: So wiege das öffentliche Interesse an einer zeitgemässen Weiterentwicklung des Quartiers schwer.

Viele «Sündenfälle»

Ganz anders sieht das der Heimatschutz. «Für uns ist der Fall klar: Wir werden gegen den Entscheid rekurrieren», sagt Peter Niederhäuser, der Präsident der Winterthurer Sektion. Das Haus sei nicht nur äusserlich schöner als andere, auch das reiche Interieur sei noch gut erhalten. Niederhäuser zweifelt am Konzept der Denkmalpflege. «Es ist doch eigenartig, wenn man entlang der Neuwiesenstrasse diverse Häuser schützt, aber dann sogar direkt daran angebaut einen Neubau zulässt.» Überhaupt gebe es im Neuwiesenquartier schon heute viele «Sündenfälle».

Am meisten stört den Heimatschutz, dass der Stadtrat nicht auf der Prüfung einer Alternative bestand. «Das Grundstück ist gross, es wäre genug Platz da, um das Haus zu erhalten und um einen modernen Anbau zu erweitern.» Das Eckhaus habe auch einen geschichtlichen Wert, gibt Niederhäuser zu bedenken. Denn an der Salstrasse 20 wuchs der Sulzer-Ingenieur Alfred Büchi auf, der als Erfinder des Turbomotors gilt. «Nach ihm hat die Stadt ein Strässchen benannt», sagt Niederhäuser. «Aber sein Wohnhaus erhalten will man nicht.»

Erstellt: 19.02.2016, 17:06 Uhr

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