Winterthur

102 Ideen gegen die Vereinsamung

Die Winterthurer Website «Gemeinsam» versammelt Orte und Aktivitäten, wo die Begegnung im Vordergrund steht. Die Fachstelle Subita hat sie initiiert um ein gesellschaftliches Problem anzupacken.

Die neue Webseite gemeinsam-wo.ch soll Einsame zusammenbringen.

Die neue Webseite gemeinsam-wo.ch soll Einsame zusammenbringen. Bild: Screenshot

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19'249 Einpersonenhaushalte gibt es in Winterthur. Mit dieser verblüffenden Zahl hat Barbara Heusser die rund 70 geladenen Gäste im «Albani» schon in der Hand. Die Fachstelle Subita hatte am Dienstagabend eingeladen. Sie hat ihre Räume gleich nebenan im Nord-Süd-Haus hat und macht auf Winterthurs Gassen und Parks Sozialarbeit. Dabei fiel Barbara Heusser und ihrem Stellenpartner Martin Hartmann auf, dass sie immer mehr Menschen antreffen, die alleine unterwegs sind.

«Wer Leute um sich hat, hat's gut, auch in schwierigen Zeiten. Aber viele haben das nicht mehr.»Barbara Heusser

«Die herkömmlichen sozialen Netze zerfallen», sagt Heusser. «Schon lange wohnen Menschen nicht mehr ihr Leben lang am gleichen Ort, sie wechseln häufiger den Job und die Familienbanden sind weniger eng als früher.» Was an vielen Stellen neue Freiheiten bringe, könne in schwierigen Lebenssituationen umso belastender sein. «Wer Leute um sich hat, hat's gut, auch in schwierigen Zeiten. Aber viele haben das nicht mehr.» Einsamkeit sei eines der grössten Probleme, mit denen sie in ihrer Arbeit konfrontiert sei.

Heusser ist überzeugt: «Es braucht neue Formen des Zusammenlebens und des Miteinanders.» Doch wie kann eine kleine Anlaufstelle mit nur zwei Personen einen Beitrag leisten? Schon seit längerem ist Heusser überzeugt: Indem sie die verschiedenen Angebote sichtbarer macht, die es in Winterthur bereits gibt. Seit über zwei Jahren arbeitete das Subita-Duo daher nebenbei an einer Internet-Plattform, auf der Anbieter aus Winterthur und der Region ihre Treffpunkte, Aktivitäten oder Hilfsangebote versammeln können. Weil kaum Budget zur Verfügung stand, verzögerten sich die Pläne mehrfach.

Am Dienstagabend wurde die fertige Website nun der Öffentlichkeit vorgestellt. Wobei «fertig» nicht komplett heisst. Die derzeit 102 Angebote sollen erst der Anfang sein, sagt Heusser. Von einem Veranstaltungskalender unterscheidet sich «Gemeinsam», weil die Begegnung im Zentrum steht. «Nicht wie bei einem Konzert, wo man hingeht, der Musik lauscht und wieder geht.» Für die Inhalte sind die Anbieter selbst verantwortlich, rein kommerzielle Angebote werden nicht berücksichtigt.

Essen, Treffen, Freizeit

An der Projektvorstellung war aus dem Themenkreis Essen (12 Angebote) der Mittagstisch Shalom als Vertreter dabei, wo Freiwillige für Personen mit kleinem Budget täglich frische Mittagessen kochen. Die Kategorie Treffpunkte (17 Angebote) wurde vom «Hinteren Hecht» in der Inneren Tösstalstrasse vertreten. Geführt von einem Verein und mit Unterstützung der reformierten Kirche ist hier ein täglich geöffneter Treffpunkt ohne Konsumationszwang entstanden. Als Beispiel der Kategorie Freizeit (41 Angebote) stellte das Machwerk am Lagerplatz seine Werkstätten vor. «Ich lerne Menschen am liebsten über das kennen, was sie mit ihren Händen machen», sagte Sabine Schneider. Auch spirituelle Angebote oder niederschwellige Hilfsangebote sind vertreten. «Solche, wo man Menschen auf Augenhöhe begegnet», wie Heusser sagt. Das Angebot Care@Home zum Beispiel, oder der Verein Begleitung Kranker (VBK).

Die Website ist bewusst einfach gehalten. Um Menschen, die im Umgang mit Computern ungeübt sind, nicht auszuschliessen, arbeitet Subita mit dem Treffpunkt Vogelsang beim Hauptbahnhof zusammen. Oder Interessierte kommen direkt zu Subita an die Steinberggasse. Auch dort gibt es Neuigkeiten: Barbara Heusser geht nach 13 Jahren bei Subita in Pension, ihre Nachfolgerin heisst Patricia Fontana.

Erstellt: 13.09.2019, 11:36 Uhr

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