Abstimmung

12 Fragen und Antworten zum Hallenbad und zur Traglufthalle

Die Befürworter einer Traglufthalle im Geiselweid wollen mehr Platz zum Schwimmen. Die Gegner finden die Ökobilanz der Halle miserabel. «Der Landbote» beantwortet zwölf Fragen zu Kosten, Unterhalt und Energieverbrauch.

Das Hallen- und Freibad Geiselweid verbraucht jährlich 3500 Megwattstunden Energie. Für ein mittelgrosses modernes Hallenbad ohne Attraktionen wären laut Bund rund 2600 Megawattstunden Energie nötig.

Das Hallen- und Freibad Geiselweid verbraucht jährlich 3500 Megwattstunden Energie. Für ein mittelgrosses modernes Hallenbad ohne Attraktionen wären laut Bund rund 2600 Megawattstunden Energie nötig. Bild: Marc Dahinden

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Sie haben noch keine Meinung zur Traglufthalle? Macht nichts, noch bleiben Ihnen einige Tage, sich mit dem Thema zu beschäftigen und ein Ja oder ein Nein in die Urne zu legen. Die Abstimmungsunterlagen sollten Sie erhalten haben. Als Entscheidungshilfe für oder gegen die Traglufthalle stellen wir zwölf Fragen und geben zwölf Antworten:

1Fehlt in der Stadt Winterthur ein Hallenbad?
Ja. Jedenfalls für Einwohnerinnen und Einwohner, die im Winter gerne baden. Und für den Schwimmunterricht, wie ihn der Lehrplan vorsieht. Das Sportanlagenkonzept des Kantons Zürich aus dem Jahr 2006 hält fest, die Region Winterthur sei mit Hallenbädern unterversorgt. Damals kam im Kanton auf durchschnittlich 32000 Einwohner ein Hallenbad mit mindestens 25 Meter Länge. In der Region Winterthur mussten sich 160000 Einwohner ein 50-Meter-Bad teilen. Seither sind die Bevölkerung und die Zahl der Schülerinnen und Schüler gewachsen.

2Warum wurde noch kein zweites Hallenbad gebaut?
Es fehlten der politische Wille und das Geld. Im Jahr 2012 lehnten 52,6 Prozent der Winterthurerinnen und Winterthur einen Kredit von 7 Millionen Franken für den Bau des sogenannten Cabriodachs im Freibad Geiselweid ab. Umstritten war, ob das Dach die Energievorschriften des Kantons erfüllt hätte. Die Anwohnerinnen und Anwohner wehrten sich gegen das 14 Meter hohe Dach, weil es im Sommer zwar zusammengeschoben, aber nicht ganz abgebaut worden wäre.

So war die Überdachung «Cabrio» angedacht. Das Projekt wurde aber vom Simmvolk abgelehnt. Archiv: Vidualisierung, PD

3Wann erhält die Stadt ein zweites Hallenbad?
Wäre das Cabriodach gebaut worden, hätte Winterthur heute doppelt so viel Platz im Hallenbad Geiselweid. Nachdem das Projekt 2012 an der Urne gescheitert war, wurde der Stadtrat von sich aus nicht mehr aktiv. Mittels einer Initiative lancierte 2016 ein privater Verein die Traglufthalle. In diesem Sommer unterzeichneten alle Fraktionen im Gemeinderat eine Motion, die innert zehn Jahren einen Plan für ein zweites Hallenbad verlangt. Vergangene Woche teilte der Stadtrat mit, dass er die Motion nicht weiterverfolgen will. Winterthur fehle dafür das Geld. In Sachen Hallenbad liegt der Ball nun wieder beim Gemeinderat, in Sachen Traglufthalle entscheidet am 20. Oktober das Volk.

Innenansicht der geplanten Traglufthalle. Visualisierung: PD

4Wie teuer wäre ein zweites Hallenbad? Die Kosten sind abhängig davon, ob ein Hallenbad mit einem 25-Meter- oder einem 50-Meter-Becken gebaut wird. In den vergangenen zwölf Monaten wurden in der Schweiz mehrere Hallenbäder mit einem 25-Meter-Becken eröffnet oder geplant: in Gelterkinden BL für 18,3 Millionen Franken – inklusive Freibad –, in Appenzell AI und Rothrist AG (für je 20 Millionen), in Altstätten SG (23 Millionen) und in Gossau SG (27 Millionen). In Oberkirch bei Sursee LU wurde ein Hallenbad mit 50-Meter-Olympiabecken und Spa eröffnet. Kostenpunkt: 58 Millionen Franken.

Abstimmung am 20. Oktober
Am Sonntag, 20. Oktober, stimmt Winterthur über den Bau einer Traglufthalle im Hallen- und Freibad Geiselweid ab. Über dem 50 Meter langen Aussenbecken soll jeweils im Herbst ein Ballondach aufgespannt und im Frühling wieder abgebaut werden. Entschieden wird über einen Kredit von 2,3 Millionen Franken.(dh)

5Wie teuer ist die Traglufthalle im Unterhalt, wie teuer ein Hallenbad?
Der Betrieb des Hallen- und Freibades Geiselweid kostet jährlich 5,8 Millionen Franken. Der Erlös aus den verkauften Eintritten und Abos beträgt 2,2 Millionen Franken. Für die Stadt fallen damit Kosten von 3,6 Millionen Franken an. Die Traglufthalle soll jährlich 420000 bis 460000 Franken kosten, bei erwarteten zusätzlichen Einnahmen von 80000 Franken. Die Lebensdauer der Traglufthallen-Hülle wird auf 12 bis 15 Jahre geschätzt.

Die Meinungen über die Ästhetik der Traglufthalle gehen weit auseinander. Visualisierung: PD

6Wie viel Energie verbraucht die Traglufthalle, wie viel Energie ein zweites Hallenbad?
Für die Traglufthalle hat die Stadt einen Verbrauch von 1900 Megawattstunden Energie pro Saison berechnet. Damit liessen sich 125 energetisch sanierte Einfamilienhäuser heizen. Das Hallen- und Freibad Geiselweid verbraucht seit der Sanierung jährlich 3500 Megawattstunden Energie. Ein neues Hallenbad mit 25-Meter-Becken kommt laut dem Bundesamt für Energie mit jährlich ungefähr 2600 Megawattstunden Energie aus.

7Wie gross ist der Anteil fossiler Energie an der Heizenergie der Traglufthalle?
Die Traglufthalle soll mit Fernwärme aus der Kehrichtverwertungsanlage beheizt werden. Um stets genügend Fernwärme bereitstellen zu können, wurde in den letzten sechs Jahren an durchschnittlich 35 Tagen nicht nur Abfall verbrannt, sondern auch Gas. Für die kommenden Jahre rechnet die Stadt mit einem Anteil von 3 bis 5 Prozent fossiler Energie in der Fernwärme.

8Erfüllt die Traglufthalle die energetischen Vorschriften?
Die Traglufthalle erfüllt die energetischen Vorschriften des Kantons nicht, sie kann jedoch ausnahmsweise bewilligt werden. Die aus neusten Materialien gefertigte Hülle wird laut Stadt einen Isolationswert von 0,5 aufweisen. Je höher dieser Wert ist, desto mehr Energie geht durch die Gebäudehülle verloren. Für das abgelehnte Cabriodach war ein Wert von 0,96 berechnet worden. Bei einer temporären Traglufthalle darf der Wert maximal 1,1 betragen. Die Traglufthalle in Winterthur wird wie ein fester Bau bewertet, weil sie länger als drei Jahre stehen bleibt. Für eine reguläre Bewilligung müsste sie viel besser isoliert sein.

9Warum könnte die Traglufthalle trotzdem bewilligt werden?
Knackpunkt ist die Beheizung. Vorgeschrieben ist, dafür Wärme aus erneuerbaren Quellen einzusetzen oder aus nicht anders nutzbarer Abwärme. Die Fernwärme aus der Kehrichtverwertungsanlage erfüllt diese Kriterien nicht. Seit 2016 gilt sie zwar als CO2-neutral, aber wegen dem Plastik im Abfall nicht als erneuerbar. Ausserdem könnte sie für das Heizen von weiteren Häusern genutzt werden. Um die Vorschriften dennoch zu erfüllen, soll die Heizenergie mit Biogas-Zertifikaten kompensiert werden. Das CO2, das wegen der Traglufthalle nicht in Winterthur eingespart werden kann, würde anderswo auf der Welt eingespart. Mit dem Geld, dass die Stadt für Zertifikate bezahlt, werden Energiesparprojekte finanziert.

10Wer würde eine Traglufthalle benutzen?
Von Oktober bis April sind 90 Betriebsstunden pro Woche geplant. Während 50 Stunden wird Aufsichtspersonal der Stadt anwesend sein, während 40 Stunden Personal von Vereinen und Schulen. Die Halle wird für das Streckenschwimmen benützt, für Trainings verschiedener Vereine und für den Schwimmunterricht.

11Verschandelt die Traglufthalle das Geiselweidquartier?
Anwohnerinnen und Anwohner finden Ja, die Stadt sagt Nein. Geplant ist, über dem Aussenbecken eine 10 Meter hohe Ballonhülle aufzuspannen. Das ist laut Stadt möglich, weil das Geiselweid in einer Zone für öffentliche Bauten liegt. In dieser Zone sind grössere Gebäudevolumen zulässig. Zudem steht die Traglufthalle lediglich von Oktober bis April. Der Lärm, der werktags bis 22 Uhr durch die Nutzung der Halle entsteht, soll laut einem Gutachten geringfügig sein. Dasselbe gilt für die Emissionen des Druck- und Warmluftgebläses.

Mit diesem Slider wollen die Gegner den Unterschied zeigen: Das Geisi mit oder ohne Traglufthalle. Visualisierungen: PD

12Wer ist für und wer ist gegen eine Traglufthalle?
Ja zur Halle sagen FDP, GLP, CVP, EVP, EDU und die Piratenpartei. Ja sagen auch der Dachverband Winterthurer Sport sowie Sportvereine und Schwimmschulen. Die Befürworter finden, die Traglufthalle sei die ideale Lösung, um die Zeit bis zum Bau eines zweiten Hallenbades zu überbrücken. Der Stadtrat lehnt die Traglufthalle wegen der Kosten und aus ökologischen Gründen ab. Wegen der mangelhaften Isolation sagen auch SVP, SP, Grüne und AL Nein. Einige Gegner sind der Meinung, der Bau der Traglufthalle werde den Bau eines zweiten Hallenbades verzögern.

Erstellt: 08.10.2019, 06:06 Uhr

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