Winterthur

1.30 Franken: Konzertbesucher knausern bei der Kollekte

Das eigene Portemonnaie ist den Besuchern der Musikfestwochen offenbar besonders lieb. Nur 1.30 Franken pro Person landet bei den Gratiskonzerten in der Kollekte. Der Versuch, die Spenden digital zu steigern, hat nicht gefruchtet.

Praktisch, aber noch wenig einträglich: Die neue SMS-Kollekte der Musikfestwochen Winterthur.

Praktisch, aber noch wenig einträglich: Die neue SMS-Kollekte der Musikfestwochen Winterthur. Bild: Bernd Kruhl

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«Ich hab’ fast kein Bargeld mehr und will mir noch ein Bier holen», «Sorry, aber ich muss erst meinen Hunderter wechseln» – diese Ausreden, um sich an den Musikfestwochen vor einer Spende für das Gratisprogramm zu drücken, sind passé. Zum ersten Mal ist 2017 das Spenden nämlich auch per SMS möglich. Man braucht bloss «mfw» und einen Betrag ins Handy zu tippen und an die Nummer 488 zu schicken, schon ist die Sache erledigt. Die Spende erscheint später auf der Handy-Rechnung.

Wie das geht, erklären Infotafeln gut sichtbar auf dem Festivalgelände. Die SMS-Kollekte ist unkompliziert und richtet sich direkt an die digitale Generation. Aber bringt sie auch den gewünschten Erfolg. «Leider nein», sagt Christian Rüegg, Vorstandsmitglied und Kassier des Vereins Winterthurer Musikfestwochen. Zwar habe die SMS-Spende zu Beginn die Neugier vieler Besucher geweckt. «Sie war eine Art Gag. Bis Ende des ersten Abends haben wir rund 500 Franken eingenommen, dann sind die Zahlen aber eingebrochen und unterdessen sind sie vernachlässigbar.»

Die Musikfestwochen wollen die SMS-Kollekte trotzdem noch besser bekannt machen, etwa über die Moderatoren auf der Bühne. Rüegg räumt aber ein, dass er sich davon nicht zu viel verspricht. Die Freiwilligen, die mit den Sammeltöpfen auf dem Gelände kursierten, würden heute schon oft mit dem Satz abgewimmelt «Ich habe schon per SMS gespendet». Das neue Angebot habe sich also herumgesprochen, werde aber auch als Ausrede benutzt, sagt Rüegg.

Auf tiefem Niveau stabil

Der grösste Teil der Spenden landet nach wie vor physisch, in Form von Münzen und Noten, im Sammeltopf. Das Publikum ist dabei auf der Steinberggasse und auf dem Kirchenplatz in etwa gleich spendabel – respektive unspendabel. Pro Person und Abend landen im Schnitt 1.30 Franken im Spendentopf. «Das ist schon wenig», sagt Rüegg. Vor ein paar Jahren seien die Zahlen allerdings noch schlechter gewesen. Bis 2010 lag der Durchschnitt nur bei einem Franken pro Person und Abend. Indem man mehr Spendensammler losschickte und auch stationäre Sammelboxen bei den Essensständen aufstellte, habe man den Betrag auf 1.30 steigern können, ein Niveau, auf dem er seither stagniert.

Nur eine ergänzende Einnahmequelle für die Musikfestwochen sind die Becherspenden. «Ihr Anteil liegt an einem guten Abend vielleicht bei 20 Prozent der Kollekte», sagt Rüegg. Wer keine Lust hat, für die Rückforderung des Depots vor den Getränkeständen Schlage zu stehen, kann seinen Mehrwertbecher in Sammelboxen werfen – ein Angebot, das auch aus Bequemlichkeit rege genutzt wird. Bereits gibt es laut Rüegg auch Überlagerungseffekte: «Wir haben Leute, die ihren Becher unseren Kollektoren mitgeben, die dann mit einem Becherturm zurückkommen.»

Ein Appell an die Solidarität

An insgesamt drei Abenden kommt die Hälfte der Becherspenden der Wasserinitiative Viva con Agua zu. Aus Sicht der Musikfestwochen ist es ein Beitrag für den guten Zweck, und ganz ähnlich wollen die Organisatoren ihre eigene Kollekte verstanden wissen. «Bei uns sind alle willkommen», sagt Laura Bösiger, Co-Leiterin der Musikfestwochen. Die Gratiskonzerte seien auch für Leute da, die wenig oder kein Geld hätten, und sie verstehe, wenn diese nichts spenden könnten. Gleichzeitig ist die Kollekte für die Finanzierung des Gratisprogrammes wichtig, und Bösiger sagt: «Wir glauben, dass, wer normal verdient, auch einmal ein Zehnernötli entbehren kann.» (mcl)

Erstellt: 14.08.2017, 17:51 Uhr

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