Winterthur

14-Jährigen zu sexuellen Spielen überredet

«Wahrheit oder Risiko» hiess das vermeintlich harmlose Spiel, mit dem ein 19-Jähriger einen 14-Jährigen zu sexuellen Handlungen überredete. Gestern stand er vor Gericht und muss nun den Plan, Sekundarlehrer zu werden, begraben.

Der misshandelte Junge hegte Suizidgedanken und musste in psychiatrische Behandlung.

Der misshandelte Junge hegte Suizidgedanken und musste in psychiatrische Behandlung. Bild: Fotolia

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Anders als viele Altersgenossen hat K. bereits klare Vorstellungen, was er beruflich machen will, wenn er im Sommer die Berufsmaturität in der Tasche hat. Er will die pädagogische Hochschule besuchen und Seklehrer werden. Denn er weiss aus Erfahrung, dass er «gut mit Kindern umgehen kann», war er doch fünf Jahre lang Leiter in der Jungschar.

Doch an der Selbsteinschätzung von K. gibt es Zweifel. Gestern stand der junge Mann in Winterthur vor dem Bezirksgericht. Der Vorwurf: sexuelle Handlungen mit Kindern. Der Vorfall ereignete sich Ende 2016, zu einer Zeit, in der K. ein Praktikum an einer heilpädagogischen Schule absolvierte. Es war kurz vor Weihnachten, K. kam nach Hause, die Abschlussfeier der Schule lag hinter ihm, Ferienanfang.

«Es gefällt mir, wenn sie jung aussehen, also wenn zum Beispiel jemand 26 ist und aussieht wie 18»


Beim Rauchen traf er einen damals 14-jährigen Jugendlichen vom Schulheim des Dorfes.«Ich habe ihn von der Strasse gekannt, er war immer allein», sagte K. vor Gericht. Der Junge habe auf den Zug warten müssen, und weil es kalt war, seien sie zu ihm nach Hause gegangen. Dort Schlug K. seinem Besucher vor, «Wahrheit und Risiko» zu spielen. Aus «Lust und Neugier», wie er vor Gericht sagte.

Er habe dem Jungen erklärt, dass alles erlaubt sein würde. Sie spielten alle Runden auf «Risiko». K. schlug dem Jungen Mutproben vor. So zeigte K. diesem zuerst seinen entblössten Penis, in der nächsten Runde musste der Junge diesen anfassen, und in der dritten Runde musste er sich zwischen Oral- und Analverkehr entscheiden.

Der Junge wählte letzteres. Zur Penetration kam es nur nicht, weil der Junge seine Pobacken zusammenklemmte. Nach dieser Runde war das «Spiel» zu Ende, und der Geschädigte wollte gehen. K. entliess ihn mit der Warnung, niemandem von ihrem «Spiel» zu erzählen.

Er wollte das Alter nicht wissen

Das Verbot erklärte K. so: «Ich wollte nicht, dass meine Familie erfährt, dass ich auch auf Männer stehe.» Zum Alter des Jungen habe er sich keine Gedanken gemacht. Als Jungschar-Leiter könne er das Alter von Jungen aber sehr gut einschätzen. Pädophile Neigungen verneinte er vor Gericht. Auf die Frage, ob ihm Jugendliche gefielen, sage er: «Es gefällt mir, wenn sie jung aussehen, also wenn zum Beispiel jemand 26 ist und aussieht wie 18.»

Die Staatsanwältin fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten sowie ein 10-jähriges Tätigkeitsverbot. Es sei offensichtlich, dass K. gewusst habe, dass sein Verhalten strafbar sei. «Er wusste, dass die Jugendlichen in diesem Schulheim mehrheitlich unter 16 Jahre alt sind.»

Er habe nicht nach dem Alter des Jungen gefragt. Mildernd wertete sie, dass er keine Gewalt angewendet habe, als der Junge seine Pobacken zusammenklemmte. Er habe aber mit direktem Vorsatz gehandelt, im Bestreben, seine sexuelle Lust zu befriedigen.

Die Anwältin der Mutter des Geschädigten forderte 8000 Franken Schadenersatz. Der Junge sei zum Zeitpunkt des «Spiels» an der Schwelle zur Adoleszenz gewesen, und es sei erwiesen, dass Übergriffe in dieser Lebensphase besonders belastend sein können. Der Junge habe mit Trauer, Wut und Verzweiflung auf den Übergriff reagiert.

Einmal habe er gesagt, er wolle nicht mehr leben. Im letzten Herbst musste er für einen Monat in eine stationäre psychiatrische Behandlung. Der Beschuldigte habe sich bewusst jemanden aus dem Schulheim ausgesucht, er habe gewusst, dass es sich um sozial benachteiligte Kinder handelte.

Das Bezirksgericht folgte im Missbrauchsfall dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der Pflichtverteidiger hingegen forderte eine bedingte Geldstrafe. Und er sagte, von einem Tätigkeitsverbot sei abzusehen. «Mein Mandant sieht seinen Fehler ein und bereut ihn zutiefst.» Beim «Spiel» habe es sich um ein «einvernehmliches Austesten der Sexualität» gehandelt. «Der Junge wurde zu nichts gedrängt.» Die einmonatige Untersuchungshaft sei K. eingefahren. «Er wird nie mehr so leichtfertig handeln.» Die beantragte Strafe würde die Zukunftspläne des 20-Jährigen auf den Kopf stellen.

Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwältin und verurteilte K. zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten sowie einem zehnjährigen Tätigkeitsverbot. Auch hiess es eine Genugtuung von 4000 Franken gut. «Sie haben zwar keinen Zwang angewendet, das Opfer aber überrumpelt», sagte die Richterin. Der 14-Jährige habe nicht damit rechnen können, dass das Spiel sexuelle Handlungen enthielt. «Sie handelten eigennützig.»

Zwar stellte das Gericht K. eine eher günstige Prognose. «Sie wissen nun, welche Folgen so eine Tat haben kann.» Beim Tätigkeitsverbot lasse das Gesetz bei dieser aber Straftat keinen Spielraum, sagte die Richterin. «Weil Sie ja weiterhin gern mit Kindern arbeiten möchten, geht es hier auch darum, Kinder zu schützen.»

(Der Landbote)

Erstellt: 07.03.2018, 16:32 Uhr

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