Stadttalk

20 statt 200 Auftritte pro Jahr

Der Satiriker Andreas Thiel erzählte im Café Coalmine, wie sich sein Leben seit dem Auftritt bei «Schawinski» gewendet hat. Er sieht sich als Opfer einer Rufmordkampagne.

Fällt auf: Satiriker Andreas Thiel beim Stadttalk.

Fällt auf: Satiriker Andreas Thiel beim Stadttalk. Bild: Marc Dahinden

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Die Irokesefrisur von Andreas Thiel fällt nur einmal auf: Beim Absitzen auf den Barhocker streift sie beinahe das Kinn von Moderator Michael Zollinger. Danach tritt die regebogenfarbene Haarpracht in den Hintergrund. Zu Beginn wähnt man sich im Café Coalmine in einem Comedy-Programm Thiels, und nicht in einem Talk.

Andreas Thiel erzählt von seinen Erlebnissen im Ballett. Eine Tänzerin sei ihm in den Solothurner Orchestergraben entglitten. Wie zum Beweis ahmt er die Szene nach. Moderator Michael Zollinger schaut ihm dabei lange zu; schliesslich unterbricht er die mehrminütige Ausführung. Dann definiert er das Thema des Abends: Was ist mit dem 45-jährigen Andreas Thiel nach Dezember 2014 geschehen?

Für einmal sehr ernst

Im Jahr 2014 schreibt der Satiriker einen Artikel in der «Weltwoche», der besagt, das der Koran zur Gewalt aufrufe. Daraufhin lädt ihn Roger Schawinski im Dezember in seine Sendung ein. Diese entgleist vollends, Schawinski wirft Thiel Rassismus vor. Viele Medien und auch bekannte Persönlichkeiten folgen ihm. «Es ist eine Rufmordkampagne», sagt Thiel. Theater hätten ihn nicht mehr engagiert und die Verträge aufgelöst.

«Schawinski hat mir mit seiner Tirade mein wichtigstes finanzielles Standbein weggeschossen.»Andreas Thiel

Auf den Strassen werde er häufig als Rassist beschimpft. Von seinen Freunden sei nur noch die Hälfte übrig. «Kann man den Schaden quantifizieren?», fragt ein Mann aus dem Publikum. Thiel antwortet: «Von 200 Vorstellungen pro Jahr kann ich jetzt noch 20 machen. Schawinski hat mir mit seiner Tirade mein wichtigstes finanzielles Standbein weggeschossen.» Bei dieser Antwort wirkt er für einmal nicht witzig, sondern ernst. «Im Nachhinein hätte ich sofort Anzeige erstatten sollen», sagt Thiel. Anstatt aufzutreten wendet sich der Satiriker sich jetzt verstärkt Nebentätigkeiten zu: Bücher, Referate, Coachings. Am heutigen Stadttalk verdient er jedoch nichts. Alle Eingeladenen kommen jeweils gratis.

Endloser Haifisch-Vergleich

Im weiteren Verlauf des Gesprächs versucht Moderator Michael Zollinger, die Positionen Thiels festzumachen. Thiel verurteilt Kultursubventionen aufs Gröbste. «Wenn man einem Schreiner 50 000 Franken gibt, dann reist er in die Ferien, und baut nichts», sagt er. Und auch auf Zollingers Replik, dass es Kultursubventionen brauche, um junge Künstler zu fördern, weiss Thiel schnell eine Antwort: «Die verkiffen und versaufen das Geld nur.»

Beim Thema Klimawandel sind die Gesprächspartner so uneins, das sie schnell weiterfahren. Andreas Thiel stellt das Phänomen in Frage, und ergründet dies mit einem endlos scheinenden Haifisch-Vergleich. Wie so häufig driftet er bei seinen Antworten ab und es fällt schwer, ihm zu folgen.

Ein Querdenker ist Andreas Thiel auf jeden Fall. Und eine Persönlichkeit, die auch nach dem Stadttalk undurchsichtig bleibt.

(Der Landbote)

Erstellt: 27.01.2017, 17:37 Uhr

Die nächsten Gäste

Stadtalk ist einmal im Monat in der Coalmine, jeweils an Donnerstagen um 19 Uhr.


  • Das nächste Gespräch findet am 23. Februar statt - zu einem ganz anderen Thema. Die Filmerin Karin Leuch hat ihre Krebsdiagnose offensiv über Facebook geteilt. Moderatorin Karin Landolt fragt, was sie dazu bewog.

  • Am 30. März ist Bundesanwalt Michael Lauber zu Gast.

  • Am 27. April Annette Keller, Direktorin der einzigen Vollzugsanstalt für Frauen in der deutschsprachigen Schweiz.

  • Am 18. Mai kommt Jasmin El-Sonbati. Die Autorin setzt sich für einen fortschrittlichen Islam ein.

  • Am 29. Juni wird Jürg Stahl, Nationalratspräsident, durchleuchtet.

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