Analyse

Am Lebenswerk gekratzt

Der Siska-Prozess trübt Robert Heubergers Vermächtnis.

Robert Heuberger schrieb Winterthurer Wirtschaftsgeschichte, und war auch immer wieder unter den Reichsten des Landes zu finden, wie hier im «Bilanz»-Ranking 2018.

Robert Heuberger schrieb Winterthurer Wirtschaftsgeschichte, und war auch immer wieder unter den Reichsten des Landes zu finden, wie hier im «Bilanz»-Ranking 2018.

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Der 97-jährige Robert Heuberger blieb dem Prozess rund um die von ihm gegründete Immobilien-Firma Siska Heuberger Holding AG am Mittwoch fern. Schon länger tritt Heuberger altershalber nicht mehr öffentlich auf. Zwar sprach er 2015 noch ausführlich mit den Strafermittlern im Fall Siska, doch mittlerweile gilt er als «nicht einvernahmefähig».

Sein Fernbleiben dürfte für seinen Seelenfrieden ohnehin ein Glücksfall gewesen sein. Denn nicht nur deckten sich die Siska unter der Führung seines Sohnes Günter Heuberger und der entlassene Ex-Chef Heinrich Schifferle erneut mit schweren Vorwürfen ein, sondern auch Robert Heuberger selber sass plötzlich in absentia auf der Anklagebank. Der Staatsanwalt warf ihm, einem der bekanntesten Winterthurer Unternehmer, falsche Aussagen vor. Er sei von Sohn Günter instruiert worden und habe sich nicht an das tatsächlich Erlebte gehalten.

Man könnte dies als kuriosen Tiefpunkt der jahrelangen Schlammschlacht abtun. Doch die Äusserungen des Staatsanwalts gingen über die Frage hinaus, wer denn nun eigentlich schuldig ist und wer nicht. Konkret haben die Richter ja in den Tagen ihrer Beratungen über mutmassliche Verfehlungen von Heinrich Schifferle zu entscheiden. Er, der Jahrzehnte lang im Dienst von Robert Heuberger stand, sieht sich aber als Opfer einer Intrige von Sohn Günter Heuberger.

Es zeigte sich das Bild einer Firma, die lange etwas Mühe hatte, im neuen Jahrtausend anzukommen.

Tatsächlich brachte der Sohn 2014 zahlreiche Anklagepunkte zur Anzeige, die von den Strafbehörden als schlicht zu wenig gravierend oder stichhaltig beurteilt wurden. Und dies tat Günter Heuberger, auch Chef der Top-Medien, auf eine lärmige Weise, aber mit klugem medialen Kalkül.

Auch heute noch wirken gewisse Verfehlungen, die Schifferle vorgeworfen werden, kleinlich. Vor Gericht zeigte sich indes ein Muster all dieser mutmasslichen Regelverstösse oder Bereicherungen. Sie hatten jahrelang nicht nur funktioniert, sondern wurden offenbar von oberster Stelle ausdrücklich geduldet. Heinrich Schifferle betonte mehrfach, Robert Heuberger habe die meisten dieser Deals oder «goodies» abgesegnet. Auch in den Plädoyers zeigte sich das Bild einer Firma, die lange etwas Mühe hatte, im neuen Jahrtausend anzukommen.

Die Siska, diese Winterthurer Erfolgsfirma, war positiv gesprochen ein Betrieb alter Schule, wo zwar Leistung eingefordert wurde aber auch Freiheiten unter Gentlemen möglich waren. Wie früher halt, als Robert Heuberger vor 65 Jahren mit dem Geschäft begann. Negativ gesprochen war es eine von Männern dominierte Immobilienfirma, die angesichts ihres Portefeuille-Volumens von gegen einer Milliarde Franken über erschreckend wenig Controlling verfügte. Dies war nicht zuletzt deshalb so, weil Robert Heuberger als klassischer Patron wirkte. Sein Wort galt, so war am Prozess zu hören, selbst wenn «widersprechende Schriftlichkeit» bestand.

Wenn sich der Patron nicht immer an abgemachte Grundsätze hielt, dann strahlte dies wohl auch auf das Personal aus. Schifferle war jahrzehntelang Teil dieses anfälligen Systems, welchen tatsächlich strafrechtlichen Vorwurf kann man ihm machen? Die Richter, die das nun zu entscheiden haben, sind nicht zu beneiden.

Selbstverständlich würde Günter Heuberger niemals dem Vater eine Mitschuld geben. Und doch entsprach sein Verhalten ab 2014 einer Reinigung des Systems Siska. Viele Kaderleute, die noch in der alten Weise wirtschafteten, sind mittlerweile auch weg. Und die Firma hat bei neuen Grossprojekten in der Stadt Gas gegeben.

Am Ende dürfte der Strafprozess einer sein, den sich hinterher niemand gewünscht hat. Der als Fussball-Liga-Präsident im Rampenlicht stehende Schifferle ohnehin nicht, an ihm nagte jahrelang die Ungewissheit. Aber auch Günter Heuberger musste vieles einstecken, und intime Familiengeschichten wurden publik. Die Siska selber, Robert Heubergers Vermächtnis, wurde am Mittwoch ein Stück weit entzaubert.

Erstellt: 04.10.2019, 13:16 Uhr

Mirko Plüss, Reporter

Urteil in drei Wochen

Im Siska-Prozess, der am Mittwoch startete, berät derzeit das Gericht. Weil die Parteien auf eine mündliche Urteilsverkündung verzichten, wird das Urteil nun schriftlich bekannt gegeben, wie das Gericht heute bekannt gab. Wegen Ferien-Abwesenheiten allerdings erst in rund drei Wochen.

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