Winterthur

Berufsschule droht ihr Herzstück an Wetzikon zu verlieren

Die Berufsbildungsschule Winterthur soll die Zeichnerausbildung Architektur an Wetzikon abgeben. Sie will den Vorschlag des Kantons aber nicht kampflos schlucken.

Zeichnerklasse der Fachrichtung Architektur in der Berufsbildungsschule Winterthur.

Zeichnerklasse der Fachrichtung Architektur in der Berufsbildungsschule Winterthur. Bild: Nathalie Guinand

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Die Berufsfächer in den insgesamt 18 Berufsschulen des Kantons sollen umverteilt werden. Dies, weil die Verteilung der Berufe im Laufe der Jahre historisch gewachsen ist, und die Angebote unübersichtlich geworden sind.

Ausserdem haben sich die Berufsbilder gewandelt, es sind neue Berufe entstanden, während andere fast verschwunden sind. Einzelne Standorte haben sich zu Kompetenzzentren entwickelt. Diese Entwicklung will der Kanton Zürich fördern und hat darum einen Lösungsvorschlag zur Konzentration der Berufsfächer erarbeitet (siehe Ausgabe vom Mittwoch).

«Das bisher vom Kanton geförderte System, Grund- und Weiterbildung anzubieten, wird mit dieser Massnahme torpediert.»


Erich Stutz,
Rektor Berufsbildungsschule Winterthur

Nun wehrt sich die Berufsbildungsschule Winterthur BBW gegen einen Teil des kantonalen Lösungsvorschlages. Es droht ihr das Wegbrechen verschiedener Bauberufe und damit rund 10 Prozent ihrer Lernenden, die künftig in Bülach, Dietikon, Wetzikon und Zürich unterrichtet werden sollen.

Konkret sind dies die Zeichnerinnen der Fachrichtung Ingenieurbau, Gärtner, Elektroinstallateurinnen und Metallbauer. Stein des Anstosses ist aber vorallem der drohende Verlust der Zeichner mit Fachrichtung Architektur, die nach Wetzikon verlagert werden sollen. Rektor Erich Stutz sagt, dass «wir dieses Berufsfach nicht ohne Widerstand abtreten, sondern mit Argumenten für den Erhalt kämpfen».

Dabei gehe es nicht um die Anzahl Lernenden, die man verliere – im 2018 waren dies 140 - sondern um den drohenden Verlust einer «ausgewiesenen» Kompetenz, in welche die BBW viel investiert habe. «Die Zeichnerinnenausbildung ist einer der wichtigsten Bereiche in unserer Abteilung Bau. Wir gelten in der Branche als einer der besten Ausbildungsstandorte im Kanton und haben unser Weiterbildungsangebot mit der höheren Fachschule Hochbau auf diesen Beruf ausgerichtet.» Das bisher vom Kanton geförderte System, Grund- und Weiterbildung in der gleichen Berufsfachschule anzubieten, würde mit dieser Massnahme torpediert.

Aktiv zur Lösung beitragen

Nochmals betont Stutz, dass «wir 80 Prozent der vorgeschlagenen Massnahmen, darunter auch den Verlust einzelnen Berufsgruppen, mittragen und auch von der Projektumsetzung profitieren, etwa im Maschinenbau.»

Hier soll die BBW ihre Kompetenzen erweitern können, geht es nach den Vorstellungen des Kantons. Die BBW wolle darum auch zur Lösungsfindung beitragen, sagt Stutz. Auf die Frage, ob die Lösung im Tausch mit anderen Berufen liege, will er zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben.

In Winterthurer gibt es neben der BBW zwei weitere Berufsschulen, die der kantonalen Bildungsdirektion unterstellt und darum von Verschiebungsmassnahmen betroffen sind: Die Berufsfachschule BFS und das Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen ZAG. Während sich die BBW zum Widerstand gezwungen fühlt, zeigt sich die BFS mit der Rochade zufrieden.

«Wir platzen heute aus allen Nähten», sagt deren Rektor Paul Müller. Nun soll sie entlastet werden, indem sie Klassen der Kinderbetreuungs-Ausbildung mit insgesamt 800 Lernenden an ihre Schwesterschule in Horgen abgeben kann. Im Gegenzug gewinnt sie die bisher in Zürich ausgebildeten 500 Detailhandelsfachleute und kann sich damit zum Kompetenzzentrum Detailhandel weiterentwickeln.

Mehr Gesundheitsfächer

Auch die Rektorin des ZAG, Hanni Wipf, spricht von einer positiven Entwicklung, komme mit der Rochade doch ein weiteres Berufsfeld, nämlich die Ausbildung zur Dentalassistentin, dazu, «was sehr gut zu uns als Gesundheitskompetenzzentrum passt». Ein Platzproblem gebe es dadurch nicht: Die Lernenden können weiter am bisherigen Standort nahe des ZAG unterrichtet werden.

Bis Ende September haben die Schulen und «interessierte Kreise» Zeit, sich zu äussern. Über die definitiven Lösungen entschiedet der Bildungsrat im kommenden März, Umsetzung und Einführung sollen bis Sommer 2023 erfolgen. (Der Landbote)

Erstellt: 13.06.2019, 18:55 Uhr

Kantonal, kommunal und privat organisierte Berufsschulen

Im Kanton Zürich gibt es 29 Berufsfachschulen, welche rund 42’000 Lernende in über 200
Berufen und etwa 2200 Klassen für die theoretische Ausbildung besuchen. 18 davon sind kantonal organisiert, dazu gehören die BFS, die BBW und die ZAG (siehe Hauptartikel), 11 haben eine private oder kommunale Trägerschaft, in Winterthur sind dies die Wirtschaftsschule KV Winterthur und die Mechatronikschule Winterthur MSW. Sie sind von der Fächerrochade der kantonalen Bildungsdirektion nicht betroffen.

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