Winterthur

Büchertauschbox als Entsorgungsstelle missbraucht

Die Büchertausch-Kabinen sind seit über einem Jahr in regem Gebrauch. Die Zwischenbilanz der Projektleiterin fällt aber nur halbwegs positiv aus.

Die Tauschkabine in Veltheim musste einst sogar geschlossen werden, um aufzuräumen.

Die Tauschkabine in Veltheim musste einst sogar geschlossen werden, um aufzuräumen. Bild: Marc Dahinden

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Das Konzept ist simpel: «Nimm ein Buch – bring ein Buch». Der Verein Lauschig will fertig gelesenen oder überzähligen Büchern ein zweites Leben schenken und startete im Frühsommer vor einem Jahr die Büchertausch-Aktion. Im November kam zu den zwei ehemaligen Telefonkabinen in Veltheim und im Mattenbachquartier noch eine Kabine am Graben dazu.

Nachdem der Verein zu Beginn einmal einen Grundstock eingerichtet habe, ändere sich das Büchersortiment nun ständig, sagt Projektleiterin Ramona Früh. Am meisten würden Romane weggegeben werden, aber auch Kinderbücher, Bildbände, Kochbücher oder Ratgeber sehe man häufig. «Es ist von allem etwas dabei.» Dabei landen tendenziell eher zu viele, als zu wenige Bücher in den Kabinen. Besonders diejenige am Graben würde rege genutzt. «Beim Vorbeigehen sehe ich immer Leute, die im Angebot stöbern.»

«Die Aktion läuft nicht von selbst»

Die rund 20 Helfer würden die Regale regelmässig pflegen und alte oder kaputte Bücher aussortieren und entsorgen, sagt Früh. «Die Helfer haben viel zu tun, die Aktion läuft nicht von selbst.» Früh fasst zusammen: Eigentlich laufe das Projekt gut, einen zusätzlichen Standort werde es aber vorerst nicht geben. Vor Problemen mit Vandalismus, womit in der Vergangenheit vereinzelt deutsche Gemeinden zu kämpfen hatten, blieb Winterthur verschont.

«Es gelangen viele Sachen in die Kabine, die niemand mehr gebrauchen kann.» Ramona Früh, Projektleiterin

Dafür: «Leider verwechseln viele die Kabine mit einer Entsorgungsstelle», sagt Früh. So müssten die Helfer jeden Tag bei den Kabinen für Ordnung sorgen. «Es gelangen viele Sachen in die Kabine, die niemand mehr gebrauchen kann.» Dazu gehörten verkritzelte Broschüren, zerfledderte Bücher oder veraltete Fachliteratur. Besonders schlimm sei es bei der Kabine in Veltheim. Diese musste der Verein sogar einmal vorübergehend schliessen, um aufzuräumen. «Die Helferinnen und Helfer erzählen mir, dass sie jede Woche einmal zu Maag-Recycling fahren müssen, um alles Unbrauchbare zu entsorgen.» In Veltheim hat der Verein inzwischen einen Aushang angebracht, der den richtigen Umgang mit der Kabine erklärt. Eine endgültige Schliessung der Boxen komme derzeit eher nicht in Frage. Aber: «Wir wissen noch nicht, wie wir das Problem lösen könnten», sagt Früh. An «kritischen Daten» wie dem Albanifest oder Halloween habe man die Kabine am Graben geschlossen. «Damit die Leute sie nicht mit einer Toilette verwechseln.»

Erstellt: 29.08.2019, 13:49 Uhr

Ramona Früh, Projektleiterin lauschig-Tauschkabine

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