Wetter

Burglind wütete, aber schonte Winterthur

Mit Böen von bis zu 195 Kilometern pro Stunde, Regen und Temperaturen bis 17 Grad ist das Sturmtief Burglind am Mittwoch über die Schweiz gepeitscht. Winterthur und das Umland der Stadt sind dabei vergleichsweise glimpflich davongekommen.

«Burglind» konnte sie nicht standhalten: Eine alte Birke ist am Mittwoch an der Rychenbergstrasse entwurzelt worden. Vielerorts in der Region Winterthur verursachte der Sturm ähnliche Schäden.

«Burglind» konnte sie nicht standhalten: Eine alte Birke ist am Mittwoch an der Rychenbergstrasse entwurzelt worden. Vielerorts in der Region Winterthur verursachte der Sturm ähnliche Schäden. Bild: Johanna Bossart

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86,9 Kilometer pro Stunde erreichte eine Böe von Burglind um 11.25 in Winterthur. So zeigte es die private Messstation von Ueli Gläser in Oberwinterthur an. Das sei ein Rekordwert, seit er 2003 mit Messen angefangen habe, erzählt er. Die Böen rissen in Winterthur denn auch mehrere Bäume um. So zum Beispiel zwei Birken, eine an der J.C.-Heerstrasse in Töss und eine an der Rychenbergstrasse. 100 Jahre alt soll die zweitgenannte gewesen sein, berichtete ein Anwohner.Vor den Häusern drapierte Papier- und Kartonhaufen sowie Weihnachtsbäume, die ihren Dienst getan hatten, wurden von Burglind zerzaust. Auf der Baustelle der Ballsportarena Win4 fegte der Wind Isolationsplatten vom Dach auf das Baugelände. Die Stadtpolizei Winterthur musste laut einer Mitteilung bis Nachmittags um 16 Uhr 20 Mal ausrücken, um Gegenstände wie Bauabschrankungen, Verkehrsschilder und Abfallcontainer von den Strassen zu räumen. In Einzelfällen seien parkierte Autos beschädigt und bei einem Haus das Dach durch eine Böe teilweise abgedeckt worden. Über die Schadenssumme konnte die Polizei keine Angaben machen. Verletzt worden sei niemand.

Auch in der Region hat Burglind Spuren hinterlassen. Die Bahnstrecke von Thalheim-Altikon bis Stein am Rhein blieb ab kurz vor Mittag gesperrt, weil hochgewirbelte Gegenstände die Fahrleitung beschädigt hatten. Es verkehrten Ersatzbusse. In Pfungen hatten 2000 EKZ-Kunden am Mittwoch keinen Strom, weil ein Baum auf eine Leitung zwischen Pfungen und Embrach gefallen war. In Zell mussten ebenfalls 1500 EKZ-Kunden ohne Strom auskommen.

«Tannen müssen warten»

Auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr Weinland mussten wegen Burglind ausrücken. «Hauptsächlich wegen umgestürzter Bäume», sagt Kommandant Heiner Wipf. Verschiedene Strassen mussten gesperrt werden, um die Bäume zu zersägen und die Fahrbahn zu räumen. «Priorität haben Strassen, auf denen das Postauto verkehrt», sagt Wipf. «Tannen, die zum Beispiel an Hauswänden lehnen, müssen halt etwas warten.»

Die Strecke zwischen Marthalen und Benken war die wichtigste Verbindung, die zeitweise nicht passierbar war. Aber auch nach Ellikon am Rhein führte von Winterthur her für ein paar Stunden kein Weg. Die Hauptstrasse nach Rheinau war nach dem Mittag wieder geräumt. Weitere Sachschäden wurden der Feuerwehr bis Mittwochnachmittag nicht gemeldet. «Wir hoffen, dass es so bleibt», sagt Wipf. Die Pegelstände der Flüsse seien hoch, aber nicht dramatisch.

Wie gross die Schäden in den Wäldern sind, konnten die Förster der Region am Mittwoch noch nicht beziffern. «Es ist zu gefährlich, jetzt in den Wald zu gehen. Wir warten bis morgen», sagt Martin Hinnen, Leiter des Forstreviers Weinland Süd, zu dem Privat- und Gemeindewälder der Gemeinden Neftenbach, Dägerlen, Seuzach, Hettlingen, Henggart und Humlikon mit total 1103 Hektaren Waldfläche gehören. «Mit Schäden rechnen wir sicher», sagt Hinnen. Doch das Ausmass könne er noch nicht abschätzen. Er rät nicht nur seinen Mitarbeitern, den Wald zu meiden, sondern auch allen anderen. «Bäume können auch durch kleine Windböen umstürzen, wenn sie zuvor vom Sturm gelockert wurden.»

Die exponierte Lage des Berggasthauses Hörnli im Zürcher Oberland veranlasste den Wirt Hansruedi Häne dazu, sein Gasthaus «infolge stürmischer Wettervorhersage» Mittwoch und Donnerstag gleich ganz zu schliessen.

Lastwagen und Zug gekippt

Andere Regionen der Schweiz waren aber weitaus stärker vom Sturmtief betroffen. In Oensingen (BE) warf Burglind einen grossen Lastwagen um und vor dem Berner Hauptbahnhof den Weihnachtsbaum. Im Berner Oberland entgleiste wegen einer Windböe ein Zug. Acht Personen wurden verletzt. Im Skigebiet Pizol im Kanton Sankt Gallen steckten am Nachmittag mehrere Personen in Gondeln fest. Sie mussten evakuiert werden, weil Bäume auf die Tragseile gestürzt waren. Am Flughafen Zürich wurden mehrere Flüge gestrichen und verschoben.

Die stärksten Böen registrierte Meteo Schweiz mit bis zu 200 km/h in höheren Lagen, zum Beispiel auf dem Pilatus. Gleichzeitig stiegen die Temperaturen an, teilweise wurde es 17 Grad warm. Am Nachmittag beruhigte sich das Wetter und die Temperatur sank wieder um durchschnittlich 10 Grad. (rut/maf/des)

Erstellt: 03.01.2018, 16:36 Uhr

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