Winterthur

Bus durchs Quartier oder am Siedlungsrand

Das Neubauquartier Binzhof / Ruchwiesen erhält in den nächsten Jahren Anschluss an die Linie 1 von Stadtbus. Am Dienstag hat die Stadt die Anwohner über die Pläne informiert. Nicht alle freuten sich über den geplanten Ausbau.

Die Buslinie 1 soll verlängert werden. Wohin des Weges?

Die Buslinie 1 soll verlängert werden. Wohin des Weges? Bild: Marc Dahinden

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Fünf Minuten vor Veranstaltungsbeginn waren die über 300 Plätze in der Turnhalle des Schulhauses Zinzikon bereits voll. Wer nicht pünktlich kam, musste stehen. «Wir sind erschlagen von Ihrem Interesse, wir hatten zuerst nur mit 50 bis 80 Personen gerechnet», sagte Stadtingenieur Peter Gasser bei der Begrüssung.

«Wir sind erschlagen von Ihrem InteressePeter Gasser,
Stadtingenieur

Tatsächlich ist die Buserschliessung für das Quartier ein einschneidendes Projekt. Es ist seit Jahren klar, dass die Buslinie 1 nach der Endstation verlängert werden soll. Und zwar in Richtung Binzhof/Ruchwiesen. Im Westen von Zinzikon plant ein privater Investor eine Überbauung, die 1000 bis 1500 zusätzliche Bewohner bringt. «Angesichts der zu erwartenden Einwohnerzahl, ist die Stadt verpflichtet, dieses Gebiet mit dem Bus zu erschliessen», erklärte Gasser. Nun wolle man bei der Bevölkerung den Puls fühlen um festzustellen, welche der möglichen Streckenführungen am besten ankomme.

Christoph Oetiker von der Verkehrsplanung der Stadt erläuterte, dass es derzeit zwei mögliche Varianten für die Verlängerung gibt. Dabei gelte es abzuwägen, ob man den Bus lieber auf bestehenden Quartierstrassen oder am Siedlungsrand auf der heute grünen Wiese fahren lassen wolle.

Zwei mögliche Varianten

Variante A sieht vor, den Bus bei der heutigen Endstation der Linie 1 bis zum Siedlungsrand und dann auf dem Doldenweg westwärts bis ins Neubaugebiet weiterzuführen. Je nach Tageszeit würden die Busse wie heute alle 7½, 10 oder 15 Minuten fahren.

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Bei der Variante B würde man darauf verzichten, den Bus am Siedlungsrand entlang zu führen . Er würde stattdessen im Wechsel bis zur heutigen Endstation Oberwinterthur weiterfahren oder ab der Bushaltestelle Zinzikon der Binzhofstrasse entlang durchs Quartier bis zur Endstation im Neubaugebiet weitergeführt. Bei dieser Variante gäbe es neu auch beim Schulhaus Zinzikon eine Busstation.

Oetiker hielt jedoch fest, dass die Variante B für einige Nutzer eine Angebotsverschlechterung mit sich bringen würde. Denn auf beiden Ästen gäbe es statt des heutigen Takts je nach Tageszeit nur noch einen 15-/20- oder 30-Minuten-Takt. Dazu kommt, dass bei der Variante B fast alle weissen Parkplätze auf der Binzhofstrasse wegfallen würden, wenn hier ein Bus verkehrt. Bei beiden Varianten müsste eine Oberleitung gebaut werden, da auf der Linie 1 Trolleybusse verkehren werden.

Quelle: Tiefbauamt Winterthur. (Für eine vergrösserte Ansicht hier klicken.)

Ausbau auch für Auto möglich

Bei der Variante A besteht laut Oetiker auf Wunsch von Anwohnern die Option, den heutigen Doldenweg nicht nur für den Bus, sondern auch gleich für den Autoverkehr auszubauen. Dafür würde es allerdings mehr Land brauchen und die Lärmbelastung für die Bewohner am Siedlungsrand würde zunehmen.

Bei Variante A ist zudem noch offen, ob der Bus über die Stadlerstrasse oder die Reutlingerstrasse in den Doldenweg geführt werden soll. Die Reutlingerstrasse ist eine relativ schmale Quartierstrasse, die heute kaum Verkehr hat. Diese Linienführung hätte den Vorteil, dass sie weniger Land beanspruchen würde und dadurch günstiger wäre. Als Kompromiss könnte der Bus auch bei Fahrten stadtauswärts über die Stadlerstrasse, stadteinwärts aber über die Reutlingerstrasse verkehren.

Die Vor- und Nachteile beider Varianten gemäss Stadt. (Für eine vergrösserte Ansicht hier klicken).

Nach der Vorstellung der Varianten sagte Raffael Noesberger, Leiter Verkehrsplanung bei der Stadt, man sei sich bewusst, dass jede Variante Vor- und Nachteile mit sich bringe, je nachdem, wo die Leute wohnen. Die Abteilung Verkehrsplanung habe für sich eine Bewertung anhand verschiedener Kriterien vorgenommen (siehe Tabelle oben) und sei zum Schluss gekommen, dass man die Variante A ohne Autoerschliessung bevorzugen würde.

«Sie bringt ein sehr gutes ÖV-Angebot, ist aber deutlich günstiger als die Variante mit Auto, da die Stadt weniger Kosten selber tragen muss.» Die Buserschliessung wird vom Agglomerations-Programm und dem kantonalen ÖV-Fonds mitgetragen. Eine Autoerschliessung erachte man zudem nicht als dringend. «Es braucht dort aus verkehrstechnischer Sicht keine Strasse.»

«Wir werden enteignet»

Die Diskussion im Anschluss zeigte, wie emotional das Thema ist. «Die Stadt will die Liegenschaftenbesitzer an der Reutlingerstrasse enteignen, falls diese Variante gewählt wird», ärgerte sich ein Anwohner. Oetiker relativierte auf Nachfrage diese Aussage jedoch. «Es braucht keinen Strassenausbau an der Reutlingerstrasse. Wir wären zwar froh um ein paar Quadratmeter privaten Landes, dort, wo der Bus um die Kurve muss. Aber wenn das nicht klappt, werden wir auch ohne Land von Bewohnern durchkommen.» Aber es sei verständlich, dass die Leute nicht so Freude hätten, wenn plötzlich ein Bus vor dem Garten durchfahre.

«Wir brauchen gar keinen Bus.»Ein Anwohner

Ein anderer Anwohner wollte wissen, weshalb es keine Variante null gebe. «Wir brauchen gar keinen Bus.» Für diese Aussage gab es Applaus, doch Noesberger betonte nochmals, die Stadt sei verpflichtet, diesen Ausbau vorzunehmen. Andri Ventura, Präsident des Quartiervereins, gab bekannt, dass der Verein sich an der GV für die Variante A samt Ausbau für Autos ausgesprochen habe, allerdings ohne die Reutlingerstrasse zu durchfahren.

Mehrheit will Variante A

Zum Schluss konnten alle Anwesenden ihre Präferenzen auf einem Fragebogen zu notieren. Die Stadt hat die 263 eingegangenen Bogen inzwischen ausgewertet. Mehr als zwei Drittel haben sich laut Oetiker für die Variante A ausbesprochen, mit leichter Mehrheit ohne Ausbau fürs Auto. Bis der Bus aber tatsächlich fährt, werden noch mindestens vier Jahre vergehen.

(Der Landbote)

Erstellt: 18.05.2017, 16:38 Uhr

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