Geburtstag

Das Albani soll wieder eine nationale Adresse werden

Am Montag ist es genau dreissig Jahre her, dass der Musikclub Albani mit einem Konzert von Willy DeVille den Betrieb aufnahm. Programmleiter Nik Fischer möchte das Haus wieder so bekannt machen wie damals.

Die beiden Albani-Geschäftsführer Nik Fischer (rechts) und Roland Mages.

Die beiden Albani-Geschäftsführer Nik Fischer (rechts) und Roland Mages. Bild: Helmut Dworschak

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1988 wurde das Albani in seiner heutigen Form als Konzertlokal von Mitgliedern des Vereins ­Musikfestwochen gegründet, nachdem es seit den 1950er-Jahren ein Hotel und ein Tanzlokal gewesen war; es ist damit einer der ältesten Musikclubs der Schweiz.

Zu Beginn hatte das Haus in Winterthur ein Monopol, denn Gaswerk, Salzhaus und Kraftfeld entstanden erst Jahre später. Das kleine Albani, wo man den Musikern direkt in die Augen sehen kann, war sogar schweizweit bekannt. Hier traten nicht nur Züri West auf, auch einige internationale Bands, darunter Pearl Jam und Sheryl Crow. Noch in den 1990er-Jahren fanden Grössen der Weltmusikszene hierher.

Es braucht mehr als gute Bands

Eröffnet wurde der Club am 13. August 1988 mit einem Auftritt des Rockmusikers Willy DeVille (1950–2009). Aus diesem Anlass spielt am Montag die Punkband Die Nerven aus Stuttgart (siehe Box rechts).

Der Badener Nik Fischer, seit bald zwei Jahren Programmleiter mit einem Fünfzig-Prozent-Pensum, möchte das Albani wieder zu einer nationalen Adresse machen. Mit guten Bands alleine ist dieses Ziel nicht zu erreichen.

Fischer setzt auf die Pflege des Netzwerks und Werbung mittels Blogs, Webseiten und Konzertkalendern: «Es muss über das Albani geschrieben werden, man muss darüber reden.»

Er ist zugleich Geschäftsführer des Vereins Albani, während Roland Mages in derselben Funktion die ­Aktiengesellschaft führt, zu der die Bar und das Hotel gehören.

Grosse Namen wird Fischer heute kaum mehr zu einem Auftritt in Winterthur bewegen können. Stattdessen bemüht er sich um ein «exklusives Programm», mit Bands, die sonst in der Deutschschweiz nicht auftreten.

Radikal veränderte Szene

Tatsächlich waren noch nie so viele gute, aber kaum bekannte Musiker unterwegs wie heute, da der Tonträgermarkt zusammengebrochen ist. «Die Szene hat sich in den letzten dreissig Jahren radikal verändert», sagt Fischer.

Das Angebot an Bands sei riesig. Deshalb sei es aber auch nicht leicht, sich im Angebot zurechtzufinden. «Es gehört eine grosse Portion Glück dazu, die richtigen Bands auszuwählen.»

Damit soll ein begeisterungsfähiges Nischenpublikum angesprochen werden. Dieses stammt durchaus nicht nur aus Winterthur. «Die Leute, die den Vorverkauf nutzen, kommen zum grösseren Teil von auswärts», weiss Fischer, der 41 Jahre alt ist und seit über zehn Jahren Kultur veranstaltet. An seinem Wohnort Baden im Aargau organisiert er das Musikfestival One of a Million, das seit 2011 jeweils im Februar vielversprechende junge Bands vorstellt.

Zudem ist er Teil der Künstleragentur Glad We Met. Das Kollektiv steht etwa ­hinter den Auftritten des deutschen Liedermachers Gisbert zu Knyphausen und der Schweizer New-Wave-Band «One Sentence. Supervisor» an den Musikfestwochen. Die markanteste Änderung im Vergleich zu seinem Vorgänger betraf die Reihe «Perlen und Säue», die jeweils am Donnerstag ein kostenloses Konzert offerierte. Sie wurde eingestellt.

Fischer hält wenig von der Gratiskultur. Aus der Kollekte habe sich jeweils eine Gage von rund zweihundert Franken ergeben, was für die Bands nicht attraktiv sei, entsprechend schwierig sei es, damit hochwertige Konzerte zu organisieren.

Die Konzertsaison im Albani dauert im Prinzip von Oktober bis Mai, dazwischen beteiligt sich der Club auch an den Musikfestwochen – mit einem Programm, das mehr als eine Ergänzung zum Festival ist. Auf der intimen Bühne finden Liebhaber Musik, die in der Menge untergehen würde.

Hip-Hop ist nach wie vor ein Standbein des Albani. In der nächsten Saison etwa stellt der Berner Rapper Baze, Träger des Schweizer Musikpreises, sein neues Album vor. Lokale und regionale Bands finden hier ebenfalls einen Auftrittsort, so die Winterthurer Hardrockband Hathors und The Peacocks aus Stammheim. Eine Band, die laut Fischer bald den Durchbruch schaffen könnte, ist Dream Wife, eine junge Girl-Punk-Band aus England, die im November spielt.

Tiefe Eintrittspreise

«Die Leute sollen wegen der Musik kommen», findet Fischer. Gerade in einem kleinen Club sei es wichtig, dass die Musiker Beachtung fänden.

Achtzig bis hundert Leute würden bereits eine gute Konzertatmosphäre schaffen. Das sei eine der grossen Qualitäten des Albani. Fischer setzt auf junge, aufstrebende Bands und tiefe Eintrittspreise. Ein- bis zweimal pro Monat kostet der Eintritt für das Konzert sogar nur fünf Franken.

Neu eingeführt wurde in diesem Sommer der Steibi-Slam in der Steinberggasse. Er schliesst an die Poetry-Slam-Abende an, die im Albani seit Jahren stattfinden. Ebenfalls neu ist die Reihe Diskuthek, an der ein prominenter Gast mit dem Publikum über ein aktuelles Thema spricht. Im Februar war dies U-20-Poetry-Slam-Schweizer-Meister Marco Gurtner, es ging um den Umgang mit Süchten. In einer Spezialausgabe wird heute über Kooperationen unter Kulturveranstaltern diskutiert. (Der Landbote)

Erstellt: 11.08.2018, 08:47 Uhr

Infobox

Diskuthek: Samstag, 16 Uhr, Albani, Steinberggasse. Eintritt frei.

Loslassen mit den Nerven

Nerven die? Oder sind es die Nerven, müssten sie sich schonen? Vielleicht beides, schliesslich geht es um Punk.

Auf dem vierten Album «Fake» signalisiert das ursprünglich aus Stuttgart stammende Trio Die Nerven nicht nur Distanz zum elektronisch gesteuerten Warenfetischismus von Internetgiganten. Es beweist auch, dass es empfänglich ist für die Befindlichkeit des Subjekts, das sich in den ­Optionen zu verlieren droht: «Immer nur dagegen, nie wirklich dabei», heisst etwa im Lied «Frei». Das nicht etwa das Freisein feiert oder Freiheit einfordert, sondern zum Loslassen rät: «Lass alles los, gib alles frei». Das Rezept befolgen die drei auch musikalisch mit poppigen Melodien.

Die Band baue die bekannten Schallwände, um dagegen anzuschreien, schrieb die Zürcher «Wochenzeitung»: «Keine Orientierung für komplizierte Zeiten – aber zumindest
der Soundtrack dazu.» dwo

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