KSW

Das Kantonsspital stellt auf Duzis um

Seit Anfang Jahr gilt für das Personal des Kantonsspitals Winterthur der Du-Standard. Davon ausgenommen bleiben die Patienten und alle, die sich weigern mitzumachen.

Am KSW sagen sich die Angestellten Du. Die Patienten werden nach wie vor gesiezt.

Am KSW sagen sich die Angestellten Du. Die Patienten werden nach wie vor gesiezt. Bild: Heinz Diener

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In der Privatwirtschaft hat sich das kollektive Du längst etabliert. Es kam mit dem Englischen mit, das mit seinem «you» nicht zwischen Du und Sie unterscheidet. Und das Du ging einher mit flacheren Hierarchien und einem neuen Führungsverständnis, in dem Vertrauen und Nähe wichtiger sind als Gehorsam – und in dem Entscheide gemeinsam vorbereitet werden. Seit Anfang Jahr hat auch das Kantonsspital Winterthur diesen Du-Standard. Es ist ein Novum in der Spitallandschaft, die noch immer eher hierarchisch organisiert ist. Das zumindest ergibt eine kleine Umfrage unter den grossen Spitälern in der Region. Zwar sei das Du auf der Station oder in medizinischen Teams weit verbreitet, nicht aber über den ganzen Betrieb hinweg, bestätigen zum Beispiel das Zürcher Universitätsspital oder das Kantonsspital St. Gallen.

Ein unverbindliches Hallo

Im KSW gilt das Du zwischen Mitarbeitenden aller Ebenen, und dabei jeweils gegenseitig, wie Spitaldirektor Rolf Zehnder im Interview mit dieser Zeitung erklärt. Der neue Standard sei aber freiwillig. «Wir wollen und können niemanden zwingen.» Die Bereitschaft, aufs Sie zu verzichten, nehme mit steigendem Rang und Alter etwas ab, beobachtet Zehnder. Ein Kulturwandel brauche Zeit. Viele trauten sich zum Beispiel noch nicht, ihn beim Vornamen zu nennen. «Dann hört man das unverbindliche Hallo.»

Arbeitspsychologen wie Stefan Heer von der Schweizerischen Gesellschaft für Arbeits- und Organisationspsychologie sagen, Duzis verbessere ganz allgemein die Kommunikation, indem es Distanzen und Hemmschwellen abbaut. Auch das KSW verspricht sich eine Verbesserung der Zusammenarbeit. Zehnder will die Erwartungen aber nicht zu hoch schrauben. Es sei am Ende ein symbolischer Akt. Von den Veränderungen, die im neuen Jahrzehnt auf das Spital zu kämen, sei es die kleinste, liess er seine über 3500 Mitarbeitenden unlängst wissen.

Erstellt: 04.02.2020, 17:51 Uhr

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